IGC-GMR September: Welt-Weizenernte größer und Maisproduktion kleiner geschätzt

Weltweite Getreideerzeugung und Verbrauch gehen 2022/23 zurück - Preise gestiegen
Der IGC hebt in seinem Monatsreport GMR die globale Getreideernte 2022/23 zum Vormonat um 8 Mio. t auf 2,256 Mrd. t. an. Die Produktion bleibt aber um 1,5% unter dem Vorjahresrekord. Gleichzeitig verringert sich auch erstmalig seit 2015/16 der Getreideverbrauch der Welt auf 2,274 Mrd. t - und zwar um minus 0,6% zum Vorjahr. Die stärkere Abnahme des Angebots als die des Konsums mündet in der Bilanz in einen Abbau der globalen Endbestände von Getreide um 18 Mio. t oder 3,1% auf 587. Mio.t. Diese Reserven entsprechen gut einem Viertel des Jahresverbrauchs.
Die Anhebung der Ernteprognose führen die Londoner Experten auf eine zum Vormonat um 14 Mio. t größere Erzeugung von Weizen sowie auch von mehr Gerste vor allem in Russland, Kanada und Australien zurück. Diese gleichen eine vor allem für die USA - größter Produzent (354,2 Mio. t) und Exporteur (57,8 Mio. t) - um 10,5 Mio. t und für die EU um 3,4 Mio. t (56,2 Mio. t Ernte, 20,5 Mio. t Importbedarf) gesenkte Maisernte mehr als aus. Der Bedarf der EU an Maiseinfuhren wuchs dabei im Monatsabstand um 1,5 Mio. t. Einer der wichtigsten Lieferanten der Union, die Ukraine, soll zwar nun mit 29,9 Mio. t (Vorjahr: 42,1 Mio. t) um 2,2 Mio. t mehr Mais einfahren können als zuletzt angenommen, doch steigt die Prognose für ihren Export gegenüber August nur um 0,2 Mio. t auf 10,9 Mio. t. Insgesamt sinkt die Maisproduktion der Welt im Jahresabstand um 51 Mio. t oder gut 4% und der Endlagerstand um gut 8%.

IGC-Weltgetreidebilanzen September 2022

2020/21 2021/22
vorläufig
2022/23
Prognose
2022/23
zu Vormonat
2022/23
zu 21/22
Weizen
Ernte 773 782 792 +14 +10
Angebot 1048 1060 1071 +13 +11
Verbrauch 770 781 785 +2 +4
Endbestand 278 279 286 +11 +7
Bestand
zu Vorjahr
+4 +1 +6 +1 +5
Ratio stock/use 36,10% 35,72% 36,43% +1,31% -0,71%
Mais
Ernte 1136 1219 1168 -11 -51
Angebot 1434 1498 1453 -9 -45
Verbrauch 1155 1213 1191 -6 -22
Endbestand 279 285 262 -3 -23
Bestand
zu Vorjahr
-19 +6 -23 +5 +17
Ratio stock/use 24,16% 23,50% 22,00% -0,14% -1,50%
Getreide gesamt
Ernte 2226 2291 2256 +8 -32
Angebot 2841 2894 2862 +11 -32
Verbrauch 2239 2289 2274 +/-0 -15
Endbestand 603 606 587 +10 -19
Bestand
zu Vorjahr
-13 +3 -18 -8 +15
Ratio stock/use 26,93% 26,47% 25,81% +0,44% -0,66%
Sojabohnen
Ernte 369 352 387 -2 +35
Angebot 423 407 431 -1 +24
Verbrauch 369 363 378 -1 +15
Endbestand 55 44 53 +1 +9
Bestand
zu Vorjahr
+/-0 -10 +9 -1 -1
Quelle: IGC, Grain Market Report vom 22. September 2022 im Vergleich zum Report vom 18. August, Zahlenangaben in Mio. t, gerundet. Nächster Report: 20. Oktober 2022

