Internationale Weizennotierungen ziehen an - Mais und Soja schwächer

Österreich: Bei aktuell eher verhaltener Nachfrage schon große Weizenmengen verkauft

Wien, 29. November 2019 (aiz.info). - Einzig und allein die Weizennotierungen konnten sich jüngst an den internationalen Warenterminbörsen, allen voran der CBoT in Chicago, halten beziehungsweise befestigen. Obwohl die Ernte beim weltgrößten Produzenten, den USA mit 347 Mio. t oder 31% der globalen Produktion, wegen der wiederholten Wintereinbrüche noch immer nicht zur Gänze eingefahren ist, bleiben Markt und Preise - ebenso wie die im Sojakomplex - in Geiselhaft der sich dahinziehenden ersten Phase der Deeskalation im Handelskrieg zwischen USA und China sowie der politischen Querelen um die Demokratiebewegung in Hongkong.

Weizen dagegen profitiert indirekt davon, weil die Farmer in den USA auf den noch nicht abgedroschenen Flächen nicht mit dem Winterweizen in den Boden kommen und die Anbaufläche damit neuerlich nahe dem über hundertjährigen Tief stagnieren wird. Australien hingegen beschert eine Dürre eine Missernte, Argentinien erlitt alle möglichen Unbilden in der Reihenfolge Frost, Hagel, Dürre sowie nunmehr Regen zur Ernte und in Europa ist es in Frankreich und Großbritannien ebenfalls zu Nass für die Herbstarbeiten und im Schwarzmeerraum zu trocken für einen gedeihlichen, winterfesten Aufgang der Herbstsaaten. Und zuletzt revidierte das russische Agrarressort, der schärfste Exportkonkurrent der EU (siehe: Link intern auf "Russland: Getreideexporte liegen 2019 deutlich unter dem Vorjahr"), die Weizenernte 2019 von 78 auf 75 Mio. t nach unten.

Weizennotierungen an der Euronext wegen Export und Wetteranomalien auf Monatshoch

Mit diesem Anschub erklommen die Weizenfutures an der Euronext in Paris diese Woche Monatshöchststände. Der mittlerweile am meisten gehandelte März-Liefertermin schloss am Donnerstag mit 183,75 Euro/t und der in einigen Tagen auslaufende für Dezember mit 183,75 Euro/t. Da zuletzt auch die russischen Exportpreise wieder fester geworden waren und rege Aufkäufe physischer Ware bei zurückhaltender Abgabebereitschaft von Lagerhaltern auch die Kassamärkte beflügelten, bekamen die Europäischen Weizennotierungen Luft nach oben, auch wenn diese Woche Donnerstag und Freitag die Orientierung aus Chicago fehlte. Dort blieb die CBoT am Donnerstag wegen des Thanksgiving- Festes geschlossen und öffnet am Freitag nur für eine verkürzte Session.

Es heißt an den EU-Kassamärkten, dass sich wegen der Exportnachfrage und zögerlicher Abgabebereitschaft die Prämien an den Kassamärkten auf die steigenden Euronext-Notierungen stabil hielten. Neue Weizenabschlüsse für den Inlandsbedarf hingegen - so auch in Österreich - kämen nur zögerlich zustande, da die geringe Kursdifferenz der späteren Liefertermine zum Frontermin an der Euronext die Abnehmer nicht in Eile versetze.

Weizenexport der EU um 59% über der Vorjahreslinie

Die wöchentlichen Exportzahlen der EU-Kommission für die ersten 21 Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 zum Stichtag 24. November weisen Ausfuhren von 10,774 Mio. t Weichweizen aus. Das ist eine Zunahme zur Vorwoche um 480.194 t und ließ den Vorsprung zum Vorjahreszeitraum über die Woche von 56 auf 59% zunehmen. Bei den Exportpreisen konnte die EU, so die Kommission im Wochenbericht zum Stichtag 27. November, in US-Dollar umgerechnet (1 Euro=1,1301 USD) trotz eines Plus von 1 USD/t zur Vorwoche mit 205 USD/t für Weichweizen fob Rouen verteidigen. Denn Weizen fob Schwarzmeer stieg im selben Zeitraum um 2 USD auf 209 USD/t an und Soft Red Winter fob Golf lässt US-Anbieter mit 238 USD/t (+8 USD zur Vorwoche) weiterhin abgeschlagen die teuersten sein. Der Euro gab im weiteren Wochenverlauf sogar noch etwas weiter auf 1,1009 USD am Freitagvormittag nach. Neben langsameren Ausfuhren aus Russland hat in dieser Saison auch der bedeutende zentralasiatische Exporteur Kasachstan weniger Ware für den Weltmarkt zur Verfügung (siehe: Link intern auf "Kasachstan hat deutlich weniger Getreide auf Lager als 2018/19").

