Global knappe Versorgung beschleunigte Rallye der Weizen- und Rapspreise

Gute Nachfrage nach inländischem Weizen - Premiumweizen gibt allerdings nach

Wien, 17. September 2021 (aiz.info). - Nach unten revidierte Ernteschätzungen für Kanada und Frankreich (aiz.info berichtete) sowie für die EU in der französischen Analyse Strategie Grains und für Russland sowie erste Schätzungen, Russlands Landwirte würden zur nächstjährigen Ernte 2022 weniger Winterweizen anbauen, starteten diese Woche eine neue Etappe in der Rallye der Weizen- und Rapskurse, und auch Mais befestigte sich. Heimische Marktteilnehmer berichten, wegen der guten Alveogramm-Werte halte die rege Nachfrage nach Premiumweizen aus Italien an. Gleichzeitig begännen Mühlen im Inland, Weizen zur Deckung späterer Termine zu suchen. Dabei sei vor allem Qualitätsweizen schwer zu erhalten, weil sein Anteil an der Ernte 2021 wiederum sehr klein ist.

Der Weizenfuture an der Euronext in Paris zur Lieferung im Dezember schloss am Donnerstag mit 248,75 Euro/t und war seit vorigem Freitag (237,75 Euro/t) um 4,6% gestiegen. Der November-Liefertermin von Raps erstürmte am Donnerstag ein Kontrakthoch und nimmt die 600-Euro-Marke ins Visier. Er schloss den Donnerstagshandel mit 598,25 Euro/t und legte zum vorigen Freitag (570,75 Euro/t) um 4,8% zu. Der Pariser November-Maisfuture beendete den Donnerstag bei 219,00 Euro/t, ein Plus von 2,6% zu den 213,50 Euro/t von vorigem Freitag. Am Freitagmittag gaben Weizen und Mais um jeweils 0,25 Euro eine Spur nach, Raps verzeichnete ein Minus von 2,50 Euro/t.

Gute Nachfrage nach inländischem Weizen - Premiumweizen aber schwächer notiert

Angesichts der Nachfrage legten am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse zwar die Notierungen für Mahl- und vor allem Qualitätsweizen neuerlich zu - Mahlweizen um 6,50 Euro auf 245 bis 260 Euro/t und Qualitätsweizen um 10,50 Euro auf 255 bis 280 Euro/t. Es gab aber Premiumweizen um 6,50 Euro auf 260 bis 290 Euro/t nach. Aus Händlerkreisen ist dazu zu vernehmen, die echt laute Musik beim Premiumweizen spiele aber nur am oberen Rand der Notierungen, und es sei recht auffällig, dass der Schnitt des ungewöhnlich breiten Preisbandes von 30 Euro sogar unter der bei 280 Euro/t festgesetzten oberen Notierung des Qualitätsweizens liege.

Zudem dürften den Notierungen für Importgetreide nach vor dem Beginn der Herbsternten zur Räumung von Lagerraum auch etliche "Druckpartien" aus den östlichen Nachbarländern auf den heimischen Markt drängen. Kaum Bewegung gibt es bei Futtergetreide und neuerntigem Trockenmais. Geld- und Briefkurse sind noch zu weit auseinander. Es kommen noch Lieferungen alter Ernte aus der Nachbarschaft zu entsprechend hohen Preisen für prompte Lieferung ins Land.

Nassmaiskampagne in Österreich gestartet - Geriss um Raps zur Erfüllung von Lieferverträgen

Die Nassmaiskampagne startete diese Woche. Wie berichtet, zahlt Jungbunzlauer bis nächste Woche auf Basis 30% Feuchtigkeitsgehalt frei Werk Pernhofen 144 Euro/t, um danach auf 136 Euro/t zurückzugehen. Agrana bietet seit Mittwoch für die erste Kampagnenwoche ebenfalls bei 30% Feuchtigkeit frei Rübenplatz netto 152 Euro/t und frei Werk Pischelsdorf 157 Euro/t.

