Getreidemärkte legen trotz bullisher Fundamentaldaten Verschnaufpause ein

Österreich: Aufmischweizen neuerlich befestigt - Durum springt auf 242 Euro/t

Wien, 31. Oktober 2019 (aiz.info). - Trotz bullisher Fundamentaldaten legten die Terminmärkte für Weizen, Mais und Sojabohnen - ausgehend von Chicago - in der abgelaufenen Woche eine Verschnaufpause in der zuvor gestarteten Rallye ein oder gaben sogar etwas von ihren Gewinnen ab. Die ohnehin verspäteten Mais- und Sojaernten in den USA erwarten einen erneuten Wintereinbruch mit Schnee und Frost und in Australien brennen Hitze und Dürre die Weizenernte auf das schwächste Ergebnis seit zehn Jahren nieder. Trotz Preisführerschaft und Exporterfolgen wie beim jüngsten Ägypten-Tender sowie auch einer verzögerten Herbstaussaat in Frankreich und Trockenheit im Schwarzmeerraum konnte sich aber auch der Weizenfuture an der Euronext in Paris nicht emanzipieren.

Der Dezember-Mahlweizenkontrakt verlor wieder unter die schon überwundene Widerstandslinie bei 180 Euro/t bis Donnerstagmittag auf 178,50 Euro/t. Auch ein Wiedererstarken des Euro auf 1,117 US-Dollar trug dazu bei. Zudem verunsichert die Absage des APEC-Gipfels (Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft) Mitte November in Chile vor allem den Sojakomplex. US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping hätten dort das Teilabkommen "Phase eins" zur Beilegung ihres Handelskrieges insbesondere bei Agrargütern unterzeichnen wollen.

Österreich: Aufmischweizen neuerlich befestigt - Durum springt auf 242 Euro/t

Am österreichischen Kassamarkt stiegen bei stetem Geschäftsverlauf und neuerdings auch Nachfrage heimischer Mühlen nach Qualitätsweizen die Preise und Notierungen der Aufmischweizen: Premiumweizen um 2,50 Euro auf 189 bis 192 Euro/t und Qualitätsweizen um 1 Euro/t auf 179 bis 180 Euro/t. Durum machte am Mittwoch an der Wiener Produktenbörse sogar einen gewaltigen Sprung von 19 Euro auf 242 Euro/t gegenüber der Letztnotierung am 9. Oktober. Seit der Erstnotierung 2019/20 am 17. Juli (211 Euro/t) legte der Hartweizen an der Wiener Produktenbörse nicht zuletzt als Folge der Wetteranomalien in Nordamerika um fast 15% zu.

Wetter macht US-Farmern zu schaffen - Dürre den australischen Landwirten

Den Farmern im Norden der USA und in Kanada macht eine Verspätung der Aussaat durch Dauerregen und Hochwasser sowie ein verfrühter Wintereinbruch zur Ernte zu schaffen. Neben dem Hartweizen sind auch der hochproteinhaltige Sommerweizen Hard Red Spring, Mais und Sojabohnen betroffen. Das US-Agrarministerium USDA sprach am Montag davon, dass erst 41% der Maisernte im Gegensatz zum Durchschnitt von 61% und 62% der Sojabohnen zu vergleichsweise durchschnittlich 78% eingefahren seien. Und es drohen zum Wochenende weitere Wintereinbrüche. Dementgegen ließen Dürre und Hitze die australischen Farmer nur 16,5 Mio. t Weizenernte erwarten - die kleinste seit zehn Jahren.

Unterschiedliche Signale am heimischen Maismarkt: Nassmais fester - Futtermais unter Erntedruck

Vom heimischen Maismarkt kommen aus der Nassmaiskampagne erste Anzeichen, das sich die Preise ebenfalls befestigten. Agrana setzte diese Woche die Erzeugerpreise für Nassmais um quasi eine erste Spätlieferprämie hinauf. Dies könnte zum einen der Verteuerung der Schiffstransporte für Lieferungen aus Osteuropa wegen des Niederwassers auf der Donau geschuldet sein oder zum anderen, dass die Anlieferungen inländischer Ware langsam zu versiegen beginnen.

So sei die Ernte in Oberösterreich schon sehr weit fortgeschritten, und in Niederösterreich stehe nur noch knapp ein Viertel des Maises am Stamm und sei der Drusch diese Woche gestoppt worden. Die Steiermark stecke mitten in der Maisernte. Nachdem zuletzt die Anlieferungen die Trocknerkapazitäten erschöpft hätten, sollen auch hier die Mähdrescher diese Woche Pausen eingelegt haben.

