Mais treibt die Preise anderer Kulturen und China treibt die Maispreise

Preissprünge für Restmengen auch am Kassamarkt in Österreich

Wien, 30. April 2021 (aiz.info). - Mais ist der Treiber der Preise der anderen; und China ist der Treiber der Maispreise. So charakterisierte ein Analyst diese Woche die internationalen Getreide- und Ölsaatenmärkte. Mais ist teurer als Weizen. Auch anhaltend adverses Wetter in den USA und in Brasilien trägt das seine dazu bei, dass zu Beginn der Woche die Rallye an den Terminbörsen ungebremst weiterlief - siehe dazu auch die jüngsten Bilanzprognosen des Internationalen Getreiderates IGC und der EU-Kommission auf aiz.info. Die CBoT in Chicago verzeichnete diese Woche Tageskursgewinne im Limit-up (höchster zugelassener Kursgewinn an einem Handelstag), Notierungen schnellten auf ihre höchsten Stände seit Anfang 2013 hoch. Auch die Euronext in Paris stieg nochmals rasant an. Erst im weiteren Wochenverlauf zeichnete sich mit Regen in Europa und Aussicht darauf in den USA etwas Entspannung an den Wettermärkten ab und streiften vor allem spekulative Anleger Gewinne ein. Der heimische Kassamarkt vollzog die Preissprünge im Handel mit Restmengen alter Ernte nach.

Die Brotgetreideumsätze sind zwar bescheiden, doch stellen Anbieter für noch benötigte Restmengen deutlich höhere Forderungen. Verschärfend dazu gelten die Märkte in und um Österreich schon als ziemlich ausgeräumt und wird Weizen zusätzlich auch noch ins Ausland verkauft. Damit machte am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse vor allem die Notierung von Premiumweizen einen deutlichen Sprung um 6 Euro auf 215 bis 226 Euro/t nach oben.

Preissprünge für Restmengen auch am Kassamarkt in Österreich

Aber auch Qualitätsweizen legte auf 210 bis 216 Euro/t zu. Das hohe Niveau der Euronext-Notierungen forciert auch Aktivitäten in Richtung Preisableitungsmodellen von Euronext, womit sowohl Produzenten als auch Übernehmer Preise für einen Teil der neuen Ernte 2021 absichern. Wie die von Brotgetreide befestigten sich auch die Notierungen von Futtergetreide und Mais sowohl inländischer Herkunft als auch aus dem EU-Ausland neuerlich. Gerste schnellte um 5,50 Euro auf 175 Euro/t empor. Und Futterroggen heimischer Produktion übertrifft mit 160 Euro/t sogar die zuletzt notierten Mahlroggenpreise. Futtermaiseinfuhren aus dem EU-Ausland schnellten CPT Steiermark gar um 12 Euro auf 231 Euro/t in die Höhe. Es heißt, Österreich habe beim Mais auch schon das ganze Umland ausgeräumt.

Eiweißschrote zogen ebenfalls wieder an, und für Raps werden im Wochenabstand gestiegene Quotierungen der Ölmühlen für neue Ernte berichtet. Für Sonnenblumen der Ernte 2021 wären die Verarbeiter "stur" geblieben und trotz der internationalen Preishausse diesmal nicht mehr geboten. Hier habe nur alte Ernte zugelegt, wobei das gehandelte Volumen aus der Kampagne 2020 klein sei. Für Pflanzenbauexperten sei noch spannend, ob die aktuellen Witterungsbedingungen und Preisverhältnisse zwischen den Kulturen die heimischen Landwirte noch dazu motivieren, ihre Frühjahrsaussaat noch stärker als laut den bisherigen Prognosen von Sommergerste auf Sonnenblumen umzulenken. Raps hingegen sei wegen des schlechten Wetters im Frühjahr - Fröste und Trockenheit - nach der Reduzierung der Anbaufläche im Herbst auf weiteren rund 2.000 ha abzuschreiben.

Mais bestimmt globales Börsegeschehen - Starke Gewinne an Euronext auch für Raps

Nach wie vor bestimmen die hohen Maispreise das globale Börsegeschehen auch bei Weizen und im Sojakomplex sowie letztlich für den vor allem in Europa im Mangel verfügbaren Raps. Kurz vor seinem Auslaufen zu Ende der Woche legte der Mai-Rapskontrakt an der Euronext dieser Tage noch nie gesehene, zum Teil nur mehr als erratisch erklärbare Kurssprünge hin. Am Donnerstag schloss er etwa mit einem unglaublichen Plus von 84 Euro/t bei 681,25 Euro/t. Dahinter stecken auch börsentechnische Gründe: Inhaber von Short-Positionen (Verkaufspositionen) als Spekulanten auf sinkende Preise mussten, um einer noch teureren physischen Erfüllung zu entgehen, dieser Tage praktisch jeden Preis akzeptieren, um ihre offenen Positionen mit dem Erwerb von Kaufpositionen glattstellen zu können. "Wer zu spät kommt, den strafen die Börsen", ätzten Beobachter in Anlehnung an althergebrachte Sprichworte, oder: "Den letzten beißen die Hunde."

