Internationale Getreidekurse pendeln nach Sprung auf hohem Niveau auf und ab

Heimischer Kassamarkt nimmt nach Schockstarre wieder Fahrt in bescheidenem Tempo auf

Wien, 25. März 2022 (aiz.info). - Nach dem sprunghaften Anstieg der internationalen Getreidekurse infolge des Überfalls Russlands auf die Ukraine würden sich diese nun etwas beruhigen, indem sie auf hohem Niveau in einer gewissen Bandbreite auf und ab pendelten. So beschreiben Marktexperten die jüngsten Entwicklungen. Der Kriegsbeginn vor einem Monat hatte auch das Geschehen am österreichischen Kassamarkt vorerst zum Erliegen gebracht. Nunmehr scheinen sich die Beteiligten allmählich wieder von dem Schock zu erholen, und die Handelstätigkeit nimmt wieder in bescheidenem Tempo Fahrt auf.

Die Lage habe sich auch insofern etwas beruhigt, als im Raum stehende Exportbeschränkungen von Staaten im näheren Umfeld Österreichs bisher doch noch nicht schlagend geworden sein sollen. Bei der Versorgung mit inländischem Brotgetreide werde davon ausgegangen, den Anschluss an die neue Ernte schaffen zu können. So seien zuletzt im Inland wieder kleinere Mengen an Brotgetreide, aber auch an Mais gehandelt worden.

Beide Aufmischweizen und Mahlroggen notierten am Mittwoch dieser Woche somit wieder an der Wiener Produktenbörse. Die Kurse fielen zwischen knapp 34 und 48 Euro/t höher aus als zuletzt vor einigen Wochen. Dies gilt ähnlich auch für Futtermais. Obwohl aus Italien bisher auch noch keine Änderung der Rückstandsgrenzwerte bekannt geworden sei, um den Ausfall ukrainischer Maislieferungen durch solche aus Übersee kompensieren zu können, hätten Aufkäufer aus Norditalien aber auch noch mit Abschlüssen in Österreich oder seinem Umfeld gezögert. Dafür hätten die Ölmühlen in und um Österreich wieder die Produktion angeworfen und Schrote auf den Markt gebracht. Für Raps der Ernte 2021 seien dabei Preise über 1.000 Euro/t geboten worden.

Internationales Auf und Ab hält mit jeweiliger Nachrichtenlage an

International geht es mit den Notierungen und Preisen weiterhin vor allem mit den Nachrichten vom Krieg in der Ukraine und seinen Auswirkungen auf die Agrarmärkte auf und ab. Je länger der Krieg dauert und je näher Aussaat und Feldarbeiten in der Ukraine rücken, um so größer wird die Sorge um das Produktionspotenzial der Ukraine. Zudem ist das Land in seinen Exporttätigkeiten vom Seeweg über das Schwarze Meer abgeschnitten - Bahntransporte über die Nachbarländer Moldawien und Rumänien als Alternative sind kein vollwertiger Ersatz, zudem gilt es vorab eine Zollfreiheit zu ermöglichen. Russland versucht zwar Ausfuhren über das Schwarze Meer, soll aber nur weniger als ein Viertel der normalen Kapazität erreichen können.

Weitere Faktoren für die Einschätzung der Märkte sind die Knappheit und hohen Preise von Düngemitteln. Etliche wichtige Produzenten außerhalb Russlands, wie die österreichische Borealis, Nitrogénmüvek in Ungarn oder die norwegische Yara, hätten zudem wegen der Kostenexplosion und Gasknappheit ihre Düngerproduktion zurückgefahren oder vorübergehend gänzlich eingestellt.

Fundamental kommt hinzu, dass sich die Trockenheit in Europa verschärft, in den USA und in Südamerika hingegen eine leichte Entspannung eingetreten ist. US-amerikanische Weizenexporteure könnten zudem nicht im erhofften Ausmaß vom Ausfall der Konkurrenz vom Schwarzen Meer profitieren.

An der Pariser Euronext ging es somit diese Woche neuerlich auf und ab, wobei bei Weizen und Mais die Kontrakte für die kommende Ernte 2022 stärker performten als die für die alte Ernte 2021. Der Schlusskurs des Mai-Weizenkontraktes am Donnerstag dieser Woche legte zum Freitag der Vorwoche um 4,1% auf 376,50 Euro/t zu, schwächte sich aber seit Wochenmitte ab. Der Dezember-Kontrakt gewann im Wochenabstand 5,8% auf 33,25 Euro/t. Der Juni-Mais befestigte sich in diesem Zeitraum um 2,6% auf 333,00 Euro/t und neuer Ernte zur Lieferung im November sogar um 7,9% auf 290,75 Euro/t. Raps zur Fälligkeit im Mai legte um 4,3% auf 978,00 Euro/t zu und übersprang in einem sehr volatilen Wochenverlauf kurzzeitig sogar die Hürde von 1.000 Euro/t. Die neue Rapsernte zum August-Termin stieg bis Donnerstagabend um 3,3% auf 777,50 Euro/t an. Am Freitagmittag korrigierten Weizen und Mais weiter nach unten und Raps holte wieder auf. (Schluss) pos
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