Erste Eintrübung der Ernteaussichten für EU und reger Weizenexport

Wettermärkte bestimmen - Premiumweizen in Wien etwas fester notiert

Wien, 12. April 2019 (aiz.info). - Die Aussichten für die Ernte 2019 in der EU trüben sich erstmalig ein. Die französische Analyse Strategie Grains revidierte am Donnerstag gegenüber dem Vormonat die Prognose für die Produktion von Weichweizen von 146,1 auf 144,8 Mio. t (2018/19: 127,2 Mio. t, +14%) und die von Gerste von 61,8 auf 61 Mio. t (2018/19: 55,8 Mio. t, +9%) nach unten. Grund dafür ist Trockenheit. Gleichzeitig gewinnt der Weizenexport aus der Union immer mehr an Schwung. Er liegt, so die EU-Kommission, nach 41 Wochen des Wirtschaftsjahres 2018/19 nur mehr um 4% unter der Vorjahreslinie. Ein schwacher Euro unter 1,13 USD, rege Nachfrage aus Nordafrika und schwindender Konkurrenzdruck vom Schwarzen Meer helfen. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hob zwar am Dienstag seine globalen Endlagerprognosen für Weizen und Mais für die laufende Saison 2018/19 an, die Börsen reagierten aber gelassen. Es bleibt beim Getreide insgesamt und erstmalig seit 2013/14 beim Weizen in der weltweiten Bilanz bei einem Bestandsabbau - die Produktion kann den Bedarf nicht decken. Nach einem Durchhänger zu Wochenbeginn setzte der Fronttermin Mai des Weizenfutures an der Euronext in Paris am Donnerstag zu einem neuerlichen, aber wiederum nicht erfolgreichen Angriff auf die 190 Euro-Widerstandslinie an. Der Brotgetreidemarkt in Österreich läuft unaufgeregt weiter. Premiumweizen konnte sich am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse am oberen Rand des Preisbandes sogar um einen Deut auf 193 Euro/t befestigen. Beim Futtergetreide setzt sich der "Normalisierungsprozess" fort; die Preise geben ausgehend von ungewöhnlich hohen Spitzen weiter nach.

Laut Agenturmeldungen begründet Strategie Grains die Rücknahme der Weizen- und Gerstenprognose für die EU so: "Die Ernteaussichten in der EU haben sich wegen trockenen Wetters im März und trotz des Eintreffens von Regen im April (insbesondere in Spanien und den südöstlichen EU-Ländern) einigermaßen verschlechtert." Dennoch solle die Ernte 2019 größer als im Dürrejahr 2018 ausfallen. Der Zuwachs in der Weizen- und Gerstenerzeugung werde, so die Analyse, zu größerer Nachfrage aus der Verfütterung und dem Export führen. Man erwarte, dass Weizen und Gerste 2019/20 in den Futtermittelrationen gegenüber Mais wettbewerbsfähiger werden würden und auch größere Nachfrage aus Übersee bedienen könnten. Die Maisprognose für die EU beließ Strategie Grains fast unverändert bei 63,1 Mio. t (2018/19: 61,6 Mio. t, +2%). Der stärkere Weizen- und Gersteneinsatz in der Verfütterung werde die Maiseinfuhren der EU wieder von den Rekordwerten der laufenden Saison 2018/19 herunterholen.

Wettermärkte bestimmen Preisbildung bis zur Ernte

FranceAgriMer nahm am Freitag die Bonitierung der französischen Weichweizenbestände mit gut bis exzellent gegenüber der Vorwoche um 1% auf 83% zurück und die der Wintergerste von 80% auf 79%. Aus Norddeutschland berichten Branchenbeteiligte von anhaltend zu wenig Feuchtigkeit in den Böden.

Die Wettermärkte dürften nun bis zur Ernte im Sommer die Preisbildung bestimmen. An der Euronext in Paris notierte der letzte Liefertermin für Mahlweizen der alten Ernte 2018, der Mai-Kontrakt, am Freitagvormittag neutral mit 189,25 Euro/t und Weizen der neuen Ernte 2019 zur Lieferung im Dezember ebenso unverändert bei 180 Euro/t.

