Getreidemärkte überwinden erste Corona-Panik - USA und China bauen Zölle ab

CBoT-Schweinenotierung zeigt Irrationalität - Experte erwartet höhere Rapspreise

Wien, 7. Februar 2020 (aiz.info). - Die Getreide-Terminbörsen dies- und jenseits des Atlantiks überwanden im Wochenverlauf im Gefolge der allgemeinen Rohstoffmärkte ihre erste Panikreaktion auf den Ausbruch des Coronavirus in China. Sie begannen sich wieder vermehrt fundamentalen Daten zuzuwenden, wenngleich ihnen weiterhin Irrationalität und Unberechenbarkeit anhaftet.

Nach den scharfen Kurskorrekturen setzten dennoch Erholungsbewegungen ein. Nachdem etwa der März-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris zu Wochenbeginn bis auf 189,50 Euro/t eingebrochen war und damit zum Ausgangspunkt der zu Jahreswechsel gestarteten Rallye zurückgekehrt war, kletterte er bis zur Wochenmitte auf 193,75 Euro/t. Der Donnerstag brachte dann wieder eine Abschwächung, und am Freitag startete der März-Weizenkontrakt mit einem hellgrünen Vorzeichen bei 193,25 Euro/t in den Handel. Hilfreich sind eine weiterhin heftige Exportnachfrage und eine Abschwächung des Euro unter 1,10 USD. Entspannung - vor allem am Sojamarkt - brachte auch die Ankündigung, China werde im Gegenzug zu Zollerleichterungen der USA ab 14. Februar die im September um 5 beziehungsweise 10% zusätzlich erhobenen Strafzölle auf Warenlieferungen aus den USA im Wert von 75 Mrd. USD (68,16 Mrd. Euro) halbieren. So sollen konkret die Zölle auf Sojabohnen aus den USA von 30 auf 27,5% gesenkt werden, nachdem seit Juli 2018 ein 25%iger Strafzoll gegolten hatte und vorigen September um weitere 5% angehoben worden war.

Neben Agrarprodukten erfahren unter anderem auch Rohöllieferungen aus den USA Erleichterungen. Analysten hielten diesen Schritt in der Folge des Mitte Jänner von den USA und China unterzeichneten Phase 1-Handelsdeals für eine logische Konsequenz, denn mit der bestehenden Zollbelastung könne China kaum die im Deal in Aussicht genommenen Steigerungen der Wareneinkäufe realisieren. Demnach sollten die Chinesen den USA 2020 um 12,5 Mrd. USD (11,36 Mrd. Euro) und 2021 um 24 Mrd. USD (21,81 Mrd. Euro) mehr Agrargüter abkaufen als zur Ausgangsbasis von 24 Mrd. USD (21,81 Mrd. Euro) im Jahr 2017.

Schweinefleisch-Notierungen in Chicago zeigen Irrationalität der Märkte

Die Irrationalität der Märkte zeigte dieser Tage die Jungschweine-Fleischnotierung an der CBoT in Chicago. Nach zwei Abschlüssen im Limit Down (von einer Börse festgelegter höchstzulässiger Kursverlust an einem Handelstag) alleine in der Vorwoche und einem Kursverlust von 21% seit Jahresbeginn, schnellte die Schweinefleischnotierung am Donnerstag um 4,9% ins Limit Up (von einer Börse festgelegter höchstzulässiger Kursgewinn an einem Handelstag), nachdem der US-Fleischriese Tyson verkündet hatte, seine Schweinefleischlieferungen nach China hätten im abgelaufenen Quartal um 600% zugelegt. Lieferungen von Schweinefleisch aus den USA werden von China aber noch immer mit einem 72%igen Zollsatz bestraft und es ist nicht sicher, ob dieser von der kommenden Senkungsrunde am 14. Februar ebenfalls erfasst wird. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und der Verlust eines Großteils seiner Schweineherden hat jedoch die Schweinefleischpreise im Reich der Mitte auf Rekordhöhe getrieben und für starke Nachfrage bei potenziellen Lieferanten gesorgt.

