Internationale Getreidemärkte bleiben weiterhin in flachem Sinkflug

Russlands Weizenrekord wird zum Fluch - Nichts los am österreichischen Kassamarkt

Wien, 16. Dezember 2022 (aiz.info). - Viel und billiger Schwarzmeerweizen, Schnee auf den von Trockenheit geplagten Feldern in den USA auf der einen Seite sowie Dürre in Südamerika und anspringende Exporte aus den USA sowie Behinderungen auf der Schwarzmeerroute durch Stürme auf der anderen Seite trieben die Terminmärkte zuletzt hin und her. Der Monatsbericht des US-Agrarressorts zu den globalen Versorgungsbilanzen am vorigen Freitagabend brachte keine signifikanten Trendwenden. An der Euronext bleibt für Weizen, Mais und Raps zum Abschluss der Vorwoche neuerlich ein Minus, der Fronttermin für den Mahlweizen fiel bereits wieder unter die 300-Euro-Marke. Am österreichischen Kassamarkt ist generell weiterhin nichts los. Die von nur kleinen Umsätzen getragenen Notierungen von Premium- und Qualitätsweizen am Wiener Kursblatt gaben gegenüber Ende November spürbar nach.
 
An der Euronext in Paris gab der Schlusskurs für Mahlweizen - mittlerweile hat die Lieferung im März 2023 den Dezember 2022 als Fronttermin abgelöst - zwischen vorigen Freitag und Donnerstag dieser Woche von 302,75 auf 299,00 Euro/t nach. Mais zur Lieferung im März 2023 rutschte im Wochenabstand von 286,575 auf 284,50 Euro/t ab und Raps mit Fälligkeit Februar 2023 von 565,50 auf 558,50 Euro/t. Am Freitagmittag verweilten alle drei Kontrakte neuerlich im zartroten Bereich.
 
Segen der Weizenrekordernte scheint für Russland zum Fluch zu werden
 
Für Russland scheint der Segen einer Rekordernte von Weizen - Schätzungen schwanken zwischen 91 und gut 95 Mio. t - zum Fluch zu werden. Offensichtlich weiß man aus Mangel an Lagerraum nicht, wohin damit außer in den Export. Und die Ausfuhren funktionieren vor allem über den Preis, sodass man sich auf diese Weise die eigenen Erlöse hinunter lizitiert. Das US-Landwirtschaftsministerium prognostizierte dieser Tage einen Weizenexport Russlands von 43 Mio. t. Zudem will man noch dazu jede Menge "Beuteweizen" aus der Ukraine zu Geld machen. So soll das Landwirtschaftsministerium in Moskau nun erwägen, zum einen die bestehende Exportquote von 25,5 Mio. t Weizen anzuheben und zum anderen die Anbaufläche für die Ernte 2023 so weit zu reduzieren, dass man eine Zielgröße von 80 bis 85 Mio. t Weizen anpeilen könne. Laut UNO-Vertretern sollen Verhandlungen über Erleichterungen von Düngemittelausfuhren aus Russland weit gediehen sein - die russische Seite machte dies zu einer der Bedingungen für die Verlängerung des Abkommens über die Schwarzmeer-Exportkorridore.
 
Weiterhin nichts los am österreichischen Kassamarkt
 
Generell ist weiterhin nichts los am österreichischen Kassamarkt. Das war der Tenor der Branchengespräche rund um die dieswöchige Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse. Vereinzelt sei Brotweizen gehandelt worden. Mühlen zeigten zwar Interesse an Rohstoff, wenn dieser den internationalen Entwicklungen entsprechend für sie günstig angeboten werde, doch halte sich auf der anderen Seite die Abgabebereitschaft zu den aktuellen Preisen in Grenzen.
 
Somit notierte die Wiener Produktenbörse am Mittwoch Umsätze mit kleinen Mengen Brotweizen. Die Preise dafür lagen mit 404,00 Euro/t für den Premium und 360 bis 365 Euro/t für den Qualitätsweizen spürbar - zwischen 7,50 Euro/t und 12,50 Euro/t - unter jenen der Letztnotierungen Ende November. Dennoch fällt der Preisabstand des Premiumweizens - mit gut 100 Euro/t zu den aktuellen Euronextkursen von Mahlweizen - und die des inländischen Qualitätsweizens - mit mehr 40 Euro/t - ungewöhnlich groß aus. Sonst blieb das Wiener Kursblatt beim Brot- und auch Futtergetreide leer.
 
Man sei gut mit Futtergetreide und Mais gedeckt, hieß es von Verarbeitern. Zudem bremste - offensichtlich in Erwartung einer noch weiteren Fortsetzung - auf diesen Märkten der Trend zu sinkenden Kursen an der Euronext die Kaufbereitschaft.
 
Kaum etwas los gewesen sei auch am heimischen Ölsaaten- und Eiweißschrote-Markt. Für Soja, Raps- und Sonnenblumenschrote kamen keine Notierungen zustande. Angemerkt wurde die geringe Differenzierung der Quotierungen von Ölsaaten durch die umliegenden Verarbeiter zwischen alter und neuer Ernte.
(Schluss) pos
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