Euronext-Weizen stellte Hoch von 2008 ein - Preissprung auch an Wiener Börse

An den Terminbörsen und den Kassamärkten zeigt sich Weizen wegen der weltweit engen Versorgungslage nach wie vor am stärksten. An der Euronext in Paris erreichte der Mahlweizenkontrakt am Mittwoch mit Überspringen der 285-Euro-Marke neue Kontrakt-Hochs für den Dezember-Liefertermin und den höchsten Stand seit dem Rekordjahr 2008. Auf hohem Niveau eher seitwärts ging es mit Raps und nach dem verzögerten Start in Europa bei nunmehr einsetzendem Erntedruck auch mit Mais. Hierzulande hält die Nachfrage nach hohen Weizenqualitäten - vor allem wegen ihrer inneren Werte - aus österreichischem Anbau sowohl aus Italien als auch von heimischen Mühlen an. Die Wiener Premiumweizennotierung machte am Mittwoch einen neuerlichen gewaltigen Satz - an der Oberkante um 33 Euro/t - auf bis zu 358 Euro/t nach oben.

Schwierige Lage für Mühlen - Spannender Mais - Warnen vor umschlagender Stimmung

Wien, 29. Oktober 2021 (aiz.info). - An den Terminbörsen und den Kassamärkten zeigt sich Weizen wegen der weltweit engen Versorgungslage nach wie vor am stärksten. An der Euronext in Paris erreichte der Mahlweizenkontrakt am Mittwoch mit Überspringen der 285-Euro-Marke neue Kontrakt-Hochs für den Dezember-Liefertermin und den höchsten Stand seit dem Rekordjahr 2008. Auf hohem Niveau eher seitwärts ging es mit Raps und nach dem verzögerten Start in Europa bei nunmehr einsetzendem Erntedruck auch mit Mais. Hierzulande hält die Nachfrage nach hohen Weizenqualitäten - vor allem wegen ihrer inneren Werte - aus österreichischem Anbau sowohl aus Italien als auch von heimischen Mühlen an. Die Wiener Premiumweizennotierung machte am Mittwoch einen neuerlichen gewaltigen Satz - an der Oberkante um 33 Euro/t - auf bis zu 358 Euro/t nach oben.

Sinkende Pflanzen- und Rohölpreise sowie steigende Ertragsprognosen für Sojabohnen drückten in den USA auf den Sojakomplex an der CBoT in Chicago. Die Rohölrallye bremste sich wegen der Ankündigung Russlands von mehr Gaslieferungen in die EU sowie hoher Öllagerbestände in den USA ab. Dem Mais an der Chicagoer Börse halfen indes der feste Weizen, Ernteverzögerungen wegen Regens und starke Ethanolnachfrage zu einer Seitwärtsbewegung.

Österreich: Ende der Fahnenstange bei Weizen? - Schwierige Lage für Mühlen

Am heimischen Brotweizenmarkt würden schon spätere Termine im ersten Quartal des kommenden Jahres besprochen, heißt es. Die Verarbeiter seien für die frühen Termine schon gedeckt und kurzfristiges Geschäft ruhe auch schon wegen der Unsicherheit der weiteren Preisentwicklung. Branchenkreise rätseln, ob mit der aktuellen Wiener Weizennotierung nun das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Jedenfalls soll der Notierungssprung am oberen Ende des Preisbandes dem Vernehmen nach auch ein gewisser Nachzieheffekt der bereits in der Vorwoche eingetretenen Entwicklung sein. Hingegen solle zu den Preisen an der Unterkante des Preisbandes von Premiumweizen bei 323 Euro/t praktisch keine Ware erhältlich sein. Mit dieser unteren Notierung täten sich die Mühlen auch schwer, die - wie sie sagen - gegenüber den weiteren Gliedern der Wertschöpfungskette zähe Diskussion sehr hoher Rohstoffpreise und der Notwendigkeit von Mehlpreiserhöhungen zu führen.