Auch Ölsaaten werden kaum angeboten, obwohl einzelne Händler zur Erfüllung von Lieferverpflichtungen Landwirten händeringend Preise deutlich über Euronext böten. Landwirte berichten von Preisgeboten bis zu deutlich mehr als 600 Euro/t.

Weniger Weizenanbau in Russland für 2022 wirft erste Schatten auf Märkte

Inzwischen wirft schon die nächstjährige Ernte 2022 erste Schatten auf die Märkte. Russlands Landwirte würden wegen weit verbreiteter Trockenheit im bevorstehenden Herbstanbau deutlich weniger Fläche mit Winterweizen bestellen als die Rekordfläche für die Ernte 2021. Auch die hohen Steuern auf Weizenexporte verderben ihnen die Lust an der Produktion. Seit Februar soll der Staat umgerechnet gut 365 Mio. Euro von Weizenausfuhren kassiert haben. Anstatt von Weizen sollen nun vermehrt Ölsaaten angebaut werden. Der russische Analyst IKAR reduzierte zudem die Prognose für die russische Weizenernte von 77 Mio. t im August auf nunmehr 74 bis 75 Mio. t. Davon sollen bis zu 31,5 Mio. t exportiert werden können. Im Vorjahr wurden 85,9 Mio. t Weizen eingefahren. Hingegen habe die Ukraine laut Kiewer Agrarresort heuer mit 33 Mio. t Weizen um 33% mehr als im Vorjahr ernten können.

Strategie Grains: Weizendefizit sorgt für bullishe Märkte

Die September-Ausgabe von Strategie Grains spricht laut Agenturmeldungen 2021/22 von einem Weichweizen-Defizit in der EU-27 von 1,1 Mio. t, nach 500.000 t in der letzten Prognose. Die Ernteschätzung reduziert sich im Monatsabstand um 2,4 Mio. t auf 129,1 Mio. t Weichweizen. Dies sind aber noch immer um 10,3 Mio. t mehr als die Vorjahresernte. Jedoch seien heuer 40% der Weichweizenproduktion in der EU nicht mahlfähig, wohingegen es aus der Ernte 2020 nur 27% gewesen sind. Ebenso kürzt Strategie Grains die Erwartung in die Gersten- und Maisproduktion der Union. Zusammen mit der katastrophalen Ernte Kanadas und sehr guter Aussichten auf der Südhalbkugel für Australien und Argentinien kürzen die französischen Experten die Prognose für die weltweite Weizenproduktion 2021/22 binnen Monatsfrist um 10,9 Mio. t auf 739,4 Mio. t. Obwohl höhere Preise auch die Nachfrage drückten, sei die weltweite Weizenversorgung defizitär sowie eng und seien die Aussichten für Markt und Preise bullish.

EU-Exporte über Vorjahreslinie - Importeure kommen Frankreich bei Qualität entgegen

Die staatliche saudi-arabische Getreideagentur SAGO kaufte Ende der Vorwoche 382.000 t Weizen zur Lieferung im November. Dabei senkte sie die Anforderung an das Hektolitergewicht, um französischen Anbietern entgegenzukommen. Namhafte Mengen sollen zurzeit in Polen für die Saudis verladen werden, während Deutschland Algerien bediene. Die Weichweizenexporte aus der EU-27 laufen weiterhin schwunghaft. Laut Kommission kam die EU diese Saison bis 12. September auf 5,79 Mio. t nach 4 Mio. t im Vergleichszeitraum des Vorjahres - da allerdings noch als EU-28.

Ebenso kommt China Frankreich bei den Hektolitergewicht-Kriterien entgegen und soll aus der Ernte schon 1 Mio. t Weizen aus der Grande Nation gekauft haben. Frankreich soll aber 2021/22 weniger Weichweizen in Drittländer exportieren als laut den letzten Prognosen und dafür mehr innerhalb der Union verkaufen.

