Getreide-Rallye nach Tauwetter zwischen USA und China sowie Winterstürmen in USA

Die Bärenstimmung an den Getreide-Terminbörsen nach den über Erwarten hoch ausgefallenen Lagerstandsprognosen des US-Landwirtschaftsministeriums in seinem monatlichen WASDE-Bericht vom vorigen Donnerstag blieb tatsächlich nur eine Eintagsfliege. Am Freitag verkündete US-Präsident Donald Trump Tauwetter im Handelskonflikt der USA mit China. Man habe sich in wichtigen Teilen wie Schutz des geistigen Eigentums, US-Zugang zu Chinas Märkten insbesondere für Agrargüter, chinesische Staatshilfen, Währungspolitik und das künftige Schicksal von US-Strafzöllen auf Güter aus China im Wert von 360 Mrd. US-Dollar (326 Mrd. Euro) prinzipiell verständigt. Gleichzeitig fegten über die USA und Kanada in den letzten Tagen Winterstürme, die noch auf den Feldern stehende Weizen-, Mais und Sojabestände trafen. Damit scheint die ohnehin von Marktteilnehmern bezweifelte Lagerstandsprognose des USDA definitiv nicht mehr haltbar zu sein. Beides startete am Freitag eine Rallye der Weizen-, Mais und Sojanotierungen an den Terminbörsen in den USA und in Paris. Diese machte die Vortagsverluste mehr als wett. Am Montagmittag setzten leichte Korrekturen ein.

Weizen-, Mais und Sojanotierungen machen Verluste nach WASDE-Bericht mehr als wett

Wien, 14. Oktober 2019 (aiz.info). - Die Bärenstimmung an den Getreide-Terminbörsen nach den über Erwarten hoch ausgefallenen Lagerstandsprognosen des US-Landwirtschaftsministeriums in seinem monatlichen WASDE-Bericht vom vorigen Donnerstag blieb tatsächlich nur eine Eintagsfliege. Am Freitag verkündete US-Präsident Donald Trump Tauwetter im Handelskonflikt der USA mit China. Man habe sich in wichtigen Teilen wie Schutz des geistigen Eigentums, US-Zugang zu Chinas Märkten insbesondere für Agrargüter, chinesische Staatshilfen, Währungspolitik und das künftige Schicksal von US-Strafzöllen auf Güter aus China im Wert von 360 Mrd. US-Dollar (326 Mrd. Euro) prinzipiell verständigt. Gleichzeitig fegten über die USA und Kanada in den letzten Tagen Winterstürme, die noch auf den Feldern stehende Weizen-, Mais und Sojabestände trafen. Damit scheint die ohnehin von Marktteilnehmern bezweifelte Lagerstandsprognose des USDA definitiv nicht mehr haltbar zu sein. Beides startete am Freitag eine Rallye der Weizen-, Mais und Sojanotierungen an den Terminbörsen in den USA und in Paris. Diese machte die Vortagsverluste mehr als wett. Am Montagmittag setzten leichte Korrekturen ein.

Nachdem zuvor schon die Hartweizenpreise an den Kassamärkten wegen des Wintereinbruchs in Kanada sprunghaft in die Höhe geschnellt waren, wurden nun am Wochenende auch in den beiden Dakotas - den Hauptanbaugebieten der proteinreichen US-Sommerweizen - sowie in Minnesota und Iowa - den Zentren des Maisbelts, aber auch Sojaanbaus - Blizzards und Frost erwartet. Damit führte die Rallye an der CBoT in Chicago die Maisnotierung auf den höchsten Stand seit 12. August, die von Weizen auf jenen seit 25. Juli und die von Sojabohnen auf die Höchstmarke seit Verhängung der chinesischen Strafzölle auf US-Sojabohnen im Juli 2018. Der Weizenfuture an der Euronext in Paris folgte auf ein seit 31. Juli nicht gesehenes Hoch. Der Kontrakt zur Lieferung im Dezember legte am Freitag um 3 Euro/t auf 180 Euro/t zu, nachdem er zuvor am Donnerstag noch 1,75 Euro/t verloren hat.

