Märkte blicken bei anziehenden Preisen zunehmend auf kommende Ernten 2022/23

Heimischer Brotweizenmarkt neuerlich belebt - Druck auf Durumpreise

Wien, 8. April 2022 (aiz.info). - Zunehmend rückt die neue Ernte 2022 ins Zentrum des Interesses der Märkte - und dabei diesmal neben üblicherweise der Entwicklung der Bestände die Frage, wie sich der Krieg in der Ukraine auf Ernte und Lieferfähigkeit des Landes niederschlägt. Zudem leeren sich in Westeuropa bei anhaltender Nachfrage die Lager. Abwarten auf hohem Preisniveau herrschte auch vor dem am Freitagabend als wichtiges Signal für die Märkte erwarteten Monatsbericht WASDE des US-Landwirtschaftsministeriums USDA zu den weltweiten Versorgungsbilanzen. Somit ging es an der europäischen Terminbörse Euronext in Paris mit den Weizen- und Maiskursen alter Ernte 2021 in der abgelaufenen Woche bei einem Pendeln um knapp 365 respektive knapp 320 Euro/t seitwärts, und nur Raps zum Maitermin legte um 1,5% auf 946,75 Euro zu. Hingegen ließ Unsicherheit über die neue Ernte sowohl wegen des Wetters als auch des Ukraine-Krieges den Schlusskurs des Pariser Dezember-Weizens von vorigem Freitag auf Donnerstag dieser Woche um 5,8% auf 339,75 Euro/t, den November-Mais um 4,5% auf 298,25 Euro/t und den vom August-Raps um 3,5% auf 823,25 Euro/t anziehen. Am Freitagmittag herrschten an der Euronext zartgrüne Vorzeichen.

An der CBoT in Chicago verzeichneten sowohl Weizen als auch Mais und Sojabohnen über die Woche Notierungsgewinne - auch wegen der Ausfälle von Exporten aus der Ukraine und wegen neuer Sanktionen gegen Russland. Das USDA bewertete am Montag zudem wegen anhaltender Trockenheit lediglich 30% der Winterweizenbestände der USA als gut bis exzellent und stütze die Weizennotierungen, wiewohl aber im weiteren Wochenverlauf Regen den südlichen Weizengebieten Erleichterung verschaffte und die Exportzahlen unter den Hoffnungen des Marktes bleiben. Brasilien - einer der größten Weizenimporteure auf der Welt - soll für die Ernte 2022 im kommenden Winter die Weizenanbaufläche um mehr als 20% und die Ernte auf einen Rekord von gut 10 Mio. t hinaufschrauben. Das Land soll sich in den ersten drei Monaten des Jahres massiv mit Düngemitteln aus Russland und China eingedeckt haben - die Einfuhren seien um mehr als ein Viertel auf über 10 Mio. t in die Höhe geschossen. Die EU-Kommission erwartet aufgrund der Ausfälle von Exporten aus der Ukraine eine Rekordnachfrage nach 40 Mio. t Weizenexport aus der Union im kommenden Wirtschaftsjahr 2022/23.

Russland offeriert indes Weizen aus der alten Ernte 2021 zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt, weil sich Exporteure zum Rubeltief billig mit Ware eingedeckt hätten und der Rubelkurs nun wieder auf Vorkriegsniveau angezogen hat. Ägypten importierte im März mit knapp 480.000 t um fast ein Viertel mehr Weizen aus Russland als im Vergleichsmonat 2021, aus der Ukraine hingegen mit knapp 125.000 t um 42% weniger. 80% der Weizeneinfuhren des weltweit größten Importeurs stammten vor dem Krieg aus den beiden Schwarzmeerstaaten.

Heimischer Brotweizenmarkt neuerlich belebt - Druck auf Durumpreise

In Österreich begann sich der Brotweizenmarkt nach der Beruhigung der starken internationalen Preisausschläge in beide Richtungen und weiterhin rekordverdächtig hohem Niveau wieder zu bewegen. Inländische Mühlen begannen demnach, sich jüngst wieder stärker um die Deckung ihres Anschlussbedarfs an die neue Ernte umzusehen - frei nach dem Motto, ehe es noch teurer werden könnte. Die Erfahrung auf Abgeberseite, dass sie ihre Preisvorstellungen nunmehr durchsetzen könne, habe auch zu entsprechender Abgabebereitschaft geführt. Diese von Inlandsnachfrage getragene Belebung des österreichischen Kassamarkts für Brotweizen mündete am Mittwoch dieser Woche in unveränderte Wiener Qualitäts- und Mahlweizennotierungen von durchschnittlich 400,00 beziehungsweise 385,00 Euro/t und ins Aussetzen der maßgeblich von Auslandsnachfrage getragenen Notierung von Premiumweizen.

