Ängste um Versorgung und Nachfrage starten Berg- und Talfahrt der Getreidepreise

Heimischer Kassamarkt bleibt in Verunsicherung äußerst verhalten

Wien, 16. September 2022 (aiz.info). - Zuerst die Angst um die Versorgungssicherheit und danach die Furcht um die Nachfrage wegen der Katerstimmung in der Weltwirtschaft schickten in den vergangenen Tagen die internationalen Getreide- und Ölsaatennotierungen auf berg- und anschließend wieder Talfahrt. Die Versorgungsängste etwa sind geprägt von Drohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Exportkorridore der Ukraine über das Schwarze Meer wieder schließen zu wollen, auch weil er sich bei russischen Düngemittelexporten benachteiligt fühlt. Weiters ängstigen Dürre und Hitze, die vom Weizen in Argentinien bis hin zu Mais, Sonnenblumen und Soja in den USA und in der EU zusetzen. Inmitten der allgemeinen Verunsicherung lief auch der heimische Kassamarkt jüngst weiterhin äußerst verhalten.
 
Es kämen mit Brotgetreide in Österreich nach wie vor nur kurzfristige Geschäfte mit den allernotwendigsten Mengen zustande, wobei sich die Notierungen an der Wiener Produktenbörse diese Woche nicht nennenswert verändert haben. So heißt es, dass auf Verarbeiterseite wegen der unsicheren Lage niemand ins Risiko längerfristiger Kontrakte gehen wolle, wohingegen Lagerhalter mit der zwischenzeitlichen Befestigung der internationalen Weizenkurse ihre Forderungen bestätigt sähen.
 
Jüngst getätigte Einfuhren von Mahlroggen aus dem benachbarten EU-Raum nach Niederösterreich wurden mit Preisen notiert, die deutlich unter den zuletzt für inländische Ware bezahlten liegen. Auch Einkäufe von Futterweizen aus dem Ausland finden sich am Kursblatt, nachdem hier in Österreich Interesse der Mischfutterhersteller erwacht ist.
 
Von der Nassmaiskampagne werden von der Landwirtschaftskammer im Osten Niederösterreichs schwache Erträge von 2 bis 6 t/ha, Kornfeuchten schon von unter 25% und in der abgelaufenen Woche Netto-Erzeugerpreise frei Werk auf Basis 30% Feuchtigkeit bis zu rund 240 Euro/t kolportiert. Das hohe Preisniveau habe auch kräftigere Preiszu- und -abschläge für geringere beziehungsweise höhere Feuchtigkeitsgrade von 2,60 bis 4,10 Euro/t zur Folge. Indes würde auch kontinuierlich, aber tröpfenweise in jeweils nur kleinen Mengen Körnermais aus der Ukraine angeliefert und von den Verarbeitern einstweilen auf Lager gelegt. Es heißt, Polen könne heuer als eines der wenigen EU-Länder eine Maisernte etwa auf Vorjahresniveau einführen, wobei die dortige Silokapazität auch mit für den Westen Europas bestimmten Maislieferungen aus der benachbarten Ukraine schon ziemlich ausgelastet sei.
 
Ebenso kündigten sich in und rund um Österreich schwache Sojabohnenerträge an. Zusammen mit dem jüngsten internationalen Preisanstieg sorge dies für Nervosität. Es kamen diese Woche keine Sojaschrotnotierungen in Wien zustande. (Schluss) pos
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