EU-Prognosedienst MARS relativiert Angst vor Frostschäden im Ackerbau

Nur Raps- und Durumerträge betroffen - Österreich-Prognose schlechter als die für EU

Wien, 29. April 2021 (aiz.info). - Der agrarmeteorologische Prognosedienst der EU-Kommission (MARS) beruhigte in seinem April-Bulletin, die zum Teil heftigsten Fröste seit Beginn der Aufzeichnungen des Dienstes im März und April hätten kaum ernsthafte Schäden im Ackerbau der EU angerichtet. Die Kälte verzögere den Aufgang der Winter- und die Aussaat der Sommerkulturen allenfalls. Ausnahmen seien Raps und Durum, Sommergerste sowie Zuckerrüben. Daneben sei es aber im Mittelmeerraum und in etlichen Teilen Mittel- und Zentraleuropas gleichzeitig auch zu trocken gewesen. Insgesamt revidiert das MARS-Bulletin somit gegenüber dem März die Prognose der Hektarerträge aus der kommenden Ernte 2021 für die EU leicht zurück, bleibt aber bei einem Plus von 3,6% zum Fünfjahresschnitt. Die Erwartungen an die Ernte in Österreich liegen bei praktisch allen Kulturen unter denen für die Union.

Heimische Experten revidieren ihre Ertragsprognose für Raps als Folge der Fröste und der Trockenheit aktuell ebenfalls zurück - nämlich von zuletzt 3,3 auf 3,1 t/ha. Sie liegen damit ähnlich den EU-Experten, die auf 3,13 t/ha kommen. Auch Österreichs Weichweizenbestände sähen trockenheitsbedingt "traurig" aus, so die Pflanzenbauer. Man bleibe aber noch gelassen, es bestehe noch Potenzial, sich zu erfangen. Für Weichweizen prognostizieren die Brüsseler Experten Österreich heuer Naturalerträge um 2,8% unter dem Fünfjahresergebnis und sogar um 10% unter den Vorjahresertrag.

Im weltmarktrelevanten Schwarzmeerraum blicke die Ukraine einer "versprechenden Saison" für Wintergetreide entgegen und sieht der Prognosedienst in Russland geringe Auswinterung, aber eine verzögerte Entwicklung der Winterungen und der Frühjahrsaussaat. Damit seien zwar noch halbwegs gute Erträge möglich, Rekordergebnisse aber sehr unwahrscheinlich.

Frost verringert Erwartung in Raps- und Durumerträge in der EU

Beim Weizen fielen demnach die Hektarerträge in der EU gegenüber dem März-Bulletin um 0,5% auf 5,64 t zurück. Das ist ein Plus von 3,0% zum Fünfjahresschnitt. Verschlechtert im Monatsabstand hat sich dementgegen die Durum-Prognose um 3,6% auf 3,47 t/ha und 0,8% als der Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Mit einer um 2,1% im Monatsabstand verschlechterten Ertragserwartung von 3,19 t/ha soll Raps unionsweit aber immer noch um 4,6% mehr als im Mittel der vergangenen fünf Jahre einbringen.

Durch die Bank schlechtere Ernteprognosen für Österreich als für die gesamte EU

Durch die Bank fallen die Ernteerwartungen für Österreich schlechter aus als die für die ganze EU: Die Prognose für die Hektarerträge von Weizen ergibt für die gesamte Union ein Plus von 2,5% zum Vorjahr, beim Weichweizen sogar um 2,6% mehr als 2020 und um 2,9% mehr als im Fünfjahresschnitt. Demgegenüber sieht die Weizenprognose für Österreich 2021 einen um 2,6% unter die letzten fünf Jahre und um 10% unter 2020 fallenden Naturalertrag, wobei Weichweizen bei 2,9% minus im Vergleich zum Fünfjahresergebnis im Jahresabstand sogar um 10% abfallen soll.

Bei Gerste sind es für die Union um 1,7% mehr als die letzten fünf Jahre und um 0,3% weniger als 2020, für Österreich hingegen nur um 0,2% mehr zu den fünf Jahren und um 9,2% weniger als 2020. Beim Hektarertrag von Sommergerste sieht der Prognosedienst die heimischen Ergebnisse um 10% unter denen des Vorjahres, die der EU aber nur um 7,3%. Zweistellig mit -11% unter dem Vorjahr (-0,2% zum Fünfjahresschnitt) für Österreich und 5,2% weniger als 2020 (+3,9% zum Fünfjahresschnitt) fällt die heimische Roggenprognose aus. Nicht zuletzt sollen die Landwirte hierzulande heuer um 0,8% weniger Raps pro ha - nicht gerechnet die neuerlich verkleinerte Anbaufläche - und gerade 0,5% mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre einfahren. Der Raps-Hektarertrag der ganzen EU übertreffe demnach den des Vorjahres um 2,2% und den der letzten fünf Jahre um 4,6%.

Heikelste Vegetationsphase in Zentraleuropa steht noch bevor

In Ländern wie Österreich, der Slowakei und Tschechien sei es zwar bisher auch zu kalt und trocken gewesen, dies hätte aber bisher noch keine signifikanten Schäden angerichtet. Die heikelste Vegetationsphase stehe den Pflanzen aber noch bevor, sodass es für seriöse Prognosen noch sehr früh sei. Ähnlich sehe es in Ungarn aus, hier habe der Frost die Rapsbestände erwischt. (Schluss) pos

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