Damit startete der Weizen an der Euronext auch mit einem weiteren leichten Plus für den März-Weizenkontrakt und neutral für den Dezember-Liefertermin in den letzten Handelstag der Woche. Der kurz vor dem Auslaufen stehende Dezember-Future profitierte zuvor auch vom Short-Covering, das heißt vom Glattstellen offener Verkaufspositionen durch Zukäufe. So waren beispielsweise Investmentfonds in der Woche bis 22. November mit 24.091 offenen Verkaufspositionen gegenüber 18.702 offenen Kaufpositionen netto short, reduzierten aber bis dahin diesen Stand binnen Wochenfrist um 4.066 Shortpositionen.

Österreich: Bei aktuell eher verhaltener Nachfrage schon große Weizenmengen verkauft

Heimische Händler berichten, dass auch hierzulande die Weizennachfrage aktuell eher verhalten sei, aber schon große Mengen verkauft worden seien, wie auch schon erste Endabrechnungen der Ernte 2019 zeigten (siehe: Link intern auf "Internationale Weizennotierungen etwas fester - Mais und Soja schwächer"). Diese seien insbesondere im Westen Niederösterreichs im Vergleich zu den aktuellen Ab-Station-Notierungen relativ hoch, wenngleich auch unter Vorjahresniveau ausgefallen. Die Wiener Produktenbörse notierte Premiumweizen am Mittwoch dieser Woche um einen Euro tiefer mit 184 bis 190 Euro/t, wohingegen Qualitätsweizen am unteren Rand um 1 Euro/t auf 173 bis 180 Euro/t anzog. Inlandsware kann damit einen deutlichen Aufschlag auf Qualitätsweizeneinfuhren aus dem EU-Raum verbuchen, obwohl diese CPT Niederösterreich auch etwas - auf 178 Euro/t - zulegten. Nur knapp darunter folgen die Preise für Mahlweizeneinfuhren mit 168 bis 172 Euro/t (+2 Euro/t zur Vorwoche). Die 160-Euro-Marke nicht verteidigen konnte Mahlroggen und gab auf 152 bis 159 Euro/t nach. Einfuhren von Durum in die Steiermark - vermutlich aus Ungarn - wurden inklusive Transport mit 255 Euro/t notiert und entsprächen laut Marktteilnehmern den Beträgen, die zurzeit - wenn Abgabebereitschaft bestünde - für inländischen Hartweizen ab Station in Niederösterreich angelegt werden müssten.

Entgegen dem Kursblatt, das für Futtergerste einen Notierungsverlust von 7,50 Euro/t auf 136 Euro/t ausweist, sprechen Marktteilnehmer von einer Stabilisierung bis hin zu eher anziehenden Futtergetreidepreisen. Futterweizen bewege sich praktisch auf Mahlweizenniveau, Mais bewege sich seitwärts. Die Maisernte in Österreich gelte bis auf wenige Bestände in der Steiermark als eingefahren (siehe: Link intern auf "AMA: Bei Körnermais wurden heuer höhere Hektarerträge erzielt"). Mykotoxinängste hätten sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet - auch nicht in Westkroatien und Ungarn, wo noch bis zu 10% am Stamm stünden.

Raps gab an der Wiener Börse um 1 Euro/t auf 357 bis 362 Euro/t nach und folgte damit der leichten Schwäche der internationalen Leitbörse im kanadischen Winnipeg und der Pariser Euronext. Rapskuchen jedoch notierte etwas stärker. Nachdem ein Eisenbahnerstreik in Kanada, der die Belieferung der Exporthäfen blockiert hatte, zu Ende ging, sprang das Geschäft des weltweit mit 19,5 Mio. t größten Canola-Produzenten (zum Vergleich die EU-Zahlen 2019/20: 16,9 Mio. t Rapsernte, 22,9 Mio. t Verbrauch und 6 Mio. t Defizit beziehungsweise Importbedarf) nun wieder an. (Schluss) pos

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