Märkte noch vorsichtig abwartend zu Handelsdeal - Fundamentaldaten bieten sichereres Bild

Marktbeteiligte in den USA bleiben aber noch abwartend vorsichtig in der Beurteilung des Tauwetters im Handelskonflikt mit China. Es seien noch keine Details des Deals bekannt und dieser umfasse nur Teile der Streitpunkte, Brisantes bleibe noch offen - und zu oft schon habe die Stimmung des US-Präsidenten unvermittelt umgeschlagen. Andererseits habe Trump im Vorwahlkampf vitales Interesse, seine durch den Handelskonflikt schwer vergrämte Stammwählerschaft der Farmer wieder hinter sich zu bringen. Auf Seite der Fundamentaldaten verunsichert in Europa, dass der Euro wieder leicht, auf über 1,10 US-Dollar, befestigt hat. Die Einbußen bei den US-Maiserträgen seien laut Marktteilnehmern jedoch nicht mehr wegzudiskutieren und ein geringeres Angebot in Verbindung mit höheren Preisen könnte in der Folge den Weizen stützen. Lasse man die kaum für den Welthandel relevanten Getreidelager Chinas außer Acht, seien die Angebote von Weizen und Mais ohnehin eher knapp, hieß es zudem. Und während in Nordamerika der Winter wütet, erreichten jüngste Regenfälle in Argentinien nicht die von Dürre geplagten Weizenanbaugebiete.

China soll USA Agrargüter um bis zu 50 Mrd. Dollar abkaufen

Der für Trump und seine Farmer wichtige Agrardeal soll Agenturmeldungen zufolge die Zusage der Chinesen enthalten, den USA Agrargüter im Wert von 40 bis 50 Mrd. US-Dollar (36 bis 45 Mrd. Euro) abzukaufen, so der US-Präsident, ohne aber den Zeitraum zu nennen, in dem dieser Wert erreicht werden solle. Im Gegenzug wollten die USA auf die im Dezember erfolgende Erhöhung von Strafzöllen von 25 auf 30% für Lieferungen von Elektronik- und Konsumwaren aus China im Wert von jährlich 250 Mrd. US-Dollar (226 Mrd. Euro) verzichten. Steigere China seine Agrarimporte aus den USA tatsächlich auf die avisierten 40 bis 50 Mrd. US-Dollar, wäre das ein substanzieller Zuwachs für die Branche in den USA. 2017, vor Ausbruch des Handelskrieges, führten sie nämlich Agrarwaren im Wert von nur 24 Mrd. US-Dollar (22 Mrd. Euro) ins Reich der Mitte aus.

Zeichen des Entgegenkommens? China kürzt Weizenmenge mit Garantiepreis

Einen Tag nach der Verkündung des Deals mit den USA veröffentlichte China möglicherweise als weiteres Zeichen des Entgegenkommens die garantierten Weizen-Mindestpreise im Jahr 2020. Diese liegen zwar mit 2.240 Yuan/t (316,08 US-Dollar oder 286,23 Euro) auf demselben Niveau wie 2019, werden aber erstmalig ab 2020 im Falle, dass die Marktpreise darunter fallen, nur mehr für den staatlichen Ankauf beschränkter Höchstmengen angewendet. 2020 soll das für maximal 37 Mio. t Weizen zutreffen. Zum Vergleich: 2018 erntete China 131 Mio. t Weizen.

Die bisher gepflogene großzügige staatliche Garantie für Weizenpreise von aktuell mehr als dem Eineinhalbfachen etwa der Pariser Weizennotierung führte in China zur Anhäufung riesiger staatlicher Lagerbestände von Weizen oftmals schlechter Qualität. Der aktuelle WASDE-Bericht prognostiziert die Weizenendbestände im Reich der Mitte nach dem Wirtschaftsjahr 2019/20 mit 145,67 Mio. t. Das sind 50,6% der weltweiten Weizenreserven.

Die USA hatten die Stützungspolitik Pekings für seine Weizen- und Reisbauer als "zu exzessiv" kritisiert und bekamen im Februar auch von der Welthandelsorganisation WTO Recht für eine Beschwerde. (Schluss) pos

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