Ausblicke auf 2022 und Ernten auf Südhalbkugel beeinflussen Getreidemärkte

Heimischer Aufmischweizen verkauft sich weiterhin - Importe deckeln Maispreise

Wien, 17. Dezember 2021 (aiz.info). - Kurz vor Weihnachten stehen die internationalen Getreidemärkte unter dem Eindruck der auf der Südhalbkugel laufenden Ernten und erster Ausblicke auf die kommende Saison 2022/23. Argentinien und Australien fahren große Weizenernten ein. Zusammen mit aggressiven Angeboten aus dem Schwarzmeerraum gerieten die internationalen Weizennotierungen trotz frischer Nachfrage von Importeuren unter Druck. Über allen Märkten schweben auch neue Ängste vor den Folgen von Omikron. Zudem richten sich die Blicke darauf, wie die russische Regierung mit neuen Exportrestriktionen weiter in die Märkte einzugreifen gedenkt. In Österreich hielten Käufe - nicht nur ausländischer, sondern auch inländischer Mühlen - von Aufmischweizen wegen seiner hervorragenden Backeigenschaften an, ehe sich der Markt in die saisonübliche Weihnachtsruhe zurückzuziehen begann. Die Preise von heimischem Mais fanden vorerst einen Deckel durch rege Importe - unter anderem aus Serbien - über die mit Schmelzwasser wieder frisch befüllte Donau. Allerdings mehren sich aus osteuropäischen Maisherkünften Berichte über Aflatoxin-Probleme. Davon ist laut dem Maismonitoring der Landwirtschaftskammer die heimische Ernte glücklicherweise nicht betroffen, sodass inländische Lagerhalter ihre Zeit noch kommen sehen.

Am Mittwoch zog sich die Notierung von Premiumweizen an der Wiener Produktenbörse nach dem Aussetzen in der Vorwoche wegen des Feiertages wieder unter die 400-Euro-Schwelle auf 388 bis 394 Euro/t zurück, Qualitätsweizen zog auf 375 bis 385 Euro/t an und Mahlweizen brachte es auf 315 bis 330 Euro/t. Der heimische Markt bleibe laut Teilnehmern unbeeindruckt vom internationalen Hin und Her und führe sein Eigenleben weiter. Von Bäckern kolportierte Probleme in der Versorgung werden wohl auch eher als Probleme der Preise - insbesondere im Falle von schon vor den rapiden Preisanstiegen abgeschlossenen langfristigen Lieferverträgen - kommentiert. Tatsächlich knapper soll es dagegen bei der Versorgung mit inländischem Brotroggen aussehen, heißt es. Dementsprechend zog auch dessen Notierung neuerlich auf nunmehr 300 Euro/t an. Ebenso knappe Versorgung und wenig Angebotsbereitschaft kennzeichnen nach wie vor einen ruhigen Ölsaatenmarkt. Inländischer Futtermais gab wegen der aktuellen Importtätigkeit auf 250 Euro/t nach, was Verkäufe nur von Standorten attraktiv machte, die von den Logistikkosten her sehr günstig gelegen sind.

Euronext-Weizen schwächelt - Raps kurzfristig auf Rekord-Hoch

An der Euronext in Paris schwächte sich der Schlusskurs des Weizenfutures (Lieferung März 2022) im Wochenabstand seit Donnerstag der Vorwoche von 282,50 Euro/t auf 276,00 Euro/t ab, Mais (Lieferung Jänner 2020) gab weniger stark von 246,00 Euro/t auf 242,75 Euro/t nach. Der Rapskontrakt zur Erfüllung im Februar 2022 hingegen schnellte von 709,25 Euro/t auf 722,50 Euro/t empor, wobei er am Donnerstag diese Woche kurzfristig ein Allzeit-Hoch von 724,25 Euro/t erreichte. Den Maisnotierungen halfen Ernteverspätungen in wichtigen Lieferländern für den unterversorgten EU-Markt. Noch mehr trifft dies auf die Rapsmärkte der EU zu. Diese weisen aus Eigenproduktion ein eklatantes Versorgungsdefizit auf. Zudem erlitt der wichtigste Lieferant vom Weltmarkt, Kanada, nach einer verheerenden Dürre extreme Ernteausfälle. Somit schnellen aktuell mit jedem Schiff, das Raps aus der laufenden Ernte Australiens geladen hat und sich wegen regenbedingter Ernteunterbrechungen oder sonstiger Umstände auf dem Weg nach Europa verspätet, die Rapspreise in der Union auf neuerliche Rekordwerte in die Höhe.

