Eskapaden von Wetter und Politik bestimmen Getreidemärkte zu Erntebeginn

Österreich: Alterntiger Premiumweizen zuletzt fester - Neuerntige Futtergerste deutlich billiger

Wien, 28. Juni 2019 (aiz.info). - Die internationalen Getreidemärkte bleiben mit der auf der Nordhalbkugel einsetzenden Ernte weiterhin bestimmt vom Wetter und seinen Eskapaden sowie von denen der Politik, etwa im Handelsstreit der USA mit China. Beim Wetter stehen vor allem die Anbauverzögerungen in den USA als Folge anhaltender und exzessiver Regenfälle, Hitze und Trockenheit im Schwarzmeerraum und jüngst auch in Westeuropa sowie Dürre in Australien im Fokus und verbreiten abwechselnd Besorgnis und auch wieder Entspannung. Die Preise zogen im Juni im Allgemeinen etwas an - so legte der am Donnerstag dieser Woche veröffentlichte Globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) das dritte Monat in Folge zu. 2% Anstieg zum Vormonat bedeuten auch im Jahresabstand ein Plus von 0,2%.

Der Mahlweizen an der Euronext in Paris notierte Freitagmittag für den Liefertermin September mit 181,25 Euro/t und zum Dezember-Termin mit 186 Euro/t. In Österreich erhielten die Preise für Premiumweizen alter Ernte 2018 zuletzt Aufschwung, weil sich die Mühlen aus den knappen Restmengen noch Qualitätsreserven für die kommende Saison anlegen wollen. Die Niederschläge im Mai und ein höheres Ertragspotenzial lassen nämlich eine stärkere Qualitätsverteilung als 2018 erwarten, als praktisch fast zur Gänze proteinreiche Aufmischweizenqualitäten eingebracht worden waren. Auch bahnt sich eine bessere Versorgung mit Futtergetreide an. Die zuletzt extrem hohen Preise alter Ernte nahezu auf Aufmischweizenniveau kommen mit dem Einsetzen der neuen Ernte wieder deutlich herunter. Die Ertragserwartungen an die Ernte 2019 allgemein differieren von etwas unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre bis etwas darüber.

Nach der Befestigung in den Vorwochen hielt sich die Notierung von Premiumweizen der alten Ernte 2018 am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse mit 200 bis 202 Euro/t unverändert. Keine Änderungen gab es auch bei den Notierungen von Futtermais und Mahlroggen aus der vorjährigen Ernte. Sojaschroteinfuhren aus GVO-Anbau sowie inländischer Rapsschrot wurden etwas billiger. Die Preise für Futtergerste - es wurden diese Woche in Wien 138 Euro/t notiert - der neuen Ernte 2019 liegen deutlich unter denen für die zuletzt notierten 180,50 Euro/t alterntiger Ware. Erste Druschergebnisse von Winterbraugerste zeigten Hektarerträge von 60 bis 65 dt, was als guter Durchschnitt gewertet wird. Die Qualitäten seien sehr zufriedenstellend. Aus Italien hört man von erster Wintergerste schwache Hektolitergewichte.

Die Stimmung an der Euronext wurde zuletzt von einem Wiedererstarken des Euro und zum Ende des am 30. Juni auslaufenden Wirtschaftsjahres schwachen Weizenexportzahlen etwas getrübt. Die EU-Kommission nannte nach 52 Wochen der Exportsaison zum Stichtag 24. Juni Weichweizenausfuhren von 20,037 Mio. t. Das sind um 4% weniger als die Vorjahreslinie - zwischenzeitlich hatten die Weltmarktausfuhren der Union schon bis auf 1% an das Vorjahresergebnis anschließen können. Dennoch sind die Lager in der Union vor allem im Vergleich zu den USA, wo laut des Landwirtschaftsministeriums in Washington kommendes Wirtschaftsjahr 91,35% eines Jahresverbrauchs unverkauft in den Silos liegen bleiben sollen, weitgehend geräumt. Das USDA prognostiziert der EU 2019/20 trotz eines Bestandsaufbaus um 4,8 Mio. t eine sehr enge Weizenbilanz mit einer Ratio von stock to use bei 11,26%.

