Getreide- und Ölsaatenmärkte gehen gut gestimmt in die Weihnachtsruhe

Märkte trauen Frieden aus US-China-Deal nicht so recht - Befestigung aber fundamental

Wien, 20. Dezember 2019 (aiz.info). - Die internationalen Märkte für Getreide, Mais und Ölsaaten trauen dem Deal zwischen den USA und China zur ersten Stufe der Beilegung ihres Handelskonflikts zwar noch nicht so recht, dennoch kam es aber diese Woche zu einer deutlichen Befestigung der Notierungen an den Terminbörsen quer durch alle Produkte. Im heimischen Handel sieht man die internationale Befestigung durchaus als nachhaltig an. Insgesamt zeigt man sich mit dem Vermarktungsfortschritt in der ersten Halbzeit der Saison 2019/20 zufrieden. Damit begebe sich der - zumindest inländische - Markt gut gestimmt in die Weihnachtsruhe.

Der März-Weizenkontrakt an der Euronext schloss am Donnerstag bei 186 Euro/t, Raps zur Lieferung im Februar 2020 mit 409,75 Euro/t sogar deutlich über der 400er-Marke. Am Freitagmittag hielt sich der März-Weizenkontrakt unverändert. Auch die Kassamärkte in der EU gelten dank des rapiden Exportfortschritts vor allem beim Weizen als fest. Europäische - dem Vernehmen nach auch österreichische - Händler arbeiteten zurzeit sogar an recht außergewöhnlichen Geschäften zum Export von Mais aus der mittel- osteuropäischen Überschussregion via Constanza in die Türkei, hieß es dieser Tage. Deutsche Händler wiederum beklagen, dass sich Lieferungen von Getreide aus der Bundesrepublik nach Italien mit dem Jahreswechsel um 10 bis 20% verteuerten, weil nur mehr neue, schadstoffarme Lkw die Transitstrecken durch Österreich benutzen dürften und auch alternative Transportlösungen wie die Bahn teurer würden.

In der Folge der internationalen Entwicklung stiegen am Mittwoch dieser Woche auch an der Wiener Produktenbörse die Notierungen der beiden Top-Brotweizensegmente Premium- und Qualitätsweizen wieder an - Premiumweizen auf 185 bis 192 Euro/t, Qualitätsweizen auf 178 bis 182 Euro/t. Insbesondere Qualitätsweizen setzte damit einen mehrwöchigen Aufwärtstrend fort. Mit dem hohen Anteil an Premiumweizen ist die zweite Qualitätsstufe recht knapp verfügbar und bei inländischen Mühlen gefragt. Der Durum-Preis bleibt mit 242 Euro/t heiß. Insgesamt aber würden vor Weihnachten keine großen Abschlüsse mehr getätigt. Handel und Logistik seien mit der Abwicklung bestehender Kontrakte ausgelastet. Mit der letzten Notierungssitzung in diesem Jahr geht es in die Weihnachtsruhe. Die Wiener Börse bleibt bis 6. Jänner geschlossen.

