Getreide und Ölsaaten: Nervöse Wettermärkte in steilem Auf und Ab der Preise

Österreich von Hochschaubahn unberührt - Knappes Angebot und starke Nachfrage diktieren

Wien, 2. Juni 2021 (aiz.info). - Hitze und Trockenheit, die im Sommerweizen- und teilweise Maisgürtel der USA sowie in der mit Canola-Raps bestellten kanadischen Prärie nun eine Kältewelle ablösen sollen sowie etwa die von privaten Analysten um weitere 5 Mio. t auf nur mehr 73 Mio. t nach unten revidierten Prognosen für die zweite Maisernte Brasiliens gaben den Wettermärkten in der ersten Wochenhälfte frischen Antrieb. Die ständige Hochschaubahn der internationalen Terminmärkte führte damit wieder einmal steil bergauf. Die starken Preisausschläge der Wettermärkte - sowohl nach oben als auch nach unten hin - als Reaktion auf jeden noch so kleinen Wetterumschwung führen manche Bobachter auf eine Nervosität zurück, die aus einem sehr fragilen Gleichgewicht zwischen überschüssigen und defizitären Versorgungsbilanzen erwachse. Unbeeindruckt von diesen Auf- und vor allem Abwärtsbewegungen der Terminmärkte zeige sich der Kassamarkt in Österreich, so die Einschätzung von Marktbeteiligten im Vorfeld der Notierungssitzung der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche. So heißt es, Abgeber, die noch über etwas Rohstoff aus alter Ernte verfügten und die in Verkaufsgesprächen mit dem Argument gesunkener internationaler Preise konfrontiert würden, zögen sich sofort zurück im Wissen, dass Abnehmer am nächsten Tag ohnehin schon wieder vor der Türe stünden und jegliche Forderungen akzeptieren müssten.

Denn, so rumort es weiter: Mühlen hätten noch beträchtlichen Anschlussbedarf und zusätzlich habe das nasskalte Wetter dieses Frühjahrs die neue Ernte noch verzögert. Dazu komme frische Nachfrage der Mischfutterindustrie - und zwar nach allem Getreide von Gerste über Roggen bis Weizen mit höheren Proteinwerten, weil Soja so teuer sei und der Markt auch kein frühes Futtergetreide neuer Ernte zu erwarten habe. Zu alledem beschränke sich die Nachfrage der Mischfutterwerke nicht nur auf Österreich, sondern komme auch aus Deutschland. Auf der anderen Seite müsse Roggen, den Verarbeiter vor dem Jahreswechsel noch als beliebig und im Überfluss zu niedrigsten Preisen verfügbar gewähnt hätten, mittlerweile importiert werden und überflügelten Preise, die für Futterroggen bezahlt werden müssen, sogar die zuletzt explodierten von Mahlroggen. Aus der Erfahrung der vergangenen Wochen haftet diesen vor dem Börsetag geäußerten Markteinschätzungen aber eine gewisse Unsicherheit an, ob sie dann letztlich in dieser Form auch ihren Ausdruck in den Preisanträgen und den Notierungen am Kursblatt finden werden.

Insbesondere der Roggenmarkt, aber auch die extremen Aufpreise vertrags- und gentechnikfreier Soja zeigten laut Marktexperten weiters, wie wichtig es sei, sich rechtzeitig um eine gesicherte Rohstoffversorgung wie zum Beispiel im Rahmen einer Vertragsproduktion umzusehen.

Internationale Terminbörsen mit dem Wetter im Auf und Ab

Mit den wechselnden Wetterberichten, der Eintrübung oder Aufhellung der Ertragshoffnungen in die Ernten 2021/22, ging es in den letzten Tagen mit den internationalen Terminbörsen hochschaubahnartig steil bergab und zuletzt auch wieder bergauf. Die Rapsnotierung an der Euronext zum Beispiel verzeichnete wiederholte Male zweistellige Tagesgewinne wie auch Verluste - zuletzt verhalf ihr auf Frost folgende Hitze und Trockenheit in den kanadischen Prärien am Dienstag zu einem Sprung von 16,75 Euro/t nach oben.