Die USA stehen weiterhin im Bann von Winterstürmen und Überschwemmungen der Anbaugebiete im Mittelwesten. Dies verzögert Aussaat und Aufgang von Sommerweizen, Mais und Sojabohnen. Die US-Sommerweizen Hard Red Spring sind vergleichbar mit der Premiumweizenqualität in Österreich und stehen zum heimischen Angebot vor allem am Exportmarkt Italien in Konkurrenz. Je später die Farmer ihre Felder bestellen können, desto eher werden sie bei der Wahl zwischen den Alternativen Mais oder Sojabohne zur Bohne greifen, auch wenn der Handelskrieg mit China die Lager ohnehin schon anschwellen lässt. Das Hochwasser behindert auch die Logistik auf den Binnenwasserwegen, was sowohl Exporte als auch die Ethanolproduktion aus Mais betraf.

Rege Weizenexporte aus der EU - Krise in Algerien und Mutterkornfund in Ägypten verunsichern

An den Hafensilos in Frankreich und Deutschland liefen weiterhin rege Exportverladungen von Weizen, heißt es. FranceAgriMer hob am Mittwoch die Prognose für die Drittlandausfuhr von Weizen aus Frankreich im Monatsabstand um 200.000 t auf 9,7 Mio. t an. Damit würde das Vorjahresergebnis um 19,5% übertroffen. Unsicherheiten erwachsen dementgegen aus der Krisenlage in Algerien und aus Meldungen, Ägypten habe eine aus Dünkirchen kommende 63.000 t-Schiffsladung Weizen wegen Überschreitung der international üblichen 0,05%-Toleranzgrenze für Mutterkornbesatz um das Doppelte gestoßen. Algerien wiederum ist Frankreichs wichtigster Weizenkunde, es habe im bisherigen Saisonverlauf mit rund 4,5 Mio. mehr als die Hälfte der bisherigen französischen Weizenausfuhren aufgenommen.

Die Kommission meldete zum Stichtag 8. April Weichweizenexporte aus der EU von 14,982 Mio. t und nur mehr um 4% weniger als im Vorjahr. In der jüngsten Berichtswoche waren 491.554 t hinzugekommen. Die Union hängte damit den Konkurrenten USA deutlich ab, von wo laut USDA in der Woche bis 4. April nur 273.000 t Weizen zur Auslieferung in 2018/19 verkauft wurden. Der Handel hatte 300.000 bis 500.000 t erwartet. Das Ergebnis lag um 61% unter dem der Vorwoche und um 37% unter dem Schnitt der vergangenen vier Wochen. Soft Red Winter verbuchte damit an der CBoT im Wochenvergleich ein leichtes Minus. Schwache Exportzahlen sorgten diese Woche in Chicago auch für Verluste der Mais- und Sojanotierungen.

Dabei bieten US-Exporteure Weizen zurzeit sehr aggressiv an: Der wöchentliche Preisvergleich der EU-Kommission weist für Soft Red Winter fob Golf von Mexiko zum Stichtag 10. April einen Exportpreis von 205 USD/t (-8 USD zur Vorwoche) aus, EU-Weizen fob Rouen lag bei 220 USD/t (+1 USD zur Vorwoche) und Schwarzmeerware bei 228 USD/t (unverändert zur Vorwoche). Algerien habe am Donnerstag laut Händlern 540.000 t Weizen optionaler Herkunft zur Lieferung im Juni gekauft, die Preise c&f (cost and freight) werden mit 238,25 bis 239 USD/t (211,51 bis 212,18 Euro) kolportiert. Neben französischen sollen dabei auch Angebote aus den USA Zuschläge erhalten haben. Die staatliche ägyptische Getreideagentur GASC eröffnete am Donnerstag eine Ausschreibung für eine unbestimmte Menge Weizen zur Lieferung zwischen 20. Mai und 5. Juni. Der Tender soll am Freitag schließen.