Oil World-Experte: Wir erwarten eine Preiserhöhung für Rapssaat und Rapsöl

Auch die Rapsnotierungen sind unter die Räder der Corona-Hysterie und zusätzlich eines Handelsstreits zwischen Indien und Malaysia geraten, der die Palmölpreise und in deren Folge die anderer Pflanzenöle und Ölsaaten in den Keller schickte. So rutschte die Pariser Rapsnotierung auch unter die zu Jahresbeginn gewonnene 400-Euro-Marke, beginnt sich aber seit einigen Tagen ebenfalls wieder zu erholen.

Dabei hätten die Rapspreise Potenzial nach oben. "Bleiben Sie cool und warten Sie noch ein wenig. Es kommen bessere Preise“, zitiert agrarzeitung.de Thomas Mielke, einen der Herausgeber des Hamburger Branchendienstes Oil World, mit Tipps für die Vermarktung der Rapsernten 2019 und 2020. Mehrere Faktoren deuteten auf feste Rapspreise hin. Demnach bleibe die Versorgung in der EU auch aus der Ernte 2020 eng, die Anbaufläche habe sich nur geringfügig von ihrem vorjährigen Tiefststand erholt. Oil World rechnet 2020 mit einer Rapsernte von 17,7 Mio. t in der EU. "Das ist nur relativ wenig über dem Tiefpunkt von 16,9 Mio. t im Vorjahr, bleibt aber weit hinter den früheren Ernten von 20 bis 23 Mio. t zurück", so Mielke.

Aus der Ukraine und Australien stünden demnach nur noch kleine Mengen zur Verfügung. Zudem solle ab Juli 2020 China größere Mengen Raps in der Ukraine kaufen. Die Ukraine war bisher Hauptlieferant für die EU. "Das wird die Preise stützen", so Mielke. Für den Marktexperten stehe fest, dass mittel- und langfristig fundamentale Faktoren die Preise bestimmen werden. Dazu gehöre neben dem knappen Rapsangebot das weltweite Produktionsdefizit bei Palmöl. Mielkes Schlussfolgerung: "Wir erwarten eine Preiserhöhung für Rapssaat und Rapsöl von dem jetzigen Niveau sowohl für die alterntigen Termine als auch für die neue Ernte."

Weizenexport der EU 65% über Vorjahreslinie - Russland verzeichnet 17% Minus - Preise geben nach

Die Ausfuhren von Weichweizen aus der Europäischen Union bleiben nach wie vor sehr rege. Laut EU-Kommission lagen sie zum Ende der 31. Woche des Wirtschaftsjahres (Stichtag 2. Februar) mit 15,255 Mio. t um 65% über der Vorjahreslinie. Bei den Exportpreisen blieb Mahlweizen aus der Union fob Rouen mit umgerechnet 219 USD/t (+2 USD zur Vorwoche) auch diese Woche (Stichtag 29. Jänner) preislich voran vor Schwarzmeerweizen mit 224 USD/t (-7 USD zur Vorwoche) und Soft Red Winter aus den USA mit 255 USD/t (-3 USD/t zur Vorwoche).

Allerdings schwächten sich die russischen Weizenexportpreise zum ersten Mal seit November des Vorjahres ab, nachdem sie seither kontinuierlich gestiegen waren. Dies verringerte auch den Preisvorsprung von Weizen aus EU-Herkunft.

Frankreich erzielte im Dezember mit 1,2 Mio. t die höchsten Weichweizenausfuhren in der bisherigen Saison 2019/20 in Drittländer, mit Lieferungen in andere Mitgliedstaaten führte es sogar 1,8 Mio. t aus. Die Marktordnungsstelle FranceAgriMer prognostiziert Weltmarkt-Exporte von 12,4 Mio. t für das gesamte Wirtschaftsjahr. Dies entspräche einem Zuwachs von mehr als einem Viertel zu 2018/19. In der ersten Saisonhälfte kam man auf 8,9 Mio. t oder ein Plus von 16% zum Vorjahr.

