Getreide: Eskalation am Schwarzen Meer drängt bearishe Faktoren in Hintergrund

Österreich: Brotweizenmarkt springt nicht an - Lebenszeichen vom Maismarkt

Wien, 23. September 2022 (aiz.info). - Zahlreiche und im Gegensatz zueinanderstehende äußere und auch fundamentale Einflussfaktoren reißen die internationalen Getreide- und Ölsaatenmärkte hin und her. Allen voran überschatteten die Eskalation im Ukrainekrieg mit der Unsicherheit weiterer Getreidelieferungen aus dem Schwarzmeer-Raum und Dürre in wichtigen Anbauregionen etwa von Mais und anderen im Herbst zu erntenden Kulturen in den USA und der EU oder Weizen in Argentinien bearishe Faktoren wie die Krisenstimmung in der Weltwirtschaft oder angehobenen Prognosen für die Weizenernten etwa in Russland. In Österreich will der Brotweizenmarkt noch immer nicht anspringen, zeigt aber der Maismarkt einige Lebenszeichen.

Als Schocker der Woche schlugen Meldungen von einer Teilmobilmachung in Russland, atomaren Drohungen des Präsidenten Wladimir Putin und zunehmende Ungewissheit ein, ob dieser das vorerst befristete Abkommen über freie Fahrt für ukrainische Getreideexporte über das Schwarze Meer verlängern wolle. Gleichzeitig brüstet sich Russland mit Weizenernteschätzungen in Rekordhöhen von 100 Mio.t. Allerdings scheint man keine Silos mehr frei zu haben, komme mit dem Export nicht nach und wisse offensichtlich nicht mehr, wohin mit dem Weizenberg. So sieht auch der Internationale Getreiderat IGC zwar ein Anwachsen der weltweiten Weizenlager, mach dies aber hauptsächlich nur in Russland fest. Letztlich erreichten die Weizennotierungen an der CBoT in Chicago diese Woche etwa ein Zweimonate-Hoch. Bearishe Faktoren wie die Weizenprognose des IGC oder die Angst um Konjunktureinbrüche in der Weltwirtschaft nach den Zinserhöhungen in den USA schlugen sich gerade einmal auf die Ölsaatenmärkte nieder, blieben aber bei Weizen im Hintergrund - ebenso wie die schwachen Weizenexportdaten der USA.

In den USA leidet die Aussaat von Winterweizen indes an extremer Trockenheit in den südlichen Plains und Argentinien stöhnt unter dem Wetterphänomen La Nina. Dieses lässt Weizen und Mais verdorren, die Börse in Rosario senkte dieser Tage ihre Prognose für die anstehende Weizenernte Argentiniens um 1,2 Mio. t auf 16,5 Mio. t - um 6 Mio. t weniger als 2021/22.

Bei den Herbstfrüchten - von Mais über Sonnenblumen, Sojabohnen bis hin zu Erdäpfeln und Zuckerrüben - leiden in Europa und Nordamerika die Erträge unter der sommerlichen Hitze und Dürre. Mais erweist sich 2022/23 als die Mangelware, wir aber auch weniger verfüttert und könnte so den gut versorgten Weizenmarkt stützen. Bei den Sojabohnen machen aber global größere Anbauflächen und die Erholung des Ertragspotenzials in Brasilien und Paraguay Aussichten auf einen Produktionszuwachs.

Österreich: Brotweizenmarkt springt nicht an

Der österreichische Brotweizenmarkt will noch immer nicht anspringen. Wie es aus Branchenkreisen heißt, zeigten sich heimische Mühlen nunmehr auch kurzfristig gedeckt und hielten sich nicht nur bei Abschlüssen für spätere Termine zurück. Auch italienische Verarbeiter würden noch nicht anbeißen, wiewohl dies bis jetzt noch saisontypisch gewesen sei, für gewöhnlich aber nunmehr ein Schwung einsetzen sollte. Trotz Interesses an dem bei den Nachbarn heuer rarer angefallenen Aufmischweizen komme auch kaum Geschäft mit deutschen Mühlen zustande. Vor allem die Logistikkosten ließen Anbieter und Abnehmer beim Preis nicht zusammenkommen. Somit blieb diese Woche das Wiener Kursblatt bei Premium- und Qualitätsweizen leer, und notierten Mahlweizen und Durum unverändert. Während der Mahlweizen an der Euronext in Paris zur Lieferung im Dezember am Donnerstag dieser Woche mit einem Wochenplus von 17 Euro zum vorigen Donnerstag bei 349,25 Euro/t schloss, notierte der mit höheren Qualitätsparametern definierte heimische Mahlweizen am Mittwoch an der Wiener Produktenbörse ab Station bei 350 Euro/t im Mittel des Preisbandes.

Maismarkt zeigt Lebenszeichen - Nassmais gefragt - Kuriosum um Sonnenblumen

Etwas mehr Leben sei im Maismarkt. Während die vergleichsweise hohen Preisgebote der Nassmaisverarbeiter - in der Kalenderwoche 38 Netto-Erzeugerpreise bei 30% Feuchtigkeit frei jeweiligem Werk zwischen 213 und 233 Euro/t - einander annäherten, tätigten auch Anbieter aus Regionen mit besserem Ertragsniveau oder betriebseigener Bioenergie für die Trocknung Geschäfte mit Körnermais. Futtermais notierte am Mittwoch in Wien mit 336,50 Euro/t. In den meisten Fällen aber deckten die Preisgebote für Körnermais den Energieaufwand für die Trocknung nicht. Zudem heißt es, liege in Italien ausreichend Mais in den Seehäfen und kämen Importe nach Österreich auf dem Landweg - zur Freude der Verarbeiter und zum Ärgernis heimischer Anbieter - sehr günstig an.

Sonderbar zeigt sich der Sonnenblumenmarkt. Die Wiener Produktenbörse notierte die Kerne diese Woche ab Station höher als sie etwa Verarbeiter CPT Olomouc quotierten. Eine Erklärung könnte eine spezifische Marktlage im östlichen Trockengebiet mit speziell schlechter Ertragslage sein.
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