Gretchenfrage Verlängerung des Schwarzmeer-Getreidedeals bestimmend für Märkte

Druck auf Weizen und Mais - Österreich: Mehr Aufmischweizen nach BRD und Italien

Wien, 21. Oktober 2022 (aiz.info). - Die Gretchenfrage, wie es über den November hinaus mit dem Getreideexport-Korridor über das Schwarze Meer weitergehen wird, bestimmte auch diese Woche maßgeblich die internationalen Weizen- und Maismärkte. Wachsender Optimismus über eine Fortführung der Ausfuhren aus der Ukraine und somit auch aus Russland stellte andere fundamentale Fakten wie die laut dem jüngsten Bericht des Internationalen Getreiderats IGC sinkenden Mais- und Getreidereserven der Welt (aiz.info berichtet, siehe "IGC: Welt erntet 2022/23 weniger Getreide und die Lager schmelzen") in den Schatten. Die Weizen- und Maisnotierungen der internationalen Terminbörsen in Chicago (CBoT) und der Euronext in Paris gaben nach. "Ein bisserl was geht immer." So scheint zurzeit das Motto für den österreichischen Brotweizenmarkt zu lauten, denn Geschäfte, zumindest für kurzfristige Termine, laufen dem Vernehmen nach im Inland wie sich auch Umsätze mit Aufmischweizen nach Deutschland und Italien belebt hätten - auch wenn an der Wiener Börse keine entsprechenden Notierungen zustande kamen.
 
So lautete diese Woche der Tenor aus internationalen Getreidehandelskreisen neuerlich, Russland würde sich mit einem Veto gegen die Verlängerung des Getreidedeals zu den sicheren Schwarzmeer-Korridoren ins eigene Fleisch schneiden. Nämlich auch wegen der bereits auf über 100 Mio. t geschätzten Rekord-Weizenernte, die das Land heuer einfährt. Denn in Russland fehlt der Lagerraum dafür und außerdem benötigt man das Geld aus den Exporterlösen, um weiter Krieg führen zu können. Dafür sprechen auch jüngste Medienberichte, die melden, russischen Invasoren würden in besetzten Gebieten der Ukraine Weizen requirieren oder den Produzenten zu Schandpreisen abdrücken, um diesen dann über Schwarzmeer-Häfen auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Zudem äußerten sich UNO-Vertreter zuversichtlich über Gespräche mit der russischen Regierung zur Verlängerung des Getreidedeals und es bemüht sich weiterhin auch insbesondere die Türkei darum. Die Türker ist Großkunde für Getreide, vor allem Weizen, von den beiden Schwarzmeer-Anrainern Russland und Ukraine - nicht nur, um ihren eigenen Bedarf zu decken, sondern auch für Geschäfte mit Nah-Ost-Staaten mit einer umfangreichen Exportvermahlung.
 
Druck auf internationale Weizen- und Maisnotierungen
 
Fundamental brachten schwache Exportzahlen der USA den Weizen an der CBoT unter Druck, wohingegen die Getreidebörse in Buenos Aires die Weizenernte Argentiniens auf nur mehr 15,2 Mio. t herabsetzte und in Australien schwere Niederschläge und Überschwemmungen zumindest die Qualität des kurz vor dem Drusch stehenden Weizens gefährden. Während in Europa Mais Mangelware bleibt und die Trockenheit die Aussaat in Argentinien behindert, hielten Erntedruck in Nordamerika und die Hoffnung auf Lieferungen aus der Ukraine die Notierungen nieder. Bei Ölsaaten waren es ebenfalls der Erntedruck in Nordamerika, sowie sinkende Rohölpreise und die Prognosen steigender Sojabohnenlager von US-Agrarressort und IGC, die auf der einen Seite drückten, und florierende Sojaexporte aus den USA, die die Notierungen befestigten.
 
An der Euronext in Paris gab der Schlusskurs für Mahlweizen zur Lieferung im Dezember zwischen vorigem Freitag und Donnerstag dieser Woche von 350,75 Euro/t auf 338,75 Euro/t nach, der von Mais mit dem November-Liefertermin von 340,25 Euro/t auf 332,25 Euro/t und jener von Raps - ebenfalls mit Fälligkeit November - noch am wenigsten von 633,75 Euro/t auf 632,00 Euro/t. Am Freitagmittag stand vor allen drei Notierungen neuerlich ein, wenn auch nur zartrotes, Minus.
 
Österreich: Umsätze mit Aufmischweizen nach Deutschland und Italien belebt
 
Obwohl diese Woche in Wien keine Brotweizennotierungen zustande kamen, heißt es in Branchenkreisen, die Umsätze mit Aufmischweizen nach Deutschland und Italien hätten sich etwas belebt. Gleichzeitig aber wurde auch eine rege Importtätigkeit notiert und werde hierzulande trotz der dort schwachen Ernten vermehrt Qualitätsweizen aus Ungarn und der Slowakei angeboten. Es ist auch zu hören, inländische Mühlen deckten Restbedarf für vordere Termine, wohingegen spätere vernachlässigt blieben. Schließlich suchten auch Mischfutterwerke in Ermangelung von Mais Weizen.
 
Von der Maisernte in Österreich heißt es mittlerweile, nicht nur im östlichen Trockengebiet, sondern auch in Übergangslagen enttäuschten die Erträge. Oberösterreich vermeldet dementgegen gute und stabile Maiserträge. Wo es geht, versucht man hohe Trocknungskosten zu umgehen. Gleichzeitig würden Händler und Verarbeiter den Ersatz ausgefallener Lieferungen aus östlichen Nachbarländern nachfragen - auch hier aber nur kurzfristig. Vom Nassmaismarkt wurden diese Woche Netto-Vertragspreise für Landwirte auf Basis 30% Feuchtigkeit frei eines der Werke zwischen 213 und 218 Euro/t beziehungsweise von 212 Euro/t frei Rübenplatz kolportiert. Laut Landwirtschaftskammer seien für vertragsfreie Ware im Zentralraum Niederösterreich zwischen 200 und 212 Euro/t netto bei 30% Feuchte bezahlt worden. Zu- und Abschläge je Prozentpunkt weniger oder mehr Feuchtigkeit werden mit 3,4 bis 3,7 Euro/t netto beziffert.
 
Die Futtermittelnachfrage - auch nach Schroten - habe offensichtlich auch die Quotierungen der Verarbeiter von Sonnenblumen gefestigt, Raps gab im internationalen Kontext hingegen nach. Generell würden Ölmühlen die Verarbeitungstätigkeit für außerordentliche Wartungsarbeiten einschränken.
 
Nächster Schritt in Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Ungarn fällig
 
Wie es in Branchenkreisen heißt, habe Ungarn in seinem wegen der binnenmarktwidrigen Exportbeschränkungen für Agrarrohstoffe von der EU-Kommission angestrengten Vertragsverletzungsverfahren um eine Verlängerung der Frist für die geforderte Stellungnahme ersucht. Dem habe die Kommission nicht stattgegeben und Ungarn habe letztlich keine Begründung für seine Maßnahmen in Brüssel abgegeben. Das heißt, dass nunmehr die Brüsseler Behörde mit weiteren Schritten zur Hütung des Vertragsbestandes der Union am Zuge sei.
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