Rekordverdächtig zeichnen sich auch die Weizenernten Australiens und Argentiniens ab, wobei sich in Australien die Qualität nach dem verregneten Erntestart mit zunehmender Dauer der Kampagne verbessern soll. Kurzfristig bullish wirkte dieser Tage, dass Russland die ab Mitte Februar für den Rest des Wirtschaftsjahres bis Ende Juni angekündigte Exportquote von Weizen mit 8 Mio. t kleiner als bisher kolportiert ansetzen solle. Die EU ist weiterhin auf Kurs, 2021/22 Russland als weltgrößten Weizenexporteur abzulösen. Dabei nehmen Deutschland und weitere Ostsee-Anrainer Frankreich offensichtlich Anteile am Brotweizenmarkt ab, während die heuer mit schwacher Qualität geschlagene Grande Nation mehr Futterweizen - unter anderem nach China - verschifft.

Erste Ausblicke auf die Ernten 2022/23

Der wissenschaftliche Dienst der EU-Kommission bezeichnet in seinem jüngsten MARS-Bulletin die Aufwuchsbedingungen für die Ernte 2022 zwar als gut, in Zentral-, Ost- und Südosteuropa hätte mildes Herbstwetter die Wintersaaten jedoch keine ausreichende Frosthärte erreichen lassen. Diese sei zwar noch nicht auf die Probe gestellt worden, berge aber ein Risiko für die kommenden Wintermonate. In Westeuropa, namentlich beim größten Produzenten Frankreich, sei es dementgegen kühler als normal gewesen und wiesen die Bestände daher Entwicklungsrückstände auf.

Der EU-Getreidehändlerverband Coceral schätzt in der EU-27 eine zur Ernte 2022 um rund 150.000 ha größere Getreidefläche von 52,58 Mio. ha und einen nahezu unveränderten Weichweizen-Anbau auf 21,82 Mio. ha. Daraus leitet die Dezember-Schätzung von Coceral 2022 für die EU-27 mit 281,22 Mio. t eine um 3,53 Mio. t kleinere Getreideernte als 2021 und eine mit 125,38 Mio. t im Jahresvergleich um 3,48 Mio. t kleinere Weichweizenernte ab. Hingegen hätten die Landwirte in der Union für 2022 um gut 200.000 ha mehr Ackerland mit Raps bestellt als für die Ernte 2021. Daraus ergibt sich für 2022 eine Ernteprognose von 18,39 Mio. t Raps - dank auch besserer Ertragsaussichten um 1,05 Mio. t mehr als 2021, jedoch bei Weitem immer noch nicht genug, um den Bedarf decken zu können.

Für Österreich prognostiziert Coceral eine Ausdehnung des Rapsanbaus um 3.000 ha auf 31.000 ha mit einer Ertragsprognose von 96.000 t (2021: 87.000 t). Ebenso mehr werden sollen mit 4.000 ha auf 80.000 ha die Sojafläche (Ernteprognose 240.000 t nach 228.000 t) und um 3.000 ha der Weichweizenanbau auf 261.000 ha mit einer um 17.000 t gegenüber 2021 höheren Ernteprognose von 1,44 Mio. t. Die erste, sehr frühe Aussicht auf die Gesamternte einschließlich Mais im Jahr lautet mit einem Plus von 27.000 t auf 5,12 Mio. t. Dabei soll sich innerhalb der Kulturen der Anbau weiter weg von Gerste vor allem hin zu Roggen, aber auch Durum und Mais verlagern. Die Coceral-Schätzungen stehen unten als Download zur Verfügung.

Die französische Analyse Stratégie Grains schätzt in einer ersten Prognose die Weizenernte 2022 der EU  mit 127,6 Mio. t ebenfalls kleiner als 2021 mit 129,3 Mio. t. Sie reduziert ihre Endbestandsprognose für Weizen in der laufenden Saison 2021/22 zum Vormonat um 1,3 Mio.t auf 10,9 Mio. t. Dies entspricht einem Anteil von knappen 11% am Eigenverbrauch von 68,7 Mio. t. Die reduzierte Endbestandsprognose resultiert daraus, dass die Analyse den Weizenexport der EU im aktuellen Wirtschaftsjahr neuerlich um 1,1 Mio. t auf 31,5 Mio. t anhebt. Der kleineren Ernte soll demnach im Vermarktungsjahr 2022/23 ein höherer Weizenverbrauch von 100,2 Mio. t (+1,5 Mio. t) und ein kleinerer Export (-1,8 Mio. t) gegenüberstehen. Damit bleibe die Weizenbilanz der EU 2022/23 laut Strategie-Diktion im Gleichgewicht bei weiterhin engen 11% Endlageranteil am Verbrauch. (Schluss) pos

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