Märkte trauen dem Frieden nach US-China-Deal noch nicht so recht

Die Verkündigung des Phase-Eins-Deals als erster Schritt zur Beilegung des Handelskriegs zwischen den USA und China startete am Montag eine Rallye an den Terminbörsen in den USA und zog auch die Euronext in Paris mit. Postwendend streiften jedoch Investoren die binnen Tagesfrist erzielten Gewinne von bis zu mehreren Prozent wieder ein. Die Gewinnmitnahmen schickten die Kurse wieder auf Talfahrt. Vor allem aber trauten die Märkte dem Frieden zwischen USA und China nicht und tauchten bei näherem Hinsehen wie so oft Zweifel auf, ob das, was US-Präsident Donald Trump in der ersten Euphorie hinausposaunt, auch einem Faktencheck standhält: Nämlich, dass China tatsächlich binnen zwei Jahren seine Käufe von Agrargütern aus den USA von zurzeit einem Wert bei etwa 10 Mrd. USD (9 Mrd. Euro) auf jährlich 40 bis 50 Mrd. USD (36 bis 45 Mrd. Euro) hochfahren werde oder auch nur könne. Denn, so Skeptiker, etwa: Zu Spitzenzeiten vor dem Handelskrieg im den Jahren 2013 und 2014 hätten die Chinesen um 25 Mrd. USD (23 Mrd. Euro) bei amerikanischen Agrarexporteuren eingekauft, aber es hätten damals etwa Sojabohnen um ein Drittel mehr und Weizen sogar das Doppelte von zurzeit gekostet. Damit scheine alleine die dafür notwendige Menge an Lieferungen, den angepeilten Wert zu erreichen, unerreichbar. Zudem sei das Abkommen noch nicht unterschrieben, wolle China keine Details bestätigen und könnten solche bis zu der im Jänner anvisierten Unterzeichnung noch aufgedröselt werden. Genossenschaftsvertreter aus den USA werden in Agenturmeldungen zitiert, dass sie nicht daran glaubten, dass sich die Uhr so einfach auf die Zeit vor dem Handelskrieg zurückdrehen lasse und die in den vergangenen zwei Jahren neu entstandenen Handelsströme am Agrarweltmarkt so mir nichts, dir nichts wieder in die alten Bahnen lenken ließen.

Wetteranomalien, Exportnachfrage und Exportsteuern in Argentinien als reale Preistreiber

Die in der Folge eingesetzte Befestigung der internationalen Märkte hat durchaus reale, in Fundamentaldaten begründete Auslöser. Zum einen bahnt sich in der EU für 2020 eine spürbar kleinere Weizenernte an. In Frankreich und Großbritannien war es für die Herbstaussaat viel zu nass - ebenso in Nordwestdeutschland und Norditalien. Deutschlands Winterweizenfläche soll um 7,1% auf 2,83 Mio. ha geschrumpft sein. Britische Mühlen sollen laut Agenturmeldungen vorausschauend zuletzt ungewöhnlich viel Aufmischweizen in Deutschland gekauft haben. In Osteuropa ist es im Gegensatz dazu viel zu trocken. Die Ukraine musste etwa ihre Winterweizenfläche für die kommende Ernte gegenüber dem siebenjährigen Durchschnitt um 5% auf das kleinste Ausmaß seit 2014 einschränken. Und im Verband mit allgemein zu hohen Temperaturen erreichten laut dem EU-Agrarwetterdienst MARS viele im Herbst gesäte Bestände nicht die erforderliche Winterhärte.

Und es brummen vor Weihnachten nicht nur die Weizenexporte aus der EU, sondern es können auch die USA nach Längerem wieder mit über Erwarten hohen Ausfuhrdaten bei Weizen und Mais aufwarten. Die EU-Kommission berichtet zum Stichtag 15. Dezember wöchentliche Weichweizenausfuhren in Drittländer von 857.611 t, womit sich der Export nach 24 Wochen des Wirtschaftsjahres auf 12,805 Mio. t summiert. Das sind 66% mehr als im Vorjahres-Vergleichszeitraum. Im monatlichen Update der Versorgungsbilanzen der EU setzte die Kommission diese Woche die Prognose für den Weichweizenexport 2019/20 von zuletzt 26 Mio. t auf 28 Mio. t hinauf. Das Washingtoner Agrarressort USDA gab für die Woche bis 12. Dezember Verkäufe von 868.600 t Weizen bekannt, wohingegen Analysten nur 200.000 bis 600.000 t erwartet hätten. Die von Mais hätten 1,709.400 t erreicht.

