Angst vor großer russischer Ernte überwiegt auf Märkten die Angst vor Dürre in EU

Scharfe Korrektur an Terminbörsen - Kassamarkt in Österreich davon ziemlich unbeeindruckt

Wien, 26. April 2019 (aiz.info). - Die "Angst" der Märkte vor einer deutlichen Erholung der russischen Weizenproduktion, große Mais- und Sojaernten in Südamerika, gepaart mit Verbrauchsrückgang in den USA sowie der Unsicherheit über die Weltpolitik und den Sojabohnenabsatz nach China, führten seit der Osterwoche zu einer scharfen Korrektur der internationalen Terminbörsen nach unten. Dabei blendeten die Märkte das Menetekel einer neuerlichen Dürrekatastrophe in Europa - neben Deutschland auch im östlichen Zentraleuropa, in Südwest-Europa und in Österreich - sowie das Aufholen der EU im Weizenexport hartnäckig aus und orientierten sich ausschließlich an optimistisch gestimmten Wettermärkten. Die Weizenfutures an der Euronext in Paris knickten bis Wochenmitte auf Kontrakttiefs ein. Der Schlusskurs des Pariser Mai-Mahlweizenkontrakts verlor von Mitte April bis Mittwoch der Woche 4,1% auf 181,50 Euro/t und der die neue Ernte abbildende Dezember-Termin 2,8% auf 175,50 Euro/t. Getragen unter anderem von einem schwachen Euro (26. April, 12:22 Uhr: 1,139 USD), setzte bis Freitagmittag eine leichte Konsolidierung auf 183 beziehungsweise 176,50 Euro/t ein. Der österreichische Kassamarkt zeigte sich bis zur Wochenmitte ziemlich unbeeindruckt vom Nachgeben der internationalen Notierungen. Im Gegenteil: Mit dem Ausbleiben von Niederschlägen und mit überdurchschnittlichen Temperaturen wachsen die Befürchtungen, es könne 2019 zu einem ähnlichen oder sogar schlimmeren Dürrejahr und Ertragsausfällen wie 2018 kommen. Stellenweise seien in den vergangenen Wochen nur 25 bis 50% der Regenmengen des zehnjährigen Durchschnitts niedergegangen.

Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche Premiumweizen im Mittel des Preisbandes unverändert bei 189,50 Euro/t, wobei aber der untere und obere Rand um jeweils 1 Euro/t zusammenrückten. Beim Futtergetreide wurde der Abwärtstrend gestoppt und kehrte sich ins Gegenteil: Futtergerste notierte mit 175,50 Euro/t um 6,50 Euro höher als in der Vorwoche, und Einfuhren von Futterweizen aus dem EU-Raum nach Oberösterreich erreichten mit 186 Euro/t inklusive Transportkosten fast so hohe Preise wie Premiumweizen ab Station. Dagegen verschwanden sowohl Futter- als auch Industriemaispreise vom Kursblatt. Die Preise für Sojaschrotimporte blieben zu den Vorwochen unverändert, jedoch ging die Notierung von GVO-freiem inländischen Sojaschrot um 5 Euro/t zurück.

IGC revidiert Endlager für 2018/19 und 2019/20 nach oben - Bestände schwinden dennoch

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London setzte am Donnerstag in seinem Grain Market Report (GMR) vom April 2019 für das laufende Wirtschaftsjahr 2018/19 und für die kommende Saison 2019/20 die Endlagerprognosen für Mais, das gesamte Getreide und Sojabohnen hinauf. Außerdem revidiert er für 2019/20 auch die Weizenendbestände nach oben. In der Revision der Bilanzen 2018/19 wirken sich auf Produktionsseite höhere Erwartungen in die Mais- und Sojabohnenernten Argentiniens und Brasiliens aus sowie verbrauchsseitig weniger Verfütterung und industrielle Maisverwertung in den USA. Der Abbau der Getreidebestände insgesamt beläuft sich nunmehr auf 36 Mio. t, davon 26 Mio. t Mais, 6 Mio. t Weizen und 2 Mio. t Gerste.

