Getreide, Mais und Ölsaaten international schwächer - Preissprung in Österreich

Starke Italiennachfrage nach heimischem Weizen - Wenig Mais aus Mittel-Osteuropa

Wien, 10. September 2021 (aiz.info). - Während die internationalen Weizen- und Maismärkte sowie Sojabohnen und Raps diese Woche nachgaben, machten die österreichischen Kassamarktnotierungen an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche einen kräftigen Sprung nach oben. Allerdings behindern knappe Transportkapazitäten die Bedienung reger Nachfrage nach Aufmischweizen aus Italien. Nachdem sich immer deutlicher abzeichnet, dass Österreich mit der Qualität seiner Weizenernte im weiteren Umfeld ziemlich allein dasteht, sieht man gute Vermarktungschancen. Kommende Woche soll zudem die Nassmaiskampagne starten.

An den US-Börsen drückten verbesserte Aussichten für die beginnenden Herbsternten, über Erwarten liegende Lagerbestände in Kanada, anhaltende Behinderungen von Exporten durch die von Hurrikan Ida an Getreideterminals am Golf von Mexiko angerichteten Schäden, Sorge um eine sich abschwächende Importnachfrage Chinas nach Futtermitteln sowie ein starker Dollar die Kurse. Vor allem Mais und Sojabohnen gaben nach, aber auch Weizen und Canola-Raps schwächten sich schließlich ab. In Europa bestimmten Qualitätsprobleme beim Weizen in Frankreich, das Sortieren der Ernte sowie starke Exportnachfrage das Geschehen. Von der Veröffentlichung des monatlichen WASDE-Reports des US-Landwirtschaftsministeriums am Freitagabend erwarteten sich die Märkte neue Orientierung.

Der meistgehandelte Weizenfuture an der Euronext in Paris notierte am Freitagmittag bei 238,50 Euro/t, der auf Mais zur Lieferung im November bei 212,50 Euro/t und jener des November-Kontrakts von Raps bei 570,25 Euro/t. Gegenüber den Schlusskursen vom vorigen Freitag, 3. September, ist das für den Weizen ein Verlust von 6 Euro/t, für den Mais von 4,50 Euro/t und den Raps von 1,50 Euro/t.

Laut neuesten Daten der Marktordnungsstelle FranceAgriMer kämen nur 30% der Weizenernte für die als Qualifikation zum Mahlweizen verlangten 76 kg Hektolitergewicht. Voriges Jahr hätten dies 98% erreicht. 67% des Weizens erreichten eine Fallzahl von 220 sec. und 51% die oftmals im Export verlangten 240 sec. sowie 74% mehr als 11,5% Protein.

Weichweizenexport der EU bleibt 2021/22 deutlich über Vorjahr

Der Weichweizenexport der EU-27 bleibt mit 4,66 Mio. t in den ersten zehn Wochen des Wirtschaftsjahres rege und deutlich über den 240.000 t Weizen aus der Ukraine und 60.000 t aus Russland zur Lieferung Ende Oktober bis Anfang November zu fob-Preisen zwischen umgerechnet 262,32 bis 267,61 Euro/t. Ägypten war mit einem Einfuhrbedarf von rund 13 Mio. t 2020/21 größter Importeur von Weizen auf der Welt. Saudi-Arabien wollte am Freitag einen Tender über rund 360.000 t Weizen schließen, wobei man Ware mit mehr als 12,5% Protein verlangt, aber offensichtlich europäischen Exporteuren mit einem Mindest-Hektolitergewicht von 76 kg entgegenkommen will. Algerien bleibt mit einem Anteil von fast 15% an den bisher 2021/22 getätigten Weichweizenausfuhren der EU deren größter Abnehmer. Neben Frankreich sollen dabei heuer auch massiv Anbieter aus Deutschland bis hin zum Baltikum zum Zug kommen.

Österreich exportiert fast 30% seiner Weichweizenernte nach Italien

Allerdings zeigen sich Frankreichs Exportkunden beim geforderten Hektolitergewicht - dieses bestimmt weniger die Qualität, sondern praktisch die bei der Vermahlung gewinnbare Mehlmenge - flexibel und ordern fleißig. Frankreichs Drittlandexport von Weichweizen erreichte im August den höchsten Wert seit drei Jahren. Innerhalb der EU ist Italien ein wichtiger Abnehmer. Unser südlicher Nachbar muss, so Strategie Grains, 2021/22 allein aus der EU 3,92 Mio. t Weichweizen und 983.000 t aus Drittländern einführen. 908.000 t kaufe Italien demnach in Frankreich und 960.000 t in Ungarn. Um aus den insbesondere schwachen französischen Weizen mit rund 11% Protein entsprechende Mehlqualitäten herstellen zu können, kauft Italien sogenannte Aufmischweizen mit 14 oder 16% und mehr Protein, wie sie Österreich anbietet. Dabei schätzt die Analyse aus der Ernte 2021 Lieferungen von 408.000 t Weichweizen nach Italien, das entspricht fast 30% der gesamten Weichweizenproduktion Österreichs.

