Getreide- und Ölsaatenmärkte fahren ohne nachhaltige Richtung Wochenverluste ein

Österreich: Maispreise steigen besonders stark - Neuerntiger Raps über 500 Euro/t

Wien, 21. Mai 2021 (aiz.info). - Praktisch täglich Meldungen von Verkäufen von Mais aus den USA an China in der Größenordnung von Millionen Tonnen sowie die verdörrte zweite Maisernte Brasiliens oder streikende Docker in Argentiniens Exporthäfen auf der einen Seite und heiß ersehnte Regenfälle mit steigenden Ernteerwartungen der Nordhalbkugel auf der anderen Seite ließen diese Woche die Kurse von Weizen, Mais und Ölsaaten an den Terminbörsen dies- und jenseits des Atlantiks eine Hochschaubahnfahrt hinlegen. Unter dem Strich blieb ein Minus zur Vorwoche, wobei sich Mais noch relativ am besten hielt und sowohl an den Terminmärkten als auch im physischen Handel - so auch hierzulande - teurer als Weizen blieb.

Der als Orientierungshilfe herbeigesehnte WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums von voriger Woche mit den ersten weltweiten Bilanzschätzungen für 2021/22 konnte den Märkten offensichtlich auch keine eindeutige Richtung weisen. Marktteilnehmer sprechen etwa trotz einer prognostizierten Erholung der Weizenproduktion in der EU gegenüber dem schwachen Vorjahr auch in der kommenden Saison 2021/22 von einer engen Versorgungsbilanz. Sie verweisen auch darauf, dass die prognostizierten üppigen Ernten 2021/22 noch lange nicht eingefahren seien und noch viel passieren könne. So rumore es etwa, dass in Zentralrussland Trockenheit die Erträge schmälere. Am österreichischen Kassamarkt stiegen die Preise, die für die noch verbliebenen knappen Reste der Ernte 2020 zu bezahlen sind, weiter. Neben Brotgetreide, das auch nur mehr in Kleinmengen zur Deckung des Anschlussbedarfs an die relativ nah bevorstehende Ernte nachgefragt wird, trifft dies vor allem aber auf den Mais zu.

Österreich: Maispreise steigen besonders stark - Neuerntiger Raps über 500 Euro/t

Denn: Bis der Mais im Herbst gedroschen wird, ist noch ein längerer Zeitraum zu überbrücken als etwa beim Weizen, während aber industrielle Verarbeiter dem Vernehmen nach noch größere Versorgungslücken zu schließen hätten. Da, so Beobachter, der Markt hierzulande und auch im näherliegenden Ausland schon weitgehend ausverkauft und dieser Rohstoff nur mehr aus weiter entfernten Herkünften zu bekommen sei, stiegen die Maispreise derart stark an.

Somit zogen am Mittwoch dieser Woche die Brotweizen- und -roggennotierungen an der Wiener Produktenbörse neuerlich etwas an, die von Futtermais inländischer Erzeugung und aus dem EU-Ausland aber noch viel stärker, wobei für Futtermais ab Station mit 245 Euro/t schon um 15 Euro/t mehr zu bezahlen ist als für Premiumweizen mit durchschnittlich 230 Euro/t. Mit den allgemein hohen Futtermittelpreisen notierten auch Lieferungen von Gerste neuer Ernte 2021 im Zeitraum August und September CPT Niederösterreich mit 185 Euro/t ungewöhnlich hoch.

Brotgetreide aus inländischem Anbau werde nur mehr fallweise angeboten, die darüber hinausgehende Nachfrage müsse im Ausland gedeckt werden. Wie die Wiener Produktenbörse berichtet, seien Ölsaaten in der abgelaufenen Woche am regionalen Kassamarkt kein Thema gewesen. Anbieter verweisen demnach auf eine unsichere Ertragslage als Folge des nassen Herbstes und trockenen Frühjahrs. Es werde auch berichtet, dass einige Flächen aufgrund heftigen Schädlingsbefalls umgebrochen worden wären. Die Quotierungen von Ölmühlen im umliegenden Ausland für Rapslieferungen aus der neuen Ernte 2021 zogen im Wochenabstand weiter an und liefen bei deutlich über 500 bis sogar mehr als 540 Euro/t.

Markt bestraft Versäumnisse bei Bedarfsdeckung von GVO-freiem Soja mit extremen Preisen

Etwas Entspannung gab es weltmarktbedingt bei den Notierungen von Sojaschrotimporten, wohingegen GVO-freier inländischer Sojaschrot gegenüber seiner letzten Notierung von Ende März einen Sprung um 105 Euro auf 700 Euro/t nach oben machte und um rund 300 Euro/t teurer ausgewiesen wird als vergleichbare Importe aus GVO-Anbau. Auch im Zusammenhang mit der laufenden Debatte um eine GVO-freie Sojafütterung als möglicherweise künftige AMA-Gütesiegel-Auflage und die Abgeltung der Mehrkosten dafür verweisen Brancheninsider darauf, dass es sich bei diesen extremen Aufpreisen von GVO-freiem Soja wohl quasi um "Strafzahlungen des Marktes" für Aufkäufer handle, die sich nicht rechtzeitig um eine gesicherte Rohstoffversorgung umgesehen hätten. Diese Laune des Marktes beweise eindeutig die Sinnhaftigkeit einer Vertragsproduktion. Diese ermögliche den Verarbeitern eine gesicherte Versorgung mit Rohstoff zu kalkulierbaren Preisen und sichere den Produzenten den Absatz sowie vernünftige Erlöse.

Internationale Terminbörsen nach Auf und Ab mit Wochenverlusten

Am Freitagmittag verzeichneten alle drei wichtigen Agrarfutures an der Euronext in Paris nach einem teilweise heftigen Auf und Ab im Wochenverlauf rote Vorzeichen. Weizen zur Lieferung im September hielt bei 212,00 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 14. Mai: 218,00 Euro/t) und der Dezember-Termin bei 210,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 14. Mai: 217,75 Euro/t). Der Juni-Maiskontrakt notierte - als einziger Future mit einem Wochengewinn - bei 252,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 14. Mai: 251,00 Euro/t) und der für die neue Ernte relevante November bei 208,00 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 14. Mai: 213,75 Euro/t). Auch an der CBoT in Chicago konnte lediglich der Mais Wochengewinne einfahren. Raps neuer Ernte zur Lieferung im August lag am Freitagmittag bei 521,50 Euro/t (Schlusskurs voriger Freitag, 14. Mai: 547,75 Euro/t). Die Rapsnotierungen späterer Liefertermine verhalten sich invers - sie sind schwächer als der Frontmonat. (Schluss) pos

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