Getreidebörsen zerrissen zwischen reduzierten Ernteschätzungen und Mengendruck

Österreich: Bei festen Preisen ist angerichtet für eine interessante Vermarktungssaison

Wien, 19. Juli 2019 (aiz.info). - Die internationalen Getreidebörsen sind zerrissen zwischen reduzierten Ernteschätzungen vor allem in der EU und in Russland sowie Mengendruck aus der laufenden Ernte auf der Nordhalbkugel, und zusätzlich kommen noch politische Unwägbarkeiten wie die steten Wechsel zwischen Eskalation und Deeskalation im Handelskonflikt der USA mit China hinzu. "Die Börsen sind zurzeit kopflos, die jüngsten Kursentwicklungen in Chicago bei Mais und Sojabohnen widersprechen eigentlich den fundamentalen Grundlagen", so ein heimischer Händler. Nach der Befestigung durch die reduzierte globale Ernte- und Endlagerprognose des US-Landwirtschaftsministeriums in der Vorwoche gaben die Weizennotierungen an den Terminbörsen diese Woche ihre Gewinne wieder ab - an der CBoT in Chicago stärker als an der Euronext in Paris. Dabei übte der gedämpfte Maismarkt auch Druck auf den Weizen aus. Der Euronext-Weizenfuture für den September verlor bis Handelsschluss am Donnerstag auf 174,75 Euro/t und der zur Lieferung im Dezember konnte die Widerstandslinie von 180 Euro/t nicht mehr verteidigen und sackte auf 179 Euro/t ab. Den Freitag-Handel startete die Euronext mit leichten Zugewinnen. In Österreich zeigen sich die Preise bei mäßigen Umsätzen fest.

An der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien befestigte sich Qualitätsweizen gegenüber der vorwöchigen Erstnotierung etwas auf 179 bis 182 Euro/t. Premiumweizen setzte sich bei der erstmaligen Notierung gemäß einer stärkeren Preisdifferenzierung um gut 10 Euro/t vom Qualitätsweizen auf 190 bis 192 Euro/t ab. Wie erwartet übertrifft Durum-Weizen mit 210 bis 212 Euro/t deutlich die 200er-Marke. Es heißt, der Hartweizen habe heuer Potenzial, da vor allem auch in Norditalien und südöstlich von Österreich hohe Don-Werte eingefahren würden.

Österreich: Es ist angerichtet für eine interessante Vermarktungssaison

"Es ist angerichtet für eine interessante Vermarktungssaison", so ein Händler mit Blick auf die Ernteergebnisse hierzulande und sich auswachsende Mykotoxin-Probleme vom östlichen Mitteleuropa bis nach Norditalien. Insgesamt macht die Vermarktung und Preisbildung in Österreich nicht nur beim Durum interessant, ob diese Länder durch dieses Problem 2019/20 zu Nettoimporteuren werden würden. Jedenfalls rechnet man hierzulande mit weniger Druck auf den gemeinsam umworbenen Zielmärkten.

Bei der Ernte verfestigt sich der Eindruck, dass, je weiter nach Norden die Mähdrescher kommen, die Proteinwerte höher werden. Nun rechnen Beobachter schon mit fast 50% Premiumweizenanteil an der Ernte. Wintergerste habe sehr passable Ergebnisse gebracht, aus Oberösterreich werden sogar Rekorderträge bis zu 110 dt/ha berichtet. Trotz des größeren Angebots werden aus dem oberösterreichischen Veredelungsgebiet Landwirte-Gerstenpreise von netto 146 Euro/t kolportiert. Ebenso erfreut Winter-Braugerste mit fast durchgehend passenden Proteinwerten, die eine Erfüllung der Vorkontrakte erlaubten. Der Drusch der Wintergersten sei bis auf wenige Randlagen praktisch durch. In Oberösterreich geht es jetzt an den Weizen. Differenzierter ist von Rapserträgen zu hören, wobei dieser Kultur die Hitze im Juni am wenigsten geschmeckt haben soll.

Laut CropRadar sei in Deutschland die erntefähige Rapsfläche 2019 gegenüber dem Vorjahr um 5,3% auf 915.000 ha geschrumpft. Es seien noch immer Auswirkungen der vorjährigen Dürre spürbar, unter anderem durch eine verspätete Aussaat und einen schlechteren Auflauf. Die EU insgesamt wird laut diversen Analysen 2019/20 wiederum große Mengen Raps importieren müssen.

Harter Wettbewerb auf Weizen-Weltmarkt

Trotz eines zuletzt schwächeren Euros und der geringeren Ernteerwartungen Russlands sieht sich das Weizenangebot aus der EU am Weltmarkt einer aggressiven Konkurrenz von der Schwarzmeer-Region ausgesetzt. Ägypten füllte zuletzt eine Weizenausschreibung mit 60.000 t ausschließlich russischen Weizen. Die Menge wurde als enttäuschend gewertet und gab den Märkten insbesondere in der EU keinerlei Impulse. Ausschlaggebend für den Zuschlag (Lieferung zwischen 21. und 31. August) seien laut Agenturberichten die ungewöhnlich niedrig angebotenen Frachtkosten gewesen. Der fob-Preis von 201,40 USD/t (187,59 Euro) hingegen sei der höchste gewesen, den die ägyptische GASC seit 11. April zu zahlen gehabt habe. Am billigsten auf fob-Basis hätten die Ukrainer mit 198,50 USD/t (176,98 Euro) angeboten.

Die EU verzeichnet laut Europäischer Kommission in den ersten beiden Wochen (bis 14. Juli 2019) des Wirtschaftsjahres 2019/20 Ausfuhren von 399.321 t Weichweizen. Dies ist ein Plus von 5% zum Vorjahr. Der letzte verfügbare Exportpreisvergleich der Europäischen Kommission weist zum Stichtag 10. Juni Mahlweizen aus der EU fob Rouen und solchen fob Schwarzes Meer bei einem Wechselkurs von 1,1301 USD für den Euro gleichpreisig mit 194 USD/t aus, wobei die EU-Preise im Wochenabstand um 4 USD/t nachgegeben und die Schwarzmeer-Preise um 1 USD/t zugelegt hatten. Der US-Weizen Soft Red Winter war mit 222 USD/t (-4 USD zur Woche davor) fob Golf deutlich teurer. (Schluss) pos

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