Der ebenfalls bald aus dem Handel gehende Mai-Mahlweizenkontrakt notierte am Freitagmittag an der Euronext mit einem Plus von 4,50 Euro bei 255,75 Euro/t. Im Wochenabstand der Schlusskurse von vorigem Freitag und Donnerstag dieser Woche legte er um 15 Euro oder 6,3% zu. Der zurzeit am stärksten gehandelte September-Weizenfuture lag am Freitag mit 219 Euro/t ganz leicht im Plus und etwa auf dem Niveau zu Ende der Vorwoche und der für Dezember mit 218,50 Euro/t ebenso. Mais zur Lieferung im August war am Freitagmittag bei 238,75 Euro/t, das sind 2 Euro mehr als am Vortag und ein Wochengewinn von 2,86% oder 6,50 Euro zwischen Freitag der vorigen und Donnerstag dieser Woche.

Maisfuture gewann 2021 an CBoT 37% an Wert - Weizen folgt mit 16%

Mais zog an der CBoT in Chicago im Verlauf von 2021 um 37% an, Weizen folgte mit immerhin noch 16% Preissteigerung auf den höchsten Wert seit Februar 2013. Denn während die globale Weizenbilanz als recht komfortabel gilt, schmelzen die Maisendlager seit Jahren ab. Vom Rekordstand bei 351,81 Mio. t zu Ende der Saison 2016/17 sollen sie am Ende von 2020/21 um fast ein Fünftel auf 283,85 Mio. t geschrumpft sein. Anzeichen, dass sich dieser Prozess gegenüber bisherigen Prognosen noch beschleunigt und auch im kommenden Wirtschaftsjahr 2021/22 fortsetzt, heizen die Nervosität weiter an.

Den Weizenkursen an der CBoT half auch auf die Sprünge, dass das USDA die Bonitierung der US-Weizenbestände überraschend stark um 4% im Wochenabstand auf nur mehr 49% "sehr gut" oder "gut" zurücknahm.

Importeure in Asien wechseln von Mais zu Weizen - Weizen ersetzt auch Soja

Die seltene Tatsache, dass Mais teurer als Weizen ist, lässt viele, vor allem asiatische Länder, die auf Importe für ihre Futtermittelversorgung angewiesen sind, anstatt Mais vermehrt Weizen am Weltmarkt zukaufen. So war diese Woche Mais aus der Schwarzmeerregion zur Lieferung nach Asien im August c&f (cost&freight, Warenwert und Frachtkosten) mit 305 bis 310 USD/t (252,32 bis 256,45 Euro) quotiert, wohingegen Weizen dieser Herkunft für die asiatischen Käufer schon um 290 USD/t (239,91 Euro) zu haben war.

Damit findet auch höherwertiger Brotweizen mit 12,50% Protein zusätzliche Absatzwege. Beispielsweise tätigen laut Agenturmeldungen unter Berufung auf Prognosen des US-Agrarministeriums USDA die drei großen Maisimporteure China, Südkorea und Vietnam zusammen 26,4% der weltweiten Einfuhren - 68,2 Mio. t von 179,98 Mio. t. Dies zeigt, in welchem Ausmaß die weltweit gehandelten Mengen sich zwischen Mais und Weizen verschieben, wenn der eine auch nur zum Teil vom anderen substituiert wird. Dies könnte trotz des zurzeit eher mauen Brotweizengeschäfts laut Marktteilnehmern letztlich doch noch dazu führen, "dass die Mühlen dann Augen machen werden, wenn sie im Mai oder Juni noch Brotweizen mit 12,50% Eiweiß suchen". Die hohen Weizenpreise beruhten somit nicht nur auf Spekulation, sondern stünden auch von den Verbrauchszahlen her auf soliden Beinen.

