Copa/Cogeca: EU fährt 2022 kleinere Getreide- und bessere Ölsaatenernte ein

Russland stellt Ukraine-Deal infrage - Heimischer Kassamarkt sucht Orientierung

Brüssel/Wien, 9. September 2022 (aiz.info). - Die EU-Landwirte- und Genossenschaftsverbände Copa und Cogeca schätzten am Freitag die Getreideernte der EU 2022 mit 269 Mio. t um 6,8% kleiner als im Vorjahr und unter dem Fünfjahres-Schnitt. Dementgegen sehe der Trend bei Ölsaaten mit plus 7,2% (31,9 Mio. t) und Proteinpflanzen mit +5,1% (3,92 Mio. t) positiver als zuletzt angenommen aus. Die sommerliche Dürre solle insbesondere die beginnende Maisernte der Union gegenüber dem Vorjahr um 20,8% auf 55 Mio. t einbrechen lassen, wobei die jüngst Bedarfsschätzung des Internationalen Getreiderates für die EU bei 76,1 Mio. t liegt. Die internationalen Märkte standen diese Woche im Zeichen, dass Russland das Abkommen zur Öffnung sicherer Exportkorridore über das Schwarze Meer infrage stellte und einer neuerlich nach oben revidierten Prognose für seine Weizenernte von 97 Mio. t nach dem bisherigen Rekord von 86 Mio. t und mit 46 Mio. t Exportpotenzial. Der österreichische Kassamarkt blieb indes weiterhin orientierungslos.
 
Russland stellt eine Verlängerung des unter Vermittlung von UNO und Türkei zustande gekommenen Abkommens für sichere Seewege auf dem Schwarzen Meer infrage. Es argumentiert, die Getreideexporte der Ukraine gingen zum großen Teil in wohlhabende Regionen wie die EU, anstatt den Hunger in bedürftigen Ländern zu stillen. Dies sei ein Missbrauch des Abkommens, obwohl dieses keine Beschränkung der Exportziele auf arme Länder enthält. Weiters beklagt Russland Behinderungen seiner Ausfuhren durch Sanktionsmaßnahmen. Diese Argumentation wurde auch von der türkischen Staatsführung unterstützt. Dies sorgte für einen kurzeitigen Preissprung. Beobachter wittern hinter den Missbrauchsvorwürfen Russlands aber vielmehr einen weiteren Akt im Wirtschaftskrieg gegen den Mitbewerber Ukraine am Getreideweltmarkt, zumal Russland einer Rekord-Weizenernte entgegenblickt und die Preise zuletzt entsprechend unter Druck standen. Laut UNO seien mindestens 75% des bisher unter dem Abkommen exportierten Getreides aus der Ukraine nicht für die EU bestimmt gewesen sondern vor allem für Länder wie die Türkei, Südkorea, den Iran oder Ägypten.
 
Heimischer Kassamarkt ist verunsichert und sucht Orientierung
 
Hierzulande herrscht Verunsicherung über die künftige Entwicklung der Energiekosten, Knappheit und Verzögerungen bei Logistik und Transport, über Konsumverhalten und Kaufkraft sowie die Lage am Schwarzen Meer mit Druck russischer Ware. Dies erschwere die Planbarkeit. So halten sich Verarbeiter in Österreich aber auch aus Italien zurzeit zurück, größere oder längerfristige Engagements mit Brotweizen einzugehen. Momentan komme es daher nur zu kurzfristigen Abschlüssen. Dies übe Druck auf den Markt in den oberen Qualitätssegmenten aus, heißt es. Gleichzeitig aber kommt quasi vom unteren Qualitätslevel Nachfrage, weil Futtergetreide und Mais knapp und Importe schwierig sind.
 
Unverändert im Zeichen kleiner Ernten und schwieriger Verfügbarkeit steht der Maismarkt. Die Nassmaiskampagne hat in Österreich bereits gestartet, die Erträge vor allem im östlichen Trockengebiet werden als mager geschildert. Gerätselt wird auch über einen allfälligen Importbedarf Ungarns. Die Verarbeiter seien dem Vernahmen nach bemüht, sich mit ihren Preisgeboten so viel Ware wie möglich zu sichern - auch, um zu vermeiden, dass teure Trocknerkapazitäten angeworfen werden müssen.
 
Weiterhin vorsichtig mit ebenfalls nur kurzfristigen Abschlüssen wird der Ölsaatenmarkt beschrieben. Die Folgen des trockenen Sommers ließen zuletzt die Sonnenblumenpreise anziehen, wohingegen der besser verfügbare Raps nachgab.
 
Copa/Cogeca: 2022 kleinere Hektarerträge - Negative Aussichten für 2023
 
Die beiden Verbände führen den Produktionsrückgang beim Getreide 2022 auf kleinere Hektarerträge zurück, wohingegen die Anbaufläche zu 2021 annährend gleichgeblieben sei. Neben Mais verzeichnet vor allem Durum im Jahresvergleich ein Ertragsminus von 7,4% (7,4 Mio. t), während die Weichweizenernte nur um 2,5% auf 125,6 Mio. t zurückfiel. Stabil geblieben ist die Gerstenmenge mit 51 Mio. t.

Die Ölsaatenerzeugung der EU übertrifft im Gegensatz zum Getreide den Durschnitt der vergangenen fünf Jahre um 5%, und die des Vorjahres um 7,2%, wobei sich die von Raps um 16,4% auf 19,5 Mio. t erholen konnte. Obwohl die Landwirte eine größere Fläche bestellt haben, werde aufgrund der sommerlichen Dürre die Sonnenblumenernte zum Vorjahr um 7% kleiner ausfallen. Auch die Sojabohnen sollen trotz einer um 17,4% ausgedehnten Anbaufläche nur um 4,7% mehr werden.
 
Die Ernteergebnisse seien auch auf die unsichere internationale Lage zurückzuführen, monieren Copa und Cogeca. Sie nennen unter anderem Die Inflation, den Euro-Dollar-Wechselkurs und gestiegene Input-Kosten. Vor allem die Versorgung und Preissteigerungen bei Düngemitteln bereite Sorgen und habe negative Folgen auch für 2023. Die Landwirte- und Genossenschaftsvertreter fordern die EU-Kommission daher auf, für mehr Transparenz am Düngermarkt zu sorgen, den Preisanstieg zu bremsen und ein ausreichendes Angebot sicherzustellen. (Schluss) pos
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