Am Mittwochmittag verzeichneten alle drei wichtigen Agrarfutures an der Euronext in Paris grüne Vorzeichen. Weizen zur Lieferung im September hielt bei 220,25 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 28. Mai: 211,25 Euro/t) und der Dezember-Termin bei 218,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 28. Mai: 209,75 Euro/t). Der Juni-Maiskontrakt notierte bei 269,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 28. Mai: 267,75 Euro/t) und der für die neue Ernte relevante November bei 210,00 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 28. Mai: 202,00 Euro/t). Raps neuer Ernte zur Lieferung im August lag am Mittwochmittag mit einem deutlichen Zugewinn von 7,25 Euro bei 539,25 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 28. Mai: 519,75 Euro/t). Die Rapsnotierungen späterer Liefertermine verhalten sich invers - sie sind schwächer als der Frontmonat.

Physische Märkte: Saudi-Arabien kauft hochwertigen Weizen

An den physischen Märkten befestigte zu Wochenbeginn ein Weizentender Saudi-Arabiens die Weizenkurse an der Euronext in Paris. Der staatliche Getreideaufkäufer SAGO hatte zwar 720.000 t Weizen mit mindestens 12,5% Protein zum Kauf ausgeschrieben und nur 562.000 t zugeschlagen, aber europäische Exporteure - insbesondere aus dem Baltikum - würden sich einen ordentlichen Happen von diesem Kuchen versprechen. Die wohlhabenden Saudis kaufen am Weltmarkt regelmäßig Weizen mit höheren Proteingehalten als ärmere Nationen wie Ägypten. Lieferanten dieser Weizenqualität finden sich in der EU in Deutschland oder eben dem Baltikum, aber auch in Argentinien, Australien, den USA und in Russland. Agenturen kolportierten für die neun zwischen August und September erwarteten Weizenlieferungen an Saudi-Arabien Preise c&f (cost and freight, Warenwert und Transport) von durchschnittlich 299,55 USD/t (gut 245 Euro/t). Dieser Preis liegt um 11,4% über dem niedrigsten, den SAGO für den letzten Weizenkauf von 295.000 t im April zu zahlen hatte. Algerien schlug dieser Tage eine namhafte Menge Hartweizen zu. Der zwischenzeitliche Durchhänger der Weizenpreise lockte zuletzt überhaupt wieder mehr Importeure aus ihrer Deckung hervor, wovon auch die Anbieter aus den USA profitierten.

Soja- und Sojaschrotexporten Argentiniens drohen nach der Beendigung von Streiks der Hafenarbeiter nunmehr durch Niederwasser am Paraná, dem wichtigsten Zubringer zu den Exporthäfen, Verzögerungen. Australien dagegen erwarte im kommenden Winter - so nicht noch Dürre oder aktuell berichteter Mäusefraß einen Strich durch die Rechnung machen - aufgrund der Ausweitung der Anbaufläche um 3% eine knapp unter dem bisherigen Rekord liegende Weichweizenernte von knapp 29 Mio. t.

Weltmarkt erwartet ab Juni Russland zurück - Ernte 2021 kleiner als 2020

Russland, weltgrößter Weizenexporteur, um dessen Ausfuhren es zuletzt aber wegen der restriktiven Exportzollpolitik ruhig geworden war, wird ab Juni wieder mit aggressiven Preisangeboten am Weltmarkt zurückerwartet. Sind nämlich in den letzten Monaten auf Weizenausfuhren aus Russland nahezu prohibitive Exportzölle von 50 Euro/t zu entrichten gewesen, hebt Moskau seit dem heutigen 2. Juni flexible Exportsteuern ein, die in Ableitung von den aktuellen Weltmarktpreisen auf rund halber Höhe des bisherigen erwartet werden.

Zudem wolle die Regierung in Moskau angeblich relativ hohe, als Folge der Exportbeschränkungen und einer sehr guten Ernte 2020 angehäufte Lagerbestände von Weizen für die staatliche Intervention aufkaufen. Mehrere Prognosen sagen den russischen Landwirten voraus, heuer nicht die knapp 86 Mio. t Weizenertrag des Vorjahres, sondern nur zwischen 73 und gut 80 Mio. t einfahren zu können. (Schluss) pos

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