Algerien blieb der größte Kunde, ungewöhnlich große Lieferungen von 233.000 t verzeichnete man im Dezember aber auch nach China. Dorthin flossen 2019/20 bisher 640.000 t französischer Weizen.

Dementgegen verzeichnet Russland laut den Statistikern des Agrarressorts 2019/20 schwächere Weizenexportzahlen. In der ersten Hälfte des Wirtschaftsjahres von Juli bis Dezember 2019 kam man auf 22,4 Mio. t oder ein Minus von 14,3%. Der Analyst Sovecon meldete bis Ende Jänner Weizenausfuhren von 22,1 Mio. t, was ein Minus von 17,1% zum Vorjahr ergibt. Das Institut IKAR reduzierte seine Weizenexportprognose für 2019/20 von zuletzt 33,5 Mio. t auf 32 Mio. t. Es begründet das langsamere Exporttempo auch damit, dass die Gewinnspannen im Verkauf auf dem Inlandsmarkt besser als die auf den Exportmärkten seien und daher weniger für den Weltmarkt angeboten werde. Bekanntlich will die Regierung in Moskau ja zur Abkühlung der Inlandspreise die Weizenausfuhren im zweiten Halbjahr 2019/20 mengenmäßig einschränken.

Österreichischer Kassamarkt im Ferienmodus

Die Energiewochen im Februar versetzen den österreichischen Kassamarkt in einen Ferienmodus. Damit kamen am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse relativ wenige Notierungen zustande. Und, so Marktteilnehmer, jenen Produkten, die notiert wurden, liege nur ein begrenzt aussagefähiges Volumen an Abschlüssen zugrunde.

So beruhe offensichtlich die einzige Brotweizennotierung - die für Qualitätsweizen mit 180 Euro/t - offenbar auf einem einzelnen Geschäft, und der Eindruck, dass die Weizennotierungen nachgäben, entspreche nicht unbedingt dem gefühlten Markttrend. Ähnlich - mit umgekehrten Vorzeichen - wird die Mahlroggennotierung von 155 Euro/t kommentiert.

Die Preise von Durumeinfuhren vom EU-Raum in die Steiermark in Höhe von 253 Euro/t CPT (inklusive Frachtkosten bis zum Abnehmer) werden als Anzeichen für weiterhin auch hohe Erlöschancen für Ware aus inländischer Produktion gewertet. Als flau wird der Maismarkt beschrieben. Aufkäufer äußerten zwar Interesse an Ware, aber Lagerhalter von Mais aus Inlandsproduktion zeigten sich zu den gebotenen Konditionen kaum abgabebereit. Offensichtlich warten sie auf eine Befestigung zur neuen Sommerernte hin.

Probleme bereite weiterhin der Schiffstransport auf der Donau - nunmehr aber nicht mehr Niederwasser, sondern zu viel des Guten. Die Bestände auf den Feldern seien bisher gut über den Winter gekommen, starteten aber schon in die Vegetation, weshalb die Angst vor Frosteinbrüchen zunimmt.

Landwirtschaftskammer berichtet von Lagerhaus-Braugerstenverträgen

Wie die Landwirtschaftskammer berichtet, bieten die Raiffeisen-Lagerhäuser Braugerstenverträge für die Sorten Avus, Cerbinetta, Laureate, Esma und Ellinor an. Ein Abschluss ist noch bis Anfang März 2020 möglich. Für 50% der angelieferten Braugerste wird demnach ein Mindestfixpreis von 190 Euro/t netto bezahlt. Für den Rest wird der durchschnittliche Schlusskurs des Euronext-Weizen zur Lieferung im Dezember 2020 im Zeitraum September und Oktober berechnet. Hierfür gilt ein Preisband mit einem Mindestpreis von 190 Euro/t netto und einem Höchstpreis von 220 Euro. (Schluss) pos

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