Getreide: Hitze und Dürre sowie Verwirrung um Schwarzmeer-Export bestimmen

Der Transport gilt auch hierzulande als Flaschenhals

Wien, 29. Juli 2022 (aiz.info). - Hitze und Dürre, die Europa und die USA auch im August weiter heimsuchen und die Ernten von Mais, Sojabohnen und Sonnenblumen schmälern sollen, sowie ein - noch- enden wollendes Vertrauen in das am vorigen Freitag unterzeichnete Abkommen zur Öffnung sicherer Seewege über das Schwarze Meer zur Wiederaufnahme der Getreideexporte aus der Ukraine bestimmten diese Woche das Geschehen. Mit abwechselnd wachsenden und dann wiederum schwindenden Hoffnungen auf baldige Lieferungen aus der Ukraine ging es mit den internationalen Notierungen von Weizen wild auf und ab, im Wochenabstand unter dem Strich aber deutlich nach oben - ebenso auch mit Sojabohnen und Mais. 

Während die Ertragsprognosen für Mais und Sojabohnen in der Hitze stetig dahinschmelzen, steigen deren Preise. So verschlechterte sich etwa die Bonitierung der französischen Maisbestände diese Woche neuerlich dramatisch. Der Maiskontrakt an der Pariser Euronext alter Ernte zur Lieferung im August schnellte seit Handelsschluss am vorigen Freitag bis am Freitagmittag dieser Woche um 9,3% auf 353,00 Euro/t in die Höhe und der Future auf die neue Ernte zum November-Termin um 8,7% auf 328,25 Euro/t. Sojabohnen an der CBoT in Chicago fuhren den höchsten Wochengewinn in diesem Jahr ein, und auch der Pariser August-Raps legte im Wochenabstand um 10,5% zu und knackte wiederum die 700 Euro-Marke.

Vertrauen in Abkommen zu Wiedereröffnung von Ukraine-Export noch enden wollend

Von der Exportfront in der Ukraine kamen praktisch täglich widersprüchliche Meldungen - so zum einen vom Beschuss ukrainischer Hafenanlagen mit russischen Raketen und zum anderen die ersten Schiffe seien schon beladen und liefen vielleicht sogar schon am Freitag dieser Woche aus. Als unsicher wird in der Folge eingestuft, ob jene seit Kriegsausbruch in ukrainischen Häfen festsitzenden Schiffe, die nun möglicherweise mit Getreide für den Weltmarkt auslaufen könnten, auch wieder zurückkehren würden, um neue Fracht aufzunehmen. An den von UNO und Türkei zwischen Russland und der Ukraine vermittelten Abkommen seien noch wichtige Details zu verhandeln, ehe es losgehen könne, oder es seien noch keine sicheren, von Minen geräumte Seewege bestimmt, hieß es des Weiteren. Dazu kämen Schwierigkeiten, Schiffe und deren Besatzungen anzuheuern, die diese Gewässer zu befahren bereit sind. Somit ging es in einer Berg- und Talfahrt auch mit den Weizennotierungen diese Woche letztlich wieder hinauf, wobei sich der Trend schnell auch wieder umkehren könnte. Der September-Kontrakt an der Euronext gewann bis Freitagmittag zum Schlusskurs des Freitags der Vorwoche 5,8% auf 344,75 Euro/t und der zur Lieferung im Dezember 6,6% auf 333,25 Euro/t. 

Der Transport gilt auch hierzulande als Flaschenhals

Je weiter in der Zukunft und je weiter entfernt das Ziel, desto schwieriger sei es, den Transport von Getreide zu organisieren, heißt es auch vom heimischen Kassamarkt. Zu extremen Verteuerungen und knappen Kapazitäten komme aktuell noch Niederwasser als Hemmnis für die Binnenschifffahrt hinzu. Damit hemmt der Transport als Flaschenhals den Handel mit Getreide, Mais und Ölsaaten nicht nur im Inland, sondern auch in Richtung Ausland, wie Italien, sowie im Import, wie aus Ungarn oder der Ukraine.

Weizenmarkt nimmt sich Auszeit zur Sichtung und Sortierung der Ernte

Beim Brotgetreide komme hinzu, dass die Mühlen für die Sommermonate keinen größeren Bedarf mehr offen hätten und man sich bei den Lagerhaltern nun Zeit nehme, die Ernte zu sichten und zu sortieren. So beschränkt sich das Geschäft derzeit auf Kleinmengen für prompte Lieferung, während man mit dem Abschluss größerer Partien noch zuwartet. Denn es heißt, der Weizendrusch bringe heuer zwar im Durchschnitt mehr Erträge als im Vorjahr und generell weniger Protein, falle aber regional - je nach Bodenbonität und Niederschlagsverteilung - stark differenziert aus. Aus Niederösterreich werden sehr gute Hektolitergewichte beim Weizen berichtet. 

Generell zeigt sich die Landwirtschaftskammer in Niederösterreich mit den Ergebnissen von Wintergerste, im Herbst angebauter Sommerbraugerste, Winterroggen und insbesondere aber mit Durum zufrieden. Enttäuscht hätten im Frühjahr angebaute Braugerste und in Summe bei recht unterschiedlichen Ergebnissen Raps.

Verzögerung von Lieferungen aus Ungarn

Das Niederwasser auf der Donau und die Verzögerung der Ausstellung von Exportbewilligungen durch ungarische Behörden wegen befürchteter Ernteausfälle bei Mais führte in Österreich zu Nachfrage von Verarbeitern nach lokal verfügbaren Mais-Restmengen. Dementsprechend zogen an der Wiener Produktenbörse die Maisnotierungen an. Die Exportrestriktionen Ungarns mit Bewilligungsverfahren für Verbringungen am EU-Binnenmarkt und Vorkaufsrechten für den Staat werden übrigens von der EU-Kommission in einem Vertragsverletzungsverfahren unter die Lupe genommen. Ein Ausgang eines solchen Verfahrens ist aber so bald nicht zu erwarten.

Abgabe-Zurückhaltung aufgrund unsicherer Angebotsmengen von Raps bis Sonnenblumen hemmt auch den Ölsaatenmarkt und die Verarbeitungstätigkeit. (Schluss) pos 
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