Das kommende Wirtschaftsjahr soll zwar eine Erholung der gesamten weltweiten Getreideproduktion um 2% auf 2,178 Mrd. t bringen (Weizen: +26 Mio. t, Mais: +6 Mio. t, Gerste: +8 Mio. t), doch schlägt sich der Bestandsabbau in der laufenden Saison in der kommenden nur in einem geringfügig größeren Angebot von +0,5% nieder. Die Anfangsbestände 2019/20 liegen auf einem Dreijahres-Tief. Gleichzeitig sieht der IGC im neuen Wirtschaftsjahr einen globalen Verbrauchszuwachs von 1,7% (Ernährung: +1,5%, Fütterung: +1,4%, Industrieverwertung: +1,8%) mit einem neuen Rekordwert. Daraus resultiert 2019/20 unter dem Strich der dritte Abbau der weltweiten Endlager ein Fünfjahres-Tief. Beim Weizen führt der IGC die Erhöhung der Schätzung für die kommende Ernte vor allem auf einen Zuwachs in Russland zurück, die Endlager sollen gegenüber der Vormonatsprognose um 4 Mio. t stärker um nunmehr insgesamt 10 Mio. t zunehmen.

Die weltweite Sojabohnenproduktion erklimmt 2018/19 ein Allzeit-Hoch. Während der Verbrauch nur moderat zunimmt, erreichen die Endlager - vor allem bei den wichtigen Exporteuren - mit 21% Zuwachs ebenfalls einen Rekord. 2019/20 soll die Bohnenproduktion der USA kleiner ausfallen, potenzielle Zuwächse anderer Produzenten lassen insgesamt einen geringfügig kleineren Ausstoß (-0,4%) erwarten. Aufgrund zunehmender Verfütterung sagt der Rat 2019/20 einen um 2,2% wachsenden Sojabohnenverbrauch voraus. Dies sei jedoch noch sehr spekulativ wegen der Unsicherheiten in der Weltpolitik und im Verbrauch Chinas.

IGC-Preisindices seit März deutlich eingebrochen

Der Globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) des IGC brach seit März um 4,6% (-16,2% zum Vorjahr) auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren ein. Ursächlich dafür seien die guten Aussichten für die Winterkulturen auf der Nordhalbkugel und für die Reihenfrüchte auf der Südhalbkugel. Die Bestandsentwicklung der neuen Ernte und reichlich kurzfristig am Weltmarkt verfügbare Ware drückt den Weizen-Subindex im Monatsabstand um 6,4% (-6,6% zum Vorjahr). Hohe Lagerstände in den USA und große Ernten in Südamerika sandten den Subindex von Mais zum Vormonat um 5,7% (-17,4% zum Vorjahr) in den Keller, und Gerste gab um 4,0% (-8,4% zum Vorjahr) nach. Ein Minus von 4,5% (-23,2% zum Vorjahr) im letzten Monat für den Sojabohnen-Subindex geht auf das Konto von saisonalem Erntedruck und zurückhaltendem Verbrauch.

Kampf EU - USA um Anteile am Weizenweltmarkt über aggressive Preisgebote

Die scharfe Korrektur der Preise und der Notierungen sowohl an der Euronext in Paris als auch an der CBoT in Chicago spiegelt einen beinharten Preiskampf der USA und der EU um Marktanteile am Weltmarktexport von Weizen wider. Die EU konnte laut den Kommissionszahlen in der jüngsten Berichtswoche bis 22. April mit Ausfuhren von 16,546 Mio.t im Weizenexport der 43 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres bis auf 2% an die Vorjahreslinie anschließen. In der Woche 43 waren 317.089 t hinzugekommen. Die USA brachte es laut USDA in der Woche bis 18. April auf Nettoverkäufe von 425.300 t zur Lieferung in 2018/19.

Der Exportpreisvergleich der EU-Kommission macht dies deutlich: Zum Stichtag 24. April bei einem Euro-Kurs von 1,1301 USD kostete demnach Soft Red Winter aus den USA fob Golf 194 USD/t (-5 USD zur Vorwoche). Weizen aus der EU fob Rouen musste im Wochenabstand sogar 8 USD/t ablegen, um mit 209 USD/t noch immer 15 USD teurer als die US-Konkurrenz zu sein. Entscheidend auf den von beiden Anbietern umkämpften nordafrikanischen Märkten sind letztlich die c&f-Preise, das heißt zugestellt beim Empfänger inklusive Frachtkosten. Hier haben die Europäer gegenüber den Amerikanern wegen der kürzeren Transportwege noch etwas Kostenvorteile, die sie in höhere Produktpreise ummünzen können. Schwarzmeerweizen mit noch geringeren Frachtkosten kam dabei fob auf 220 USD/t (-4 USD zur Vorwoche). (Schluss) pos

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