Ernteprognosen steigen weltweit und sinken für Europa

Lager in Österreich werden geräumt

Wien, 26. Juni 2020 (aiz.info). - Die Prognosen für die Ernte und Lagerbestände auf der Welt in der kommenden Saison 2020/21 steigen, für die EU und andere wichtige europäische Produzenten wie die Ukraine sinken sie. Die Kernfrage dabei: Sind die jüngsten Regenfälle doch zu spät gekommen, weil die Schäden zuvor schon irreparabel gewesen sind, oder verbessern sie die Erträge doch noch? Einig ist man sich nur, sie hätten Reihenfrüchten wie Mais oder Rüben geholfen.

Der Internationale Getreiderat IGC prognostizierte am Donnerstag eine gegenüber dem Mai auf einen Rekordwert hinaufgesetzte Prognose für die weltweite Getreideernte (Weizen, Futtergetreide, Mais und Reis), setzte dabei aber die Weizenprognose für die EU herunter. Die EU-Kommission revidierte die Weichweizenernte 2020 der Union ebenfalls am Donnerstag das zweite Monat in Folge deutlich um jeweils 4 Mio. t auf nunmehr 117,2 Mio. t und ein Minus von 10% zum Vorjahr nach unten. Auch die Ukraine scheint die Frühjahrsdürre nicht mehr aufholen zu können. Laut IGC fährt sie heuer nur 26,5 Mio. t nach 29,2 Mio. t 2019 ein. Der staatliche Wetterdienst spricht von gar nur 24,5 Mio. t Weizen. Das ukrainische Wirtschaftsressort schlug mittlerweile eine Kürzung des Weizenexportlimits von 20,2 Mio. t in der auslaufenden Saison 2019/20 auf 17,2 Mio. t in der am 1. Juli startenden 2020/21 vor.

Frankreichs Weizenernte soll laut Kommission heuer sogar um 12% einbrechen. Die Weizenausfuhren 2020/21 sollen nach dem Boom-Wirtschaftsjahr 2019/20 von 34 Mio. t auf 25 Mio. t absinken. Ähnlich dürr sieht es für die Rapsernte der Union aus, die mit 15,4 Mio. t auf dem niedrigen Vorjahresniveau zu liegen kommen soll. Widersprüchlich waren zuletzt zwischen anhaltendem Pessimismus und aufkeimendem Optimismus schwankende Ernteprognosen aus Russland. Jedenfalls drückte saisonüblicher Erntedruck bis Wochenmitte auf die europäischen Weizennotierungen an der Euronext in Paris. Ab Donnerstag trat eine leichte Erholung ein. Der September-Liefertermin mit Ex-Erntepreisen war am Freitagmittag bei 177,50 Euro/t und der am meisten gehandelte und der schon Lagergeld enthaltende Dezember-Kontrakt bei 180,00 Euro/t. Raps musste trotz der knappen Versorgung der EU in einem aus Angst vor neuerlichen Corona-Shutdowns negativ gestimmten allgemeinwirtschaftlichen Umfeld über die Woche Verluste bis auf 373,25 Euro/t am Freitag zu Mittag hinnehmen.

Lager in Österreich werden geräumt

Neugeschäft ist zurzeit nicht am Programm des österreichischen Kassamarktes, zu sehr sind alle Seiten noch im Unklaren, was die neue Ernte an Mengen, Qualitäten und Preispotenzial bringen wird. Somit notierten am Mittwoch dieser Woche auch nur sehr wenige Produkte an der Wiener Produktenbörse. Dabei gaben inländischer Qualitäts- und Mahlweizen aus dem EU-Raum jeweils einen Tick nach, wohingegen die als eher theoretisch bewertete Futtermaisnotierung einen Deut nach oben ging.

Im Fokus steht die neue Ernte und die Räumung der Lager von alterntiger Ware. Die Regenfälle und Abkühlung der jüngsten Vergangenheit verzögerten die Reife, und man rechnet mit einem um 14 Tage nach hinten rückenden Beginn des Drusches der noch grünen Weizenbestände. Gleichzeitig, so heißt es, erwache in Italien mit der Öffnung und dem zaghaften Einsetzen des Tourismus die Nachfrage allmählich wieder. Dadurch würden bereits kontrahierte Lieferungen nunmehr zügiger abgerufen. Der Handel zeigt sich ob beider Faktoren - verzögerte Ernte und mehr Schwung in der Auslagerung - erleichtert, denn damit gelinge es, die Lager zu räumen und den Carryover in die nächste Saison deutlich zu senken.

Erste Druschergebnisse von Winterbraugerste auf leichten Böden südlich und östlich von Wien stellten in Bezug auf Sortierung und Proteingehalte recht zufrieden, wird berichtet. (Schluss) pos

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