WASDE-Bericht: Mehr Weizen- und Maisendlager - Hauptgrund ist Statistikrevision des Iran

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA veröffentlichte am 9. April seinen monatlichen WASDE-Bericht zu den globalen Getreide-Versorgungsbilanzen. Ab der nächsten Ausgabe im Mai wird der Report zusätzlich weltweite Bilanzdarstellungen ausschließlich Chinas enthalten, und die Länderlisten der bedeutendsten Importeure und Exporteure werden upgedatet. Der April-WASDE hebt die globalen Endlagerprognosen für Weizen und Mais für die laufende Saison 2018/19 gegenüber dem Vormonat an. In der Weizenbilanz setzt er um 2,1 Mio. t höhere Anfangsbestände und einen um 2,9 Mio. t kleineren Verbrauch an. Beide Änderungen resultieren zum Großteil aus einer Revision der Statistiken des Iran.

EU verfüttert wegen billiger Maisimporte weniger Weizen - Weizenexport um 1 Mio. t angehoben

Zwar revidierte das USDA auch den Weizenkonsum der EU um 1,5 Mio. t nach unten, doch sollen die Endlager der Union nur um 290.000 t höher ausfallen, da gleichzeitig die Weizenausfuhren um 1 Mio. t hinauf- und die Einfuhren um 200.000 t hinuntergesetzt werden. Der geringere Verbrauch der EU sei darauf zurückzuführen, dass der preislich attraktive Mais und Futtergetreide den Weizen aus den Futtermischungen verdrängen. Die Weizenbilanz der Union bleibt mit einem Anteil von 8,7% der 10,72 Mio. t Endlager am Verbrauch von 123 Mio. t sehr eng. Die globalen Endlager schmelzen um 6,28 Mio. t ab und kommen bei einer komfortablen Ratio von stock to use von 37,23% zu liegen.

In die um ebenfalls gut 5 Mio. t schwerere globale Maisbilanz gehen vorrangig nach oben revidierte Erntezahlen für Brasilien und Argentinien ein. Die um 2,12 Mio. t höher und auf 63 Mio. t angesetzte Maisproduktion der EU verfehlt den um 2,5 Mio. t erhöhten Verbrauch von 86,50 Mio. t deutlich und erfordert Einfuhren von 22,5 Mio. t (Vormonatsprognose: 21,5 Mio. t). Bei den Ölsaaten hebt das USDA die Endlager um 1,5 Mio. t an. Eine Revision der Sojabohnenernte Brasiliens nach oben zieht auch größere Endbestände nach sich, und Kanada soll als Folge des Importstopps Chinas auf volleren Rapslagern sitzen bleiben.

Österreich: Premiumweizen leicht fester

Der Brotgetreidemarkt in Österreich lief auch in der vergangenen Woche unaufgeregt weiter. Premiumweizen konnte sich am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse am oberen Rand des Preisbandes sogar um einen Deut auf 189 bis 193 Euro/t befestigen. Wieder einmal wurde auch Qualitätsweizen auf das Kursblatt aufgenommen. Die Notierung liegt mit 183 Euro/t leicht unter den zuletzt Ende März erfassten Preisen. Da die Ernte 2018 in Österreich nur ungewöhnlich kleine Anteile an Qualitätsweizen gebracht hat, die Nachfrage heimischer Mühlen aber vorhanden ist, werden auch immer wieder Importe aus anderen EU-Staaten getätigt. Die dieswöchige Notierung solcher Käufe CPT Wien von 188 Euro/t liege, so Beobachter, abzüglich der enthaltenen Transportkosten etwas unter den Ab-Stations-Preisen österreichischer Ware.

Beim Futtergetreide hingegen setze sich, so Marktteilnehmer, der "Normalisierungsprozess" weiter fort. Die Notierungen gaben neuerlich nach. Betroffen davon waren Futtergerste und auch Futterweizen, der wieder am Markt aufgetaucht ist. Offensichtlich werde Ware, die zuvor zurückgehalten worden sei, nunmehr zügiger angeboten.

Im Gegensatz zu Brotweizen weisen die Notierungen für Mais inländischer und ausländischer Herkunft deutlichere Differenzen auf. Zurückgerechnet auf den Produktwert kann inländische Ware offensichtlich keinen "Bonus" lukrieren.

Sojaschrotimporte aus GVO-Sorten verbilligten sich im Wochenabstand etwas; ebenso gab inländischer Rapsschrot im Kielwasser der internationalen Rapsschwäche nach. (Schluss) pos

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