Entgegen Hoffnungen, die Verteuerung des Schiffstransports von Maiseinfuhren aus dem Osten zu den Verarbeitern in Nieder- und Oberösterreich könnte auch den unter Druck stehenden Körnermaispreisen und -notierungen zu etwas Aufwind verhelfen, gab inländischer Futtermais diesen Mittwoch an der Wiener Produktenbörse sogar neuerlich nach. Er sank um 1,50 Euro auf 140 Euro/t. Noch deutlicher das Minus bei Futtermaiseinfuhren CPT Niederösterreich mit 3,50 Euro auf 142 bis 149 Euro/t - während Industriemaiseinfuhren ihre Notierung von 155 Euro/t halten konnten. Marktinsider sehen das als mögliche Folge, dass ex Ernte Druckpartien auf den Markt drängten und sich Angebotsüberhang aufbaue, weil dem auf Abnehmerseite nur die Mischfutterindustrie mit begrenztem Bedarf gegenüberstehe.

Beim Futtergetreide schaffte lediglich Futtergerste den schon eine Zeit lang erwarteten Sprung über die 140-Euro-Marke.

EU-Weizen hält Preisführerschaft - US- und russischer Weizen aus Markt gepreist

Weizen aus der EU hält aktuell die Preisführerschaft am Weltmarkt und punktet im Export. Steigende Inlandspreise preisten zuletzt russischen Weizen aus dem Markt, nachdem zuvor schon die Angebote aus den USA auch zu teuer gewesen sind. Bei einem am Dienstag geschlossenen Weizentender der staatlichen ägyptischen Weizenagentur GASC boten Händler französischen Weizen zum niedrigsten fob-Preis von 214,50 USD/t (193,33 Euro) an. Dieser erhielt einen Zuschlag über 60.000 t zur Lieferung zwischen 5. und 15. Dezember, obwohl wegen der gegenüber Schwarzmeer-Herkunft um rund 4 bis 6 Euro/t höheren Frachtkosten der Preis c&f von 235,57 USD/t (212,57 Euro) etwas über den ebenfalls zugeschlagenen Angeboten aus Rumänien (60.000 t, 220,75 USD/t bzw. 198,96 Euro) fob und der Ukraine gelegen ist. Die Ukraine liefert 55.000 t zu 217,45 USD/t (195,99 Euro) fob und 60.000 t zu 219,50 USD/t (197,87 Euro) fob. Russischer Weizen kam nach längerer Zeit gar nicht zum Zug. Das billigste Offert der Russen lag bei 221,25 USD/t (199,41 Euro) fob beziehungsweise 237,77 USD/t (214,30 Euro) c&f.

Der Verlust der Preisführerschaft für russischen Weizen spielt den Exporteuren von EU-Weizen in die Hände. Es heißt, auch Deutschland komme mit Preisen franko Silos in Hamburg knapp über Euronext-Niveau schon ins Geschäft. Während die Weizenausfuhren Russlands um 11% unter die Rekordlinie des Vorjahres gefallen sind, halten die der EU laut Kommission in den ersten 17 Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 (Stichtag: 27. Oktober) bei 8,547 Mio. t Weichweizen (+486.714 t zur Vorwoche) und übertreffen den Vorjahresstand um 50%.

Wachsende Unsicherheit über Deal zu "Phase eins" der Handelsbeziehungen USA/China

Chile sagte dieser Tage wegen der Unruhen im eigenen Land als Gastgeber für den am 16. und 17. November geplanten Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) ab. Die USA und China planten auf diesem Gipfel, das Teilabkommen "Phase eins" zur Beilegung ihres Handelskrieges insbesondere bei Agrargütern zu unterzeichnen. Nunmehr herrscht Ungewissheit, ob der Gipfel zur Gänze ins Wasser fällt, er woanders stattfindet, oder, wie die Regierungen in Washington und Peking in den Raum zu stellen bemüht waren, die Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping den Deal zu einem gesonderten Anlass unterschreiben.

Zudem rege sich laut APA in China Kritik an dem Deal. Enthalte er doch, wie Trump wiederholt betonte, eine Zusage Chinas, den USA pro Jahr Agrarprodukte im Wert von 40 bis 50 Mrd. USD (36,02 bis 45,02 Mrd. Euro) abzukaufen. Dies wäre mehr als das Doppelte mit 24 Mrd. USD (21,61 Mrd. Euro) vor dem Handelskrieg im Jahr 2017. Der Chef der Chinesischen Handelskammer für den Im- und Export von Lebensmitteln (CFNA), Cao Derong, stelle demnach infrage, ob China sich dazu verpflichten oder nicht nur lediglich Sonderzölle senken und den freien Markt das Volumen entscheiden lassen sollte. Denn die Zielmarke aus dem Deal sei sehr hoch und könne nicht garantiert werden. (Schluss) pos

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