Bullisher IGC sowie Chinas Maisgier und Investoren lassen Getreidepreis wieder anspringen

Österreich: Abgeber lassen sich knappe Restbestände aus Ernte 2020 vergolden

Wien, 28. Mai 2021 (aiz.info). - Der Hunger Chinas nach Mais aus den USA sowie nach Weizen für die Ankurbelung seiner Fleischproduktion, ein gegenüber dem Vormonat als bullish aufzufassender Monatsreport des Internationalen Getreiderates IGC zu den weltweiten Versorgungsbilanzen 2020/21 und 2021/22 sowie außenstehende Investoren, die nach der Abkühlung der Preise nun wieder Gewinnchancen an den Terminbörsen wittern oder Shortpositionen ausgleichen müssen, ließen am Donnerstag die Terminmärkte für Mais, Weizen und Ölsaaten in Chicago und Paris nach ihrer scharfen Korrektur nach unten wieder kräftig nach oben anspringen. Insbesondere Mais konnte vorangegangene Verluste wieder mehr als wettmachen. Am heimischen Kassamarkt ist die zwischenzeitliche Abkühlung erst gar nicht angekommen. Laut Marktteilnehmern sei dies diesmal nicht der sonst üblichen Gemächlichkeit des Geschehens hierzulande geschuldet, sondern der Tatsache einer sehr knappen Versorgung mit den Restbeständen aus der Ernte 2020 bei gleichzeitig einer wegen des nasskalten Wetters um rund 14 Tage verspätet erwarteten Ernte 2021.

So heißt es: Wer sich verschätzt habe und die Rohstoffversorgung bis zum Anschluss an die neue Ernte noch nicht sichergestellt habe, suche jetzt händeringend nach Ware. Und wer auf Abgeberseite noch auf den Resten der alten Ernte sitze, lasse sich diese jetzt vergolden. Dies spiegelt das Kursblatt der Wiener Produktenbörse vom Mittwoch dieser Woche wider: Premiumweizen alter Ernte hielt seine Notierung, Qualitätsweizen legte sogar noch weiter zu - ebenso auch Mahlweizen aus dem EU-Raum - und vor allem Futtergerste machte gegenüber der Letztnotierung von Ende April einen Sprung um 27,50 Euro/t nach oben.

Dementgegen werde Getreide neuer Ernte zurzeit zögerlicher gehandelt. Einerseits herrsche bei Produzenten eine gewisse Unsicherheit, welche Proteingehalte sich heuer beim Weizen einfahren ließen. Andererseits ließen das für den Mais günstige Wetter und der in den vergangenen Wochen verzeichnete internationale Trend die Preise neuer Ernte etwas abkühlen. Ebenso verbilligten sich im globalen Kontext Ölkuchen und Sojaschrote.

IGC: Kleinere Anfangsbestände und Mehrverbrauch fressen Rekordernten 2021/22 auf

Der Internationale Getreiderat IGC nimmt in seinem am Donnerstag veröffentlichten Grain Market Report (GMR) für Mai die weltweite Ernteprognose für Getreide und Mais in der laufenden Saison 2020/21 zum Vormonat vor allem wegen der Ertragseinbrüche bei Mais in Brasilien um 6 Mio. t zurück. Zusammen mit einer - vor allem auf Rekordkäufe Chinas zurückzuführenden - nach oben revidierten Verbrauchserwartung ergeben sich daraus um fast 15 Mio. t kleinere Endbestände als vor einem Monat angenommen und der vierte globale Bestandsabbau in Folge. Mit den kleineren Anfangsbeständen und einem neuerlichen Verbrauchsanstieg um 60 Mio. t werden demnach im folgenden Wirtschaftsjahr 2021/22 trotz einer um 72 Mio. t auf den Rekord von 2.292 Mio. t anwachsenden Getreide- und Maisproduktion auf der Welt die Endlager weiter um 5 Mio. t auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren schrumpfen. Dabei erhöht der IGC die Verbrauchsprognose gegenüber April um fast 11 Mio. t. Das Gros des nunmehr fünften Bestandsabbaus in Serie soll wiederum auf das Konto von Mais gehen. Jedoch schätzt der IGC für 2021/22 nunmehr auch die Weizenbilanz bei Weitem enger als vor einem Monat, da er bei einer unveränderten Ernteerwartung den Konsum um 5 Mio. t höher und die Anfangsbestände um 4 Mio. t kleiner prognostiziert. Die Weizenlager sollen demnach nur mehr um 3 Mio. t anstatt wie bisher geschätzten 13 Mio. t zulegen.

Die höheren Verbrauchsschätzungen machen die Londoner Experten vor allem in der Verfütterung von Mais und Weizen fest, wobei China wieder als eifriger Käufer am Weltmarkt auftreten soll, wenngleich auch nicht ganz so stark wie im laufenden Wirtschaftsjahr 2020/21. Damit solle auch der Getreidewelthandel kommende Saison den Rekord von heuer nicht wieder erreichen können.

