Abschwächung internationaler Getreidemärkte auch in Österreich angekommen

Schlechter Export drückt CBoT - China und USA offenbar vor Abbau von Strafzöllen

Wien, 8. November 2019 (aiz.info). - Ausgehend von schlechter Stimmung an der CBoT in Chicago beim Terminhandel mit Weizen, Mais und Sojabohnen infolge schwacher Weizen- und Maisexporte und von Erntedruck beim Mais konnte sich auch der Weizenkontrakt an der Euronext in Paris nur knapp über ein zu Wochenbeginn erreichtes Vierwochen-Tief (Schlusskurs Dezember-Kontrakt am Montag: 176,75 Euro/t) erholen - und das trotz einer guten Exportkonjunktur, die an den Kassamärkten entsprechende Prämien auf das Euronext-Niveau erlaubt. Den Freitaghandel startete der Dezember-Mahlweizenfuture mit einem leichten Minus von 0,25 Euro bei 178 Euro/t. Zudem herrscht so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm, den der Freitagabend fällige monatliche WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) entfachen könnte. Die Märkte befürchten, das USDA könnte die ohnehin auf Rekordniveau befindliche Prognose für die weltweiten Weizenendlager noch weiter in die Höhe schrauben. Die jüngste Abschwächung der Terminmärkte ist auch am österreichischen Kassamarkt angekommen. Am Mittwoch gaben an der Wiener Produktenbörse die Notierungen von Premium- und Qualitätsweizen sowie Mahlroggen nach, eine Befestigung "von unten her" erfuhr der Markt dementgegen vom Mahlweizen. Schließlich sorgten Aussagen aus China, wonach man sich mit den USA über ein sogenanntes "Phase eins-Abkommen" zum schrittweisen Abbau der gegeneinander verhängten Strafzölle einig sei, am Donnerstagabend für Aufsehen vor allem im Sojakomplex und stärkten den US-Dollar wiederum gegenüber dem Euro.

Schon früher in dieser Woche gaben die Chinesen bekannt, wegen angeblich mangelhafter Ausfuhrzertifikaten blockierte Schweinefleischlieferungen aus Kanada wieder zuzulassen. Vom WASDE-Bericht zu den weltweiten Versorgungsbilanzen erwarteten die Märkte, das USDA werde zwar die Weizenernten Australiens und Argentiniens weiter nach unten revidieren, die der EU und Russlands aber möglicherweise nach oben. Gleichzeitig könnten die im Oktober gestiegenen Weizenpreise den Verbrauch in der Verfütterung drücken, indem die Futtermischer in größerem Umfang zu billigeren Getreidealternativen griffen. Dies schürte letztlich die Vermutung, der Report setze die schon auf Rekordniveau befindliche globale Endlagerschätzung beim Weizen noch weiter hinauf.

EU-Weizen weiterhin Preisführer am Weltmarkt - Kommission erhöht Exportprognose

Der wöchentliche in US-Dollar berechnete Preisvergleich der EU-Kommission zeigte mit Stand vom Mittwoch dieser Woche (6. November: 1 Euro=1,1301 USD), dass die EU noch immer die Preisführerschaft am Weizenweltmarkt innehat, obwohl die sich zuletzt aus dem Markt gepreisten russischen Exporteure ihre Preise wieder etwas gesenkt haben. Demnach wurde Mahlweizen aus der EU fob Rouen mit 202 USD/t (+1 USD zur Vorwoche) bewertet und solcher fob Schwarzmeerhäfen mit 208 USD/t (-2 USD zur Vorwoche). Abgeschlagen und fern der Wettbewerbsfähigkeit rangiert Soft Red Winter aus den USA fob Golf von Mexiko mit 228 USD/t (+2 USD zur Vorwoche).

Am Dienstag gewann französischer Weizen als bestes Gebot in einer Ausschreibung der staatlichen ägyptischen GASC als bestes Gebot Zuschläge über 120.000 t zur Lieferung zwischen 15. und 25. Dezember. Der fob-Preis wurde in Händlerkreisen mit 214 USD/t (193,25 Euro) beziffert. Daneben kam noch eine Offerte für 55.000 t russischen Weizen zum Zug. Dieser sei fob um 4 USD/t (3,61 Euro) teurer als der französische.

Die gesamten Weichweizenausfuhren der EU summierten sich in den ersten 18 Wochen der Saison 2019/20 auf 8,841 Mio. t und um 50% mehr als im Vergleichszeitraum 2018/19. Russland könne laut Landwirtschaftsminister Dimitrij Patruschew 2019/20 etwa 45 Mio. t Getreide exportieren, davon gut 36 Mio. t Weizen. Demnach solle die diesjährige Getreideernte bei voraussichtlich rund 120 Mio. t liegen. Das wären um 6 % mehr als 2018. Der Minister geht davon aus, dass das Ausfuhrpotenzial zur Gänze realisiert werden könne, wozu unter anderem die gestiegenen Exportpreise für Getreide beitragen sollten. Zuletzt lag der russische Weizenexport aber noch um mehr als 10% hinter den Rekordwerten von 2018/19 zurück.

Die EU-Kommission hob dieser Tage ihre Weizenexportprognose für die Union auf 26 Mio. t an. Händler berichten, auch in Deutschland springe der Exportmotor an und es würden einige 100.000 t zur Verschiffung nach Afrika oder auch Saudi-Arabien verladen. Für den Aufkauf der Exportware müssten Händler in Deutschland wie auch in Frankreich Prämien auf die aktuellen Euronext-Kurse anlegen.

Abschwächung internationaler Terminmärkte auch in Österreich angekommen

Obwohl die jüngste Abschwächung der internationalen Terminmärkte nun auch den heimischen Kassamarkt erreicht hat, bemüht sich der Handel auch hierzulande, die bisher deutlichen Prämien auf Euronext-Niveau weiterhin zu verteidigen. Händler berichten von einem unaufgeregten Geschäftsverlauf mit Abschlüssen bereits in den Juni des kommenden Jahres hinein. Die Nachfrage komme vor allem aus dem Ausland, während sie im Inland ruhig sei. Die Notierungen von Qualitäts- und Premiumweizen an der Wiener Produktenbörse gaben am Mittwoch dieser Woche insbesondere an der Unterkante des Preisbandes und im Schnitt dieser Woche zwischen 3 und 5 Euro/t nach. Weitere Verluste verzeichnete auch Mahlroggen. Der Roggen gilt wegen des überreichlichen Angebots als "Sorgenkind". Heimische Verarbeiter seien in Erwartung weiteren Preisdrucks nur kurz gedeckt und im Export gebe es keine Absatzchancen. Der aus inländischem Anbau nur sehr begrenzt verfügbare Mahlweizen hingegen notierte um 3 Euro/t höher als zuletzt Mitte Oktober und befestigte den Markt "von unten her".

Auch Raps zog an, bleibt aber angesichts der in Österreich und der ganzen EU gegebenen Unterdeckung des Bedarfs aus Eigenproduktion laut Beobachtern immer noch relativ schwach bewertet. Derweil gilt der wichtigste Rapslieferant, die Ukraine, als schon ausverkauft, und der EU drohe laut Analysten bis zum Anschluss an die neue Ernte 2020 im Frühjahr eine Versorgungslücke.

Rapsschrot jedoch notierte niedriger als in der Woche zuvor und folgte offenbar den Preisverlusten sowohl von in- als auch ausländischen Sojaschroten.

Beide heimischen Verarbeiter beließen laut Landwirtschaftskammer die Erzeugerpreise für Kontraktlieferungen von Nassmais diese Woche unverändert. Für vertragsfreie Ware bekämen Landwirte aber um 5 bis 6 Euro/t mehr als in der Vorwoche. Die Nassmaiskampagne gehe mittlerweile schon ihrem Ende zu.

Mais: Erntedruck aus Osten - Regen erfordert verschärftes Aflatoxin-Monitoring

Auch inländischer Futtermais konnte sich zur Vorwoche halten, wohingegen Einfuhren von Futter- und Industriemais nach Nieder- und Oberösterreich im Wochenabstand um 3 bis 4 Euro/t billiger wurden. Es heißt, der Zufluss von Druckpartien ex Ernte aus dem Osten halte an. Die Niederwassersituation auf der Donau habe sich nur leicht entspannt, drohe aber, wenn es kälter werde und Niederschläge auf den Bergen in Form von Schnee niedergingen, sich in den kommenden Wochen wieder zu verschärfen.

Die Maisernte gelte in Oberösterreich als praktisch abgeschlossen und in Niederösterreich in den letzten Zügen. Lediglich in der Steiermark stehe noch mehr Mais am Stamm. Ebenso habe in Ungarn und Kroatien Regen die Maisernte unterbrochen und es gelte nun, auf ein verschärftes Aflatoxin-Monitoring zu achten. Übrigens verzögert Regen auch beim größten EU-Produzenten Frankreich die Maisernte ebenso wie die Herbstaussaat. (Schluss) pos/pom

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