Spannender Mais: Erntedruck und Herbstanbau dürften Abgabebereitschaft fördern

Spannend zeige sich der Maismarkt, nachdem die Ernte jetzt voll angelaufen ist und die Trockner- sowie Transportkapazitäten am Anschlag und teuer seien. Hohe Feuchtigkeitsgehalte erforderten längere Trocknereinsätze. Preissteigerungen für Frachten um ein Drittel in jüngster Vergangenheit würden kolportiert. Ursprüngliche Befürchtungen von Verpilzungen hätten sich laut Pflanzenbauern aber nicht bestätigt und es trete Entspannung ein. Zudem strömten angesichts der bis zuletzt geübten Zurückhaltung bei der Abgabebereitschaft namhafte Mengen aus Nachbarländern in die heimische Verarbeitungsindustrie, um deren Betrieb am Laufen zu halten. Damit beginne sich - auch mit Blick auf Ungarn, wo die Industrie ihren Bedarf aus anderen zentraleuropäischen Ländern decke und sich die inländischen Produzenten auf die Ware setzten - allmählich die Erkenntnis durchzusetzen: Der Bedarf der Verarbeiter kann nur einmal gedeckt, werden und es könnte nun angebracht sein, die Brief- an die Geldkurse heranzuführen und Geschäfte zu tätigen, ehe sie andere gemacht haben. Zudem wollen viele Landwirte ihre Felder mit Winterweizen bestellen und würden nun zusehen, dafür mit den Maisbeständen vom Acker zu kommen. Jüngst geisterten aus dem Zentralraum St. Pölten Preisgebote frei Händler oder Trockner an Landwirte für Körnermais von netto rund 240 Euro/t umher, und es werden hohe Erträge - an guten Standorten 14 t/ha Trockenmais - gemeldet.

Agrana und Jungbunzlauer erhöhen nächste Woche Nassmaispreis

Laut Landwirtschaftskammer soll Agrana kommende Woche den Nassmaispreis auf Basis 14% Feuchtigkeit um 2 Euro/t anheben. Dies bedeute für Landwirte netto bei 30% Feuchtigkeit frei Rübenplatz rund 142 Euro/t und frei Werk Pischelsdorf 147 Euro/t Nassmaispreis. Auch Jungbunzlauer geht nächste Woche mit dem Erzeugerpreis für Nassmais mit 30% Feuchtigkeit frei Werk Pernhofen auf dann netto rund 139,050 Euro/t hinauf.

Marktbeobachter warnen vor Umschlagen der Stimmung - Auch bei Anbau sicher planen

Erste Marktbeobachter warnen unter dem Eindruck des Jahres 2018 mit seinen damaligen Rekordpreisen davor, dass eine Bullenstimmung um den Jahreswechsel leicht in eine bärische umschlagen könnte. Dann nämlich, wenn Investmentfonds an den Terminbörsen ihre Jahresabschlüsse machten, fette Gewinne durch Verkäufe einstreiften und in Anbetracht möglicherweise rosigerer Aussichten auf die folgende Ernte ihre Risikobereitschaft zügelten. Damit könnten sich die Erlösaussichten für die Produzenten im Folgejahr rasch ändern.

Dies sollte auch bei der Anbauplanung für 2022 berücksichtigt werden - etwa nicht nur die Attraktivität von Kulturen aus der Ernte 2021 im Auge zu behalten, sondern auch einen Blick auf sichere Häfen zu werfen, wie etwa mit Rübenanbau auch im Hinblick darauf, die unter Beteiligung der Landwirte stehenden Verarbeitungsstandorte abzusichern.

Weltmarkt: Russischer Weizenexport hinter Vorjahr - Ausfuhren der EU boomen weiterhin

Die russische Regierung senkte am Donnerstag ihre Ernteprognose für die auslaufende Kampagne 2021 von zuletzt 127,4 Mio. t auf gut 123 Mio. t, nannte aber keine Zahlen für Weizen. Zur gleichen Zeit sprach der führende Analyst des Landes, IKAR, von lediglich 119,5 bis 121,7 Mio. t. Jedenfalls stiegen gegen Ende der Vorwoche nach zuvor einer Woche Verschnaufpause die Exportpreise an den russischen Schwarzmeerhäfen für Weizen mit 12,5% Protein wieder um umgerechnet 2 bis 2,50 Euro auf bis zu 272 Euro/t fob. Der Weizenexport des ehemals weltgrößten Lieferanten, Russland, hinkt gleichzeitig immer stärker hinter der Vorjahreslinie her - zum 21. Oktober schon um 28,7%. Dennoch legt die Regierung in Moskau ab 10. November beim Weizen-Exportzoll neuerlich drauf: Sie erhöht die Abgabe zur Dämpfung des Exporttempos und der Lebensmittelinflation im eigenen Land wegen der steigenden Weltmarktpreise um weitere 2,90 USD/t (2,50 Euro) auf 69,90 USD/t (60,30 Euro). Der Kalkulation liegt ein Referenzpreis von 299,90 USD/t (258,69 Euro) zugrunde. Deutlich erhöht sich auch die Abgabe auf Gerstenausfuhren und um eine Spur die auf Mais.