Weizenlager der Welt wachsen - vor allem Russland bleibt mehr Weizen über

Hingegen soll die Welt nunmehr mit 792Mio. t um 10 Mio. t oder 1,3% mehr Weizen als im Vorjahr hervorbringen, der Verbrauch aber nur um 0,5% zulegen. Damit folgt auf die nur knapp positive Bilanz der Vorsaison 2021/22 im laufenden Wirtschaftsjahr ein Bestandsaufbau um 6 Mio. t oder gut 36% des Jahresverbrauchs. 5,2 Mio. t mehr von diesem Zuwachs an Weizenlagern sollen in Russland liegen bleiben und nicht auf den Weltmarkt gelangen. Der IGC hob gegenüber August die Ernteprognose Russlands um 5,8 Mio. t auf 93,4 Mio. t an, wovon 36,6 Mio. t ausgeführt werden und das Land zum größten Exporteur machen sollen. Auch die Ukraine soll mit 21,5 Mio. t Weizen (Vorjahr: 33,0 Mio. t) nunmehr 1,1 Mio. t mehr ernten können und davon 13,0 Mio. t ausführen können, wobei auch hier die Endlagerprognose zum Vormonat um 1,7 Mio. t höher ausfällt - also nicht entsprechend mehr auf den Weltmarkt gebracht werden kann.
 
Wie gewohnt hortet China die größten Getreidereserven auf der Welt - nämlich an Weizen 137,5 Mio. t oder gut 48% und an Mais 175,0 Mio. t oder fast 67% - und diese bleiben dem Markt vorenthalten.

Verbrauchsrückgang bei Verfütterung - Ernährung und Industriebedarf wachsen langsamer

Der erstmalige Rückgang des weltweiten Getreideverbrauchs im Jahresvergleich seit 2015/16 um 0,6% beruht auf einem um 2,0% eingebrochenen Einsatzes von Mais für die Verfütterung. Zuwächse - allerdings langsamere als im Durschnitt der vergangenen Jahre - verzeichnen hingegen der Getreideeinsatz für menschliche Ernährung (+0,6%) und industrielle Verwertung (0,1%). 44,8% der Getreideverwendung entfallen auf die Fütterung, 33,2% auf Ernährung und 16,2% auf industrielle Verarbeitung.

Sojabohnenerzeugung erholt sich und Lager wachsen an

Die globale Sojabohnenerzeugung erholt sich laut GMR 2022/23 um 10% auf einen Rekord von 387 Mio. t, während der Verbrauch nur um gut 4% auf ebenfalls einen neuen Höchstwert von 378 Mio. t zulegt und der Endlagerstand deutlich anschwillt.

Preisindices von Weizen, Mais und Reis seit August gestiegen

Erneute Verunsicherung über die Schwarzmeer-Exporte, eine sich neuerlich verengende Maisversorgung aus den USA sowie Restriktionen für Reisexporte aus Indien trieben den vom IGC erhobenen Gesamtindex von Getreide- und Ölsaatenpreisen (GOI) in den fünf Wochen seit dem August-Report um 1,6% (+10,7% zum Vorjahr) in die Höhe. Der Zuwachs des Weizen-Subindex um 6,4% (+12,1% zum Vorjahr) geht vor allem auf das Konto solider Preissteigerungen in Nordamerika ebenso wie der um 2,0% (+12,3% zum Vorjahr) von Mais. Indiens Exportbeschränkungen pushten den Preisindex von Reis im Monatsabstand um 4,1% (+9,4% zum Vorjahr). Lediglich der Subindex von Gerste verlor gegenüber dem Vormonat um 1,2% (+16,0% zum Vorjahr).

Über den Grain Market Report - GMR des IGC

Die Kurzzusammenfassung des GMR auf der Website des IGC stellt neben dem Tabellenwerk eine kurze Analyse der jüngsten Entwicklung der Getreide- und Ölsaatenmärkte sowie der Exportpreise und einen Ausblick auf das weitere Wirtschaftsjahr zur Verfügung.

Die Veröffentlichung des nächsten Berichts ist am 20. Oktober 2022 geplant.

Auf der Website des IGC (Link siehe unten) findet sich tagesaktuelle Information über Exportpreise, weiters eine Übersicht über wöchentlich upgedatete Ozeanfrachtraten sowie der Getreide- und Ölsaatenindex des IGC auf Basis Jänner 2000 = 100.

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