Hingegen gab die Notierung von inländischem Durum - wenn auch immer noch auf hohem Niveau im Wochenabstand von 522,50 Euro/t auf 512,00 Euro/t - nach. Es heißt, größere, bisher spekulativ zurückgehaltene Mengen seien auf Lager und sorgten für diesen Preisdruck. Der verbliebene Bedarf der Verarbeiter sei möglicherweise schon kleiner als das Angebot beziehungsweise falle es nach Auflösung von Logistikengpässen wieder leichter, günstigere Ware aus dem Ausland zu bekommen.

Ukraine gibt Vollgas bei Exportlogistik

"Vollgas bei der Logistik", so Marktbeteiligte, gebe die Ukraine dabei, Mais, Futtergetreide und auch Sonnenblumenkerne sowohl per Eisenbahn und Lkw am Landweg als auch zu Wasser über die Donau in den EU-Raum zu verbringen. Dies machte sich nun hierzulande in sinkenden Preisen und Notierungen von Mais sowie auch einer Entspannung bei den Quotierungen der Verarbeiter für Ölsaaten alter Ernte bemerkbar. Dementgegen nimmt aber die Nervosität zu, was die kommende Ölsaatenernte 2022 sowohl frostbedingt in Westeuropa wie in Frankreich als auch kriegsbedingt in der Ukraine betrifft. Die Preise neuer Ernte ziehen an.

Dennoch stehen die neuen Exportwege der Ukraine zu Land entweder über Polen ins weitere Europa und zum Exporthafen Danzig oder über Moldawien und Rumänien zum Donauwasserweg beziehungsweise zu rumänischen Schwarzmeerhäfen vor gewaltigen Herausforderungen: So sollen sich Tausende Güterwaggons an der polnischen Grenze stauen - zum einen, weil sie durch das notwendige Umspuren von Breit- auf Normalspur aufgehalten werden, und zum anderen wegen bürokratischer Schikanen der Polen. Außerdem koste der Transport zu den neuen Exporthäfen bis zum Dreifachen dessen, was bisher zu den Schwarzmeerhäfen der Ukraine fällig war. Die Exportkapazitäten sollen daher auf bis zu ein Viertel der bisherigen Ausfuhrmengen abfallen. Dennoch sei es der Ukraine im März gelungen, 1,1 Mio. t Mais, 390.000 t Weizen und 118.000 t Sonnenblumenöl zu exportieren.

An Weizen sollen in der Ukraine von der letztjährigen Ernte von 33 Mio. t - wovon gut 25 Mio. t für den Export vorgesehen sind - noch etwa 12 Mio. t auf Lager liegen. Davon soll das Land rund 1,5 Mio. t für die eigene Versorgung benötigen. Zusätzliche Sorgen um Lagerraumknappheit auch zur neuen Ernte bereiten Meldungen von Zerstörungen von Getreidelagerstätten durch russische Invasoren.

Die Ukraine steht weiters für 47% der weltweiten Exporte von Sonnenblumenkernen und -öl. Am Weltmarkt hätten nun Ende März die Sonnenblumenölpreise im Jahresabstand um 44% angezogen, Rapsöl sei um 72% teurer geworden, das aus Sojabohnen um 41% und das weltweit wichtigste Pflanzenöl, das Palmöl, um 61%. Olivenöl habe um bescheidene 15% zugelegt.

Sojabohnenkursen an der CBoT kamen Fröste zu Erntebeginn in Argentinien, eine Kürzung der Schätzung von Brasiliens Sojabohnenernte um weitere gut 3 Mio. t auf 122,4 Mio. t sowie der Exporte um ebenso viel auf 77 Mio. t zuhilfe. Mais profitierte von Anbauverzögerungen durch Nässe und Kälte im Osten der USA. (Schluss) pos
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