Die Weizenausfuhren der EU boomen indes trotz des knappen Angebots weiter. Zum 26. Oktober wies die Kommission Weichweizenausfuhren von 8,99 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr aus nach 7,23 Mio. t in der Vorsaison. Dieses Plus in der Statistik von 24% ist aber in der Realität noch bedeutend stärker. Denn der Jahresvergleich der Kommission beruht bei den Vorjahreszahlen noch auf Daten der EU-28 einschließlich dem Vereinigten Königreich, und es fehlen in den aktuellen Zahlen von 2021/22 seit August Meldungen aus Frankreich, dem größten Weizenexporteur der Union.

Am Mittwoch kaufte die ägyptische GASC 180.000 t Weizen aus Russland, 120.000 t von der Ukraine und 60.000 t aus Rumänien zur Lieferung Anfang Dezember. Dafür wurden fob-Preise zwischen umgerechnet gut 281 und knapp 283 Euro/t kolportiert.

Ausblicke auf 2022: Trocken am Schwarzmeer und vor La Niña in Südamerika - Wenig Dünger

In den russischen Schwarzmeerregionen und in der Ukraine soll Trockenheit den Aufgang von Winterweizen beeinträchtigen. Auch in den USA verschlechterte sich die Bewertung der Winterweizenbestände. Zudem verunsichern die enormen Preissteigerungen und Lieferengpässe von Düngemitteln weltweit, denn ein verringerter Düngereinsatz könnte sich negativ auf Erträge und Qualität der Ernten 2022 niederschlagen. Argentinien blickt seiner bevorstehenden Weizenernte optimistischer als bisher vermutet entgegen. In Südamerika steht aber in weiterer Folge offensichtlich das Wetterphänomen La Niña in Gestalt einer langen Dürre vor der Haustüre.

Euronext: Weizen legt über die Woche neuerlich zu - Mais und Raps verlieren leicht

An der Euronext in Paris stieg der Schlusskurs des Mahlweizens zur Lieferung im Dezember vom vorigen Freitag (22. Oktober) bei 280,00 Euro/t auf 283,00 Euro/t am Donnerstag dieser Woche. Im selben Zeitraum legte der in wenigen Tagen auslaufende November-Rapskontrakt von 674,50 Euro/t auf 688,00 Euro/t zu. Der November-Future läuft allerdings in wenigen Tagen aus, und wie üblich für solch eine Endphase machten die Kurse aufgrund der Schließung spekulativer Positionen zuletzt wilde Sprünge auf und ab. Der stabilere Folgetermin Februar 2022 entwickelte sich seitwärts von 669,75 Euro/t am 22. Oktober auf 669,25 Euro/t diesen Donnerstag. Mais zur Lieferung im November gab im Wochenabstand von 279,00 Euro/t auf 242,50 Euro/t nach. Hier blieb - ähnlich wie beim Raps wegen des alsbaldigen Auslaufens des Kontrakts - der Folgemonat Jänner 2022 gleichfalls stabiler mit einer Entwicklung von 243,50 Euro/t auf 241,50 Euro/t.

Am Freitagmittag legten in Paris der November-Raps wieder um 13 Euro zu und sprengte die 700-Euro-Decke und der Februar um 5 Euro auf über 670 Euro/t. November-Mais befestigte sich eine Spur um 1,00 Euro/t, währen der Jänner um 1 Euro/t nachgab und der Dezember-Weizen 0,50 Euro/t verlor. (Schluss) pos

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