Mehr Weizen in den Futterrationen bedeutet auch mehr Protein und in der Folge weniger Bedarf an Eiweißkomponenten wie Sojaschrot, wobei sich die Sojabohnenversorgung global auch schon als knapp erweisen könnte. So wird aus den USA - zusammen mit Brasilien größter Sojaexporteur der Welt - der skurrile Fall berichtet, dass der Fleischriese Perdue in Brasilien 31.450 t Sojabohnen gekauft habe - offensichtlich dürfte das Angebot in den USA schon weitgehend ausverkauft oder das brasilianische Angebot um so viel billiger sein.

Hohe Weizenpreise schrecken aber auch Importeure ab

Gleichzeitig schreckt das Hoch der Weizenpreise Käufer ab: Am Dienstag stornierte Ägyptens staatliche Getreideagentur GASC eine Ausschreibung einer unbestimmten Menge Weizen zur Lieferung zwischen 11. und 20. August. Das billigste Angebot über eine Schiffsladung von 60.000 t kam mit einem fob-Preis (Ware, verladen aufs Schiff am Ausgangshafen) von 268,47 USD/t (222,10 Euro) aus Rumänien. Frankreich war in dem Tender mit einem billigsten, wegen der rapiden Preissteigerungen aber nur wenige Stunden befristeten Offert von 289,75 USD/t (239,70 Euro) dabei. Noch früher im April kaufte Ägypten Weizen noch um 232,90 bis 234 USD/t (192,67 bis 193,58 Euro) ein. Damals kamen Lieferanten vom Schwarzen Meer zum Zug. Jordanien erhielt für eine Ausschreibung für 120.000 t Futtergerste nur ein Angebot und tätigte ebenfalls keinen Zuschlag.

Weizenzoll bremst Exportaktivitäten vom Schwarzen Meer und Inlandspreise

Russische Exporteure dürften aber als Folge der Exportpolitik der Regierung in Moskau zurzeit sehr zurückhaltend sein, Anbote für Liefertermine in neuen Wirtschaftsjahr abzugeben. Denn eine neue, ab 2. Juni in Kraft tretende Berechnungsformel für ein permanentes Schema von Exportabgaben auf Weizen, Gerste und Mais mache Kalkulationen über längere Zeit bei der gegenwärtigen Volatilität der Märkte unberechenbar. So werde die russische Regierung laut Agenturen mit der neuen Formel etwa für Weizen ab dem Juni 70% der Differenz zwischen einem Basispreis des Weizens und dem Betrag von 200 USD/t (165,45 Euro) als Exportsteuer einheben. So liegt in dieser Woche dieser Basispreis bei 267,90 USD/t (221,62) . Daraus errechneten sich pro Tonne exportierten Weizens 47,50 USD/t (39,30 Euro) Abgabe.

Die Analysten Sovecon und IKAR sprechen von einem unterschiedlich starken Anstieg der Exportpreise für russischen Weizen mit 12,50% Protein im Schwarzmeerhafen Noworossijsk seit der Vorwoche um 17 USD/t auf 265 USD/t (14,06 auf 219,23 Euro) beziehungsweise nur um 6 USD auf 253 USD/t (4,96 auf 209,30 Euro). Jedenfalls bremse das Exportregime die Nachfrage in Russlands Exporthäfen so stark, dass die Inlandspreise für Weizen binnen Wochenfrist lediglich um 2 bis 3 USD/t (1,65 bis 2,48 Euro) angezogen hätten.

Algerien schloss diese Woche mit einer kolportierten Menge von 200.000 bis 360.000 t einen für seine Verhältnisse kleineren Weizendeal, wofür ein C&f-Preis von 326,50 USD/t (262,22 Euro) kolportiert wurde. Zur Herkunft wird über Deutschland, Polen und die baltischen Staaten gemunkelt.

CBoT befeuert Volatilität und hebt ab 2. Mai Limits für tägliche Kurssprünge an

Nachdem die CME (Chicago Mercantile Exchange) schon Mitte März das Limit für die Anzahl von Positionen, die nichtkommerzielle, also spekulative Anleger an den einzelnen Agrarderivaten an der CBoT (Chicago Board of Trade, weltweit führende Agrarterminbörse) halten dürfen, angehoben hat, folgt nun ab 2. Mai Ähnliches für die Limits der täglich erlaubten maximalen Kurssprünge. Demnach dürfen beginnend mit dem Handelstag 3. Mai die Kurse der Weizen Soft Red Winter und Hard Red Winter um höchstens 45 Ct/bu (Cents pro bushel, entspricht 16,53 USD/t bzw. 13,05 Euro/t) anstatt bisher 40 Ct/bu (14,70 USD/t bzw. 12,18 Euro/t) steigen (sogenanntes Limit-up) oder