Wie angekündigt, sei der Iran in den letzten Wochen am Weizenweltmarkt aktiv geworden und habe laut Händlern bis zu 1 Mio. t aufgekauft. Neben Russland soll auch Deutschland als Quelle für die von Teheran gesuchte Qualität von 12,5% Protein einen Teil dieser Nachfrage bedienen. Laut Agenturen würden Exporteure an deutschen Hafenstandorten für diese Qualität aktuell Preise von 3,50 Euro/t über Euronext-Niveau bieten und potenzielle Abgeber 4 Euro/t über Euronext verlangen. Aus Frankreich werden ebenfalls steigende Kassamarktpreise gemeldet. Hier verteuern die Ware auch Streiks der Eisenbahner und Hafenschlepper, die die Anfuhr von Weizen aus dem Hinterland erschweren beziehungsweise den Schiffsverkehr verzögern.

Weizen aus der EU bleibt im Preiswettbewerb führend: Der Wochenvergleich der EU-Kommission zum Stichtag 18. Dezember bei einem Kurs des Euro von 1,1301 USD sieht bei den fob-Preisen Weizen aus der EU mit umgerechnet 211 USD/t (+4 USD zur Vorwoche) voran, gefolgt von Schwarzmeerweizen (217 USD/t, +5 USD zur Vorwoche) und ganz deutlich vor Soft Red Winter aus den USA (247 USD/t, +11 USD zur Vorwoche).

Die neue linksgerichtete peronistische Regierung in Argentinien unter Präsident Alberto Fernandez erließ vorigen Samstag ein Dekret, mit dem bisher in Fixbeträgen festgeschriebene Exportabgaben auf nunmehr 12% des Warenwerts von Weizen, Mais, Sonnenblumen und Gerste sowie auf 30% von Sojabohnen und deren Verarbeitungsprodukte angehoben werden. Analysten erwarten als Folge der damit für die Farmer eintretenden Einkommensverluste eine Einschränkung der Produktion dieser Güter.

Indonesien ruft gegen EU-Strafzölle auf Biodiesel die WTO an

Indonesien legt gegen Strafzölle der EU auf Biodiesel vom weltgrößten Palmölproduzenten Beschwerde ein und droht seinerseits mit Vergeltung in Form von Strafzöllen auf Agrargüter aus der Union wie Milchprodukte. Die EU habe, so berichtet agrarzeitung.de, im Sommer vorläufig verhängten Strafzölle zwischen 8 und 18% auf den indonesischen Biodiesel vorige Woche in feste, fünf Jahre geltende übergeführt. Die EU sieht jedoch unerlaubte und marktverzerrende Subventionen Indonesiens für den Biokraftstoff als erwiesen an: Die Regierung subventioniere den Rohstoff unter marktübliche Preise und gewähre preissenkende Steuernachlässe für ihre Biodieselerzeuger. Zudem liegt Indonesien schon längere Zeit mit der EU wegen der Einstufung seiner Palmöle in solche mit hohem Risiko der indirekten Landnutzung (ILUC) im Clinch.

Österreich: Durum-Preise anhaltend hoch

Nach eineinhalb Monaten Pause kam diese Woche an der Wiener Produktenbörse wieder einmal eine Notierung von inländischem Durumweizen zustande. Diese entspricht mit 242 Euro/t exakt der Höhe von zuletzt Ende Oktober und spiegle, so Marktteilnehmer, die in ganz Europa knappe Verfügbarkeit und starke Nachfrage wider. Dementgegen musste die Bewertung von Mahlroggen angesichts der überschüssigen Marktlage einen neuerlichen Verlust hinnehmen, ebenso gab die Futtergerste nach.

Bei den Ölsaaten musste vor dem Hintergrund der internationalen Befestigung und Unterversorgung der EU für Beobachter etwas überraschend die Rapsnotierung Federn lassen und liegt nun bei 360 bis 365 Euro/t. Als seltener Gast fanden inländische Sojabohnen mit 330 Euro/t den Weg auf das Kursblatt. Unverändert relativ schwach blieb inländischer Futtermais mit 140 Euro/t, wobei mit 146 Euro/t notierte Einfuhren aus dem Osten nach Niederösterreich abzüglich Frachtkosten auf einen noch niedrigeren Warenwert schließen lassen. Industriemais aus dem EU-Raum wurde CIF Oberösterreich mit 155 Euro/t bewertet. (Schluss) pos

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