In der Wettbewerbsfähigkeit bei den Weizenexportpreisen fob in den jeweiligen Exporthäfen liegt laut dem Vergleich der EU-Kommission zum Stichtag 26. Juni der Schwarzmeerweizen mit umgerechnet 197 USD/t (+1 USD zur Vorwoche) deutlich voran. Es folgt Weizen aus der EU fob Rouen mit 220 USD/t (+5 USD zur Vorwoche) vor dem US-Weizen Soft Red Winter mit 238 USD/t (+8 USD zur Vorwoche). Der Konkurrenzfähigkeit des Weizens aus der EU setzt ein Wechselkurs des Euro von 1,1301 USD zu, nachdem dieser im Mai noch unter 1,12 USD gelegen war.

IGC senkt Maisernte drastisch - Globale Getreidelager sinken 2019/20 - Weizenlager steigen

Nach dem US-Landwirtschaftsministerium USDA reduzierte am Donnerstag dieser Woche auch der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London in seinem Grain Market Report (GMR) vom Juni 2019 die Erwartung in die globale Maisernte 2019/20 drastisch, nämlich gegenüber dem Vormonatsreport um 23 Mio. t. Das wegen gesunkener Anfangsbestände kleinste weltweite Getreideangebot der letzten vier Jahre führt am Ende der Saison 2019/20 trotz einer zum Vorjahr um 1% steigenden Ernte von Weizen, Futtergetreide und Mais zum dritten Abbau der Lagerbestände in Folge auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Der Bestandsabbau beschleunigt sich demnach auf 31 Mio. t nach 26 Mio. t in der auslaufenden Saison 2018/19. Die Absenkung der Ernteschätzung begründet sich vor allem im schwierigen Start der Vegetation in den USA. Davon betroffen sind vor allem Mais und Sojabohnen. Die Maislager dürften als Folge dessen im dritten aufeinanderfolgenden Jahr weiter abschmelzen (-48 Mio. t) und den tiefsten Stand der letzten sechs Jahre erreichen.

Anders beim Weizen: Hier hebt der IGC die Produktionsschätzung für die Welt zum Vormonat um 3 Mio. t - insbesondere aber für die EU, die Ukraine und für Indien - auf das Allzeithoch von 769 Mio. t an. Um ebenso viel, 3 Mio. t, setzt der IGC gegenüber dem Mais aber auch den Weizenverbrauch höher an. In Summe wachsen die Weizenendlager - vor allem in China und Indien - 2019/20 um 12 Mio. t auf einen neuen Höchststand von 275 Mio. t an. Das sind 36,38% des Verbrauchs. Zwar sollen sich die Lagerstände auch bei den größten Exporteuren erholen, aber zusammengenommen noch immer unter dem fünfjährigen Schnitt bleiben.

Die weltweiten Sojabohnenendbestände erreichten, so der Report, nach einer Rekordernte und Absatzeinbrüchen in China als Folge der Afrikanischen Schweinepest und des Handelskrieges mit den USA schon 2018/19 ihr Allzeithoch und verdoppeln sich dabei insbesondere in den USA. Der Ausblick für 2019/20 bleibe noch spekulativ, so die Experten. Die misslichen Anbaubedingungen in den USA münden jedenfalls in eine Ernteprognose von 4% unter dem Ausstoß von 2018/19. Unter dem Strich prophezeit der IGC 2019/20 einen Lagerabbau um 20%. Das ist aber noch immer etwas über dem Schnitt der vergangenen Jahre.

Der Globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) legte das dritte Monat in Serie zu. Negative Witterungseinflüsse hätten den Subindex von Mais um 6,4% (+13,1% zum Vorjahr), den von Weizen um 1,7% (+3,3% zum Vorjahr) und den von Sojabohnen um 1,4% (-2,8% zum Vorjahr) steigen lassen. Der von Gerste gab um 0,7% (-6,8% zum Vorjahr) nach.

USDA: Kleineres Maisangebot forciert Verfütterung von Weizen

Schon früher im Juni senkte das US-Landwirtschaftsministerium in seinem monatlichen WASDE-Bericht gegenüber Mai die Aussichten für die weltweite Maisproduktion 2019/20 drastisch um knapp 35 Mio. t. Auf die Marktbalance in der EU - diese müsse 2019/20 nach 23,5 Mio. t in der auslaufenden Saison 20 Mio. t Mais importieren - hätten diese vor allem in den USA eintretenden Produktionsausfälle jedoch kaum Einfluss. Das geringere Maisangebot schlägt sich dagegen auf die weltweite Weizenbilanz in höheren Verbrauchsannahmen für die Verfütterung nieder. (Schluss) pos

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