Wiener Notierungen von Brotgetreide machen starken Sprung nach oben

An der Wiener Produktenbörse legte Premiumweizen am Mittwoch dieser Woche im Schnitt des Preisbandes um 14 Euro/t zu, wobei die Oberkante um 28 Euro auf 298 Euro/t emporschnellte. Mit Abstand und etwas weniger heftig folgten Qualitätsweizen mit plus 7,50 Euro auf 252 bis 262 Euro/t, Mahlweizen mit einem Sprung von 8,50 Euro zur Letztnotierung Mitte August auf 242 bis 250 Euro/t sowie Mahlroggen, der gegenüber 25. August um 11 Euro auf 215 bis 237 Euro/t anstieg. Heimischer Mahlroggen und Durum würden jedoch knapp angeboten, und inländische Mühlen seien für die vorderen Termine mit Brotgetreide bereits gedeckt.

Akontozahlungen mit Ausnahme von Braugerste deutlich über denen für Ernte 2020

Auch Landwirte-Akontopreise lägen heuer - mit Ausnahme von Braugerste, die rund 10 Euro/t weniger bringt - deutlich über Vorjahresniveau. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich erhob in ihrem Einzugsgebiet bei Lagerhäusern in privaten Händlern Netto-Akontopreise pro Tonne von 175 bis 196 Euro für Premiumweizen, 160 bis 180 Euro für Qualitätsweizen, 145 bis 173 Euro für Mahlweizen, 125 bis 145 Euro für Futterweizen, bei Durum 250 bis 254 Euro und Mahlroggen 125 bis 168 Euro. Sommerbraugerste wurde demnach den Landwirten mit 140 bis 180 Euro/t angezahlt, Winterbraugerste mit 125 bis 160 Euro, Futtergerste mit 115 bis 135 Euro sowie Raps mit 425 bis 463 Euro. Die höheren Preise würden für Vertragsware bezahlt werden.

Hohe Durumpreise in ganz Europa

Durumimporte aus der EU CPT Burgenland mit 420 Euro/t ließen angesichts der Qualitätsprobleme in Europa und der Ernteausfälle beim wichtigen überseeischen Exporteur Kanada ein entsprechendes Preisniveau für zurzeit wenig angebotene und nicht notierte inländische Ware erwarten. An der Warenbörse in Bologna notiert Hartweizen mit mindestens 13% Protein, prompt angeliefert in die Region Emilia-Romagna, aktuell bei bis zu 480 Euro/t. Die EU-Kommission erhob in ihrem Wochenreport der Weltmarktpreise zum Stichtag 8. September einen Exportpreis für kanadischen Durum (Canada Western Amber Durum) fob St. Lorenz-Strom von umgerechnet 495 Euro/t.

Vor Start der Nassmaiskampagne - Mais in Ost-Mitteleuropa knapp - Erste Landwirtepreise

Vor der Nassmais-Kampagne sei noch etwas alterntiger Futtermais gehandelt worden. Einfuhren von Industriemais der Ernte 2020 FCA Wien wurden mit 247 Euro/t bewertet. Neuerntiger werde erst vorsichtig angeboten und wurde mit 216 Euro/t niedriger als zuletzt jener aus der Ernte 2020 notiert. Die Rohstoffversorgung der industriellen Maisverarbeiter sei heuer spannend, weil Ungarn und Kroatien weniger zu exportieren hätten. Ungarns Exportpotenzial von Körnermais soll 2021/22 laut der französischen Analyse Strategie Grains gegenüber dem Vorjahr von 3,56 auf 2,37 Mio. t sinken, das Kroatiens von 1,13 Mio. t auf 1,00 Mio. t und jenes der Slowakei von 629.000 t auf 556.000 t. Ebenso sollen Slowenien und Tschechien weniger Mais auszuführen haben. Die Wettbewerbsfähigkeit weiter entfernter Herkünfte wie Polen leidet unter den aktuell sehr hohen Transportkosten sowie unter den begrenzten Kapazitäten.

Wie in Branchenkreisen zu erfahren ist, soll der heimische Nassmaisverarabeiter Jungbunzlauer am 16. September im niederösterreichischen Pernhofen die Kampagne zur Produktion von Zitronensäure starten, vom Stärkeproduzenten Agrana ist noch nichts bekannt. Jungbunzlauer soll demnach Landwirten für Frühlieferungen in der ersten Kampagnenwoche netto und auf Basis von 14% Feuchtigkeit 183 Euro/t (144 Euro bei 30% Feuchtigkeit) bieten, in der Woche darauf dann 173 Euro/t (136 Euro/t) und danach Preise entsprechend der Marktentwicklung. (Schluss) pos

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