China verfüttert weniger Mais - Zittern um Vergeltung für pazifischen Verteidigungspakt

China werde nach Angaben des Agrarressorts in Peking 2021/22 mit 187 Mio. t Mais um 3 Mio. t weniger als laut Vormonatsprognose verfüttern, weil niedrige Schweinepreise und die Afrikanische Schweinepest die Erzeugung bremsten. Auch die Zahlen für Verfütterung (180 Mio. t) und industrielle Verwertung 2020/21 wurden wegen der hohen Preise um jeweils 2 Mio. t nach unten revidiert. China importierte 2020/21 mit 26 Mio. t aber um 4 Mio. t mehr als bisher angenommen.

Große Mengen kamen aus den USA. Aktuell bremsen aber noch immer die Folgen von Hurrikan Ida die Agrarausfuhren aus den USA und senkte das Landwirtschaftsministerium USDA binnen Wochenfrist die Bewertung der Bestände in der anlaufenden Maisernte mit sehr gut bis gut um 1% auf 58%. Zudem zittern US-Exporteure vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen Chinas nach der Verkündung des pazifischen Verteidigungsbündnisses zwischen den USA, Australien und dem Vereinigten Königreich.

Schwache Weizenqualität in Frankreich

Verschärfend zur dieser Tage reduzierten Weizenernteprognose kommt in Frankreich die schlechte Qualität von Weichweizen, Durum und Sommergerste hinzu. Strategie Grains schätzt 40% des Weichweizens in der EU heuer nicht mahlfähig. Im Vorjahr seien es nur 27% gewesen. FranceAgriMer gab am Mittwoch bekannt, nur 32% der Weichweizenernte Frankreichs erreichten heuer das Kriterium von 76 kg/hl. Das Hekotiltergewicht sagt aber nichts über die Mehl- und Teigqualität aus, die aus dem Weizen zu erzielen ist, sondern lediglich über die Mehlausbeute bei der Vermahlung. Der durchschnittliche Proteingehalt betrage 11,9% mit nur 6% unter der Mindestanforderung von 11% Eiweiß. Beim Durum erreichten nur 20% die erforderlichen 250 sec. Fallzahl - verglichen zu 68% der Ernte 2020 - und 40% blieben gar unter 100 sec. gegenüber 5% im Vorjahr. Das durchschnittliche Hektolitergewicht des Durums liege bei 76,1 kg und das Protein bei 15%.

Schwache Durumqualität in EU und Missernte Kanadas lässt Anbieter spekulieren

Die schwache Durum-Qualität Frankreichs und der Absturz der Produktion in Kanada befeuern zwar die Hartweizenpreise in Europa, doch geistern auch jede Menge dieser schwachen Partien zu Schleuderpreisen herum und werden von Verarbeitern deshalb auch toleriert. Dies könne jenen Produzenten und Lagerhaltern einen Strich durch die Rechnung machen, die ihre Ware in Kenntnis der knappen Versorgung mit guter Qualität und in der Hoffnung auf weiter steigende Preise zurückhalten und dann aber versäumen, wann der begrenzte Bedarf gedeckt ist. Die EU-Kommission quotierte per 15. September kanadischen Durum fob St. Lorenz Strom mit umgerechnet 495 Euro/t und setzte die des schwächeren französischen Durums fob Port-la-Nouvelle aus. Vorige Woche kam der Hartweizen aus Frankreich auf 456 Euro/t gegenüber ebenfalls 495 Euro/t für den kanadischen.

In Österreich mit sehr guten Qualitäten werde Durum in Erwartung weiterer Preissteigerungen ebenso wie heuer nur knapp verfügbarer Mahlroggen weiterhin zurückgehalten. Zwar machten im Wochenabstand Durum-Lieferungen aus dem EU-Raum CPT Burgenland einen Sprung von 35 Euro/t nach oben auf 455 Euro/t. Aber auch hier liege eine schwächere Qualität nahe, denn ebenfalls aus der EU kommende Hartweizenpartien wurden gleichzeitig CPT Steiermark mit 481 Euro/t notiert. (Schluss) pos

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