2020/21 fährt die Welt zwar dank starker Erträge in den USA und in Brasilien eine zum Vorjahr um 7% größere und eine Rekord markierende Sojabohnenernte ein, geringere Anfangsbestände und ein Allzeithoch in der Nachfrage führen aber zum zweiten Bestandsabbau hintereinander. Vor allem die US-Sojareserven schmelzen dabei um 80%. Hohe Preise sollten die Produktion 2021/22 um weitere 6% auf einen neuen Rekord stimulieren. Dennoch sagt der IGC trotz eines ebenfalls wachsenden Sojabohnenkonsums kommendes Wirtschaftsjahr eine leichte Erholung der Sojabestände voraus. Die Reserven blieben aber bei den wichtigen Exporteuren eng.

IGC-Preisindex nach sattem Anstieg in erster Maihälfte zuletzt gesunken

Nach einem satten Anstieg in der ersten Maihälfte ist der Getreide- und Ölsaatenpreis-Index des IGC (GOI) mit fallenden Exportpreisen zuletzt über das gesamte Berichtsmonat um 3,1% gesunken, hält sich aber immer noch um 47,0% über Vorjahresniveau. Den Rückgang führt aufgrund ertragssteigernder Regenfälle auf der Nordhalbkugel und dem schwächeren Maismarkt folgend der Subindex von Weizen mit einem Monatsminus von 5,0% (+23,6% zum Vorjahr) an. Nachdem die Meldungen über Ertragsausfälle in Brasilien von verbesserten Ertragsaussichten in den USA und einem von den Märkten als bearish interpretierten WASDE-Report überschattet worden waren, verlor der Mais-Subindex binnen Monatsfrist 4,5%, wobei er aber nach wie vor 76,3% über dem Vorjahresvergleichswert liegt. Gute Ausgangsbedingungen in den USA und verlangsamte Importe Chinas sendeten letztlich auch den Sojabohnenindex um 2,0% nach unten (+64,8% zum Vorjahr). Gerste verlor im Monatsabstand 2,7% (+38,0% zum Vorjahr).

Chinas Hunger nach Mais beflügelt Preise - Weizenmärkte mit Wetter schwankend

China habe laut Angaben des Washingtoner Agrarressorts USDA in der abgelaufenen Berichtswoche 5,7 Mio. t Mais neuer Ernte aus den USA geordert. Zudem seien zuvor kolportierte Stornos für Käufe von Mais der alten Ernte ausgeblieben. Die Maisfutures an der CBoT in Chicago stießen damit am Donnerstag an das Limit-up, den höchsten an einem Handelstag vom Börseregulativ erlaubten Kursgewinn. Die neuerliche Maisrallye zog letztlich auch den Weizen und die Sojabohnen mit nach oben. Dem folgte auch die Euronext, angezogen vom Mais, währen die EU-Kommission ihre Prognose für die Weizenernte der Union weiter nach oben schraubte, aber gleichzeitig die Endlagerschätzung 2021/22 herabsetzte, weil mehr Weizen als bisher erwartet verfüttert werden solle. Beim Weizen bleiben die Märkte gespalten zwischen teilweise sich verbessernden Ertragsaussichten auf der Nordhalbkugel wie in Frankreich sowie im Winterweizengebiet der USA und anhaltender Trockenheit in den US-Sommerweizenregionen. Raps werde laut verschiedenen, aber übereinstimmenden Prognosen 2021/22 weltweit und insbesondere in der EU nur sehr knapp verfügbar sein.

China verunsichert mit Überlegungen zu Rohstoffpreiskontrolle

Fraglich bleibt das weitere Tempo der Maisimporte des Reichs der Mitte. Denn gleichzeitig kaufen die chinesischen Mäster nunmehr Unmengen Weizen inländischer Produktion aus der angelaufenen Ernte 2021, weil dieser billiger als Mais ist. Zudem kündigte die Regierung in Peking an, im kommenden Fünfjahresplan für 2021 bis 2025 die galoppierenden Rohstoffpreise strenger an die Kandare nehmen zu wollen, um das Wachstum im Lande nach der Corona-Krise nicht zu gefährden.

Euronext: Alterntiger Mais mit Gewinnen - Raps und Weizen kompensieren Verlust teilweise

Am Donnerstag verzeichneten alle drei wichtigen Agrarfutures an der Euronext in Paris noch eine sprunghafte Erholung, um am Freitag - offensichtlich auch den üblichen Gewinnmitnahmen vor Wochenenden geschuldet - mit Ausnahme von Mais, der weiter anstieg, wieder leicht nachzugeben. Weizen zur Lieferung im September hielt bei 211,75 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 21. Mai: 212,75 Euro/t) und der Dezember-Termin bei 210,00 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 21. Mai: 211,50 Euro/t). Der Juni-Maiskontrakt notierte bei 270,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 21. Mai: 254,75 Euro/t) und der für die neue Ernte relevante November bei 202,75 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 21. Mai: 209,25 Euro/t). Raps zur Lieferung im August erholte sich bis Freitagmittag schließlich wieder auf 516,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 21. Mai: 524,75 Euro/t), nachdem er zur Wochenmitte schon gedroht hatte, unter die 500-Euro-Schwelle abzusacken. (Schluss) pos

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