Abwärtstrend internationaler Getreidepreise kehrte sich wieder um

Brotgetreide-Absatz in Österreich geht Zug um Zug und belebt Markt

Wien, 8 Juli 2022 (aiz.info). - Am Donnerstag dieser Woche wurde der zuletzt anhaltende Abwärtstrend vor allem der internationalen Weizennotierungen unterbrochen und es begann wieder deutlich aufwärts zu gehen. Auch Mais und Raps machten an der Euronext in Paris wieder Gewinne. Der Pariser Weizenkontrakt zur Lieferung im September gewann bis am Freitagmittag in diesen beiden Tagen 23,50 Euro/t auf 349,25 Euro/t. Eine Reihe von Faktoren führte zum Turnaround: Die Hoffnung auf einen Korridor für Exporte über das Schwarze Meer schwinden zunehmend, Dürre führt zu einer Verringerung der Weizenanbaufläche in Argentinien und die EU-Kommission sagt für heuer in ihrem Shortterm-Outlook eine gegenüber 2021 um 2,5% kleinere Getreideproduktion in der Union voraus. Zudem lichteten sich an den externen Märkten etwas die Aussichten für die Weltwirtschaft. In Österreich erwachte in der abgelaufenen Woche ein lebendiger Markt für Brotgetreide. Mühlen würden Abschlüssen von Mehlkontrakten umgehend entsprechende Rohstoffdeckungen folgen lassen. Mit dieser Zug um Zug verlaufenden Aktivität könnten Verarbeiter das Preisrisiko auf sehr volatilen Märkten minimieren, und es etablierten sich nun während der laufenden Ernte stete und spürbare Umsätze sowie Warenströme.

Laut Kommission (siehe Download unten) könne die Ernte in der EU aufgrund von Trockenheit aber noch kleiner ausfallen. Sie reiche aber jedenfalls für den Eigenbedarf und Exporte, um den Druck auf die weltweite Versorgung teilweise zu lindern. Diese stehe nach wie vor im Schatten des Krieges in der Ukraine. Die Ölsaatenernte der Union könnte heuer sogar um 6,9% größer ausfallen mit einem Rekord von 11 Mio.t Sonnenblumen und die von Zucker um 5% zunehmen. Den Biosprit-Verbrauch sieht der Ausblick stabil, nachdem das Wachstum des Treibstoffbedarfs nach der Pandemie wieder durch hohe Preise gebremst werde. Gleichzeitig drücken Viehseuchen und hohe Futtermittelpreise die tierische Produktion. Der Druck auf steigende Erzeugerpreise in der Landwirtschaft werde kurzfristig nicht nachlassen. Die Analyse führt dafür die Unsicherheit in der Ukraine und der Versorgung mit Gas und Öl sowie hohe Energiepreise mit steigenden Kosten für Transport, Strom Heizung und Kühlung sowie Düngemittel ins Treffen. Diese Faktoren verteuerten die Agrarproduktion noch weiter.

Entgegen etwa der EU und Argentinien steuern etwa Russland mit Schätzungen von bis zu 90 Mio. t und auch der große Importeur Brasilien auf Rekord-Weizenernten zu. Unsicher bleibt demgegenüber, wie stark die Getreide- und Ölsaatenproduktion Ukraine heuer zurückfallen wird und wie viel davon das Land sowie über welche Transportrouten auf den Weltmarkt bringen können wird. Der weltgrößte Importeur Ägypten kaufte jüngst mit dem Preisverfall große Mengen Weizen ein, darunter nach längerer Zeit auch wieder aus Frankreich und Deutschland. Die staatliche ägyptische Getreideagentur GASC ging dabei auch von den bisher gepflogenen Ausschreibungsverfahren ab und begann Weizen direkt bei internationalen Händlern zu ordern.

Die Ölsaatenmärkte standen unter dem Eindruck einer Abkühlung der Rohölpreise, guter Ernten in der EU und in Kanada sowie eines starken Verfalls der Palmölpreise. Dennoch konnte auch Raps in Paris wieder etwas zulegen und Verluste auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg teilweise wettmachen. Raps hielt am Freitag für den August-Termin an der Pariser Euronext bei 697,75 Euro/t. Schlechte Bonitierungen der Maisbestände in den USA befestigten auch die Maisnotierungen. Die neue Ernte mit Termin November befestigte sich am Freitagmittag an der Euronext auf 303,00 Euro/t.

Brotgetreide-Absatz in Österreich geht Zug um Zug 

Mit den Zug um Zug verlaufenden Aktivitäten der Verarbeiter entwickelte sich nun ein lebendiger Brotgetreidemarkt in Österreich. Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche mit Ausnahme von Premiumweizen sowohl die mahlfähigen Weichweizen als auch Durum und Mahlroggen aus inländischem Anbau zur Ernte 2022. Die Dürre in Italien habe des Weiteren das Kaufinteresse von Mühlen im südlichen Nachbarland geweckt, heißt es.

Der Weizendrusch bringe bisher gute Hektolitergewichte bei noch nicht als repräsentativ schätzbaren unterschiedlichen Erträgen und Proteingehalten. Die Abkühlung der letzten Tage komme der gewünschten langsamen Abreife der Bestände zugute.

Anders als beim Brotgetreide ist der Futtergetreidemarkt von Zurückhaltung geprägt. Mit Ausnahme von einigen wenigen Restdeckungen mit alterntigem Futtermais zu etwas gestiegenen Preisen sei es zu keinen Aktivitäten gekommen. Da die laufende Futtergerstenernte gute Ergebnisse bringt, die internationalen Börsen nachgeben und aus der Ukraine fleißig angeboten werde, böten die Verarbeiter nur dementsprechend niedrige Geldkurse, die von den Abgebern nicht akzeptiert würden. Dieselben Umstände bremsten auch die Aktivität im Ölsaatenhandel. (Schluss) pos

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