Coronavirus infiziert Agrarmärkte - Frankreich in der Geiselhaft von Streiks

Österreich: Ruhiger Kassamarkt - Brotweizen halbwegs stabil - Futtergetreide zieht weiter an

Wien, 31. Jänner 2020 (aiz.info). - Das Coronavirus infizierte insbesondere in den USA auch die Terminmärkte für Agrarprodukte. Man fürchtet, die Logistik könnte erschwert und das allgemeine Wirtschaftswachstum und die Nachfrage könnten gebremst werden, weshalb China die ohnehin noch nicht in Schwung gekommenen Agrarlieferungen aus den USA gemäß dem Phase 1-Handelsdeal nicht werde abrufen können. Damit begaben sich die Notierungen von Weizen, Mais und Sojabohnen sowie auch von Rindern und Schweinen an den US-Terminbörsen auf zum Teil steilen Sinkflug. Die Euronext in Paris blieb davon, entgegen den sonst üblichen Gepflogenheiten, wegen der guten Exportkonjunktur des europäischen Weizens vorerst eher unberührt, ehe auch hier Unsicherheit einsetzte. Die Kassamärkte in der EU behielten jedoch ihre feste Stimmung.

Im Wochenverlauf setzte Unsicherheit um die Lieferfähigkeit von Weizen aus Frankreich ein. Die Streiks französischer Eisenbahner für überkommene Pensionsprivilegien und von Hafenarbeitern nehmen nach dem Personenverkehr zunehmend auch den Weizenmarkt in Geiselhaft. Konkreter Auslöser der Kurskorrektur an der Euronext war: Die algerische Getreidebehörde OGC habe eine italienische Handelsfirma in einem Fax ersucht, zur Erfüllung des jüngsten, vor allem von Frankreich gewonnenen Weizentenders über mehr als 400.000 t nicht auf französische Ware zurückzugreifen, weil es die termingerechte Lieferung gefährdet sähe. Von einem 18-Monate-Hoch sank der März-Weizenkontrakt an der Euronext in Folge auf ein mehrwöchiges Tief und schloss den Donnerstag mit einem Schlusskurs von 192,25 Euro/t.

Am Donnerstag jedoch gewann französischer Weizen mit dem günstigsten Angebot von 209,54 Euro/t fob eine Ausschreibung Ägyptens. Während Russland und die Ukraine leer ausgingen, soll Frankreich zwischen 11. und 25. März 180.000 t liefern. Die Kassamärkte in der EU folgten - gestützt auf Fundamentaldaten - der Abschwächung der Weizenkurse an der Euronext nicht, die Preise blieben - so auch in Österreich - stabil, sodass sich die Prämien auf Euronext sogar noch erhöhten. Dies auch, weil andere Herkünfte wie Deutschland zunehmend Exportgeschäfte von Frankreich übernehmen. Futtergetreide - hierzulande auch der Mais - zeigt sogar weitere steigende Tendenz.

Von den scharfen Kurskorrekturen an den internationalen Terminbörsen war vor allem das immer noch als Leitprodukt der Pflanzenfette angesehene Palmöl betroffen. Zusammen mit den ausbleibenden Käufen aus China bescherte das den Sojabohnen an der CBoT in Chicago bis Donnerstag einen neuerlichen 2%igen Wochenverlust. Letztlich fielen in diesem Sog auch die Rapsfutures an der Euronext wieder unter 400 Euro/t.

Österreich: Ruhiger Kassamarkt - Brotweizen halbwegs stabil - Futtergetreide zieht weiter an

Der Kassamarkt für Brotgetreide in Österreich ist ruhig. Die zuvorgegangene Rallye der Weizenpreise an der Euronext ließ die Verarbeiter an der Seitenout-Linie verharren. Mit der jüngsten Abschwächung der Notierungen, so rechneten Marktteilnehmer im Umfeld der dieswöchigen Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse, würden sie aber bald wieder ins Spiel zurückkehren. Die Notierungen von Premium- und Qualitätsweizen befestigten sich zwar an den Unterkanten des Preisbandes, mussten aber am oberen Rand etwas abgeben. Premiumweizen blieb dabei mit einem engeren Preisband im Durchschnitt unverändert bei 190,50 Euro/t, und der Qualitätsweizen gab eine Spur auf 181,50 Euro/t nach. Etwas mehr, im unteren Bereich des Preisspektrums, verlor Mahlroggen auf 154 Euro/t.

Dementgegen setzte Futtergetreide seine Befestigung fort. Inländische Futtergerste legte einen Deut auf 142,50 Euro/t zu, Einfuhren von Futterweizen nach Niederösterreich stiegen deutlich um 6,50 Euro auf 175,50 Euro/t CPT an, und sogar Futtermais aus heimischer Erzeugung konnte einen spürbaren Gewinn von 2 Euro verbuchen und hält nun bei 146 Euro/t.

Sojaschrotimporte verteuerten sich, obwohl sich die internationalen Sojanotierungen im Tief befinden. Dies begründen Marktteilnehmer mit den aufgrund von Kleinwasserzuschlägen gestiegenen Kosten für die Zufuhr auf dem Wasserweg aus Westeuropa. Mittlerweile soll sich die Lage am Rhein-Main-Donau-Wasserweg aber wieder etwas entspannt haben.

Weizenexport der EU um 69% über Vorjahreslinie

Die Ausfuhren von Weichweizen aus der Europäischen Union bleiben auf Hochtouren. Laut EU-Kommission lagen sie zum Ende der 30. Woche des Wirtschaftsjahres (Stichtag 26. Jänner) mit 15,938 Mio. t um 69% über der Vorjahreslinie. Bei den Exportpreisen blieb Mahlweizen aus der Union fob Rouen mit umgerechnet 217 USD/t (-7 USD zur Vorwoche) auch diese Woche (Stichtag 29. Jänner) preislich voran, vor Schwarzmeerweizen mit 231 USD/t (+1 USD zur Vorwoche) und Soft Red Winter aus den USA mit 258 USD/t (-6 USD/t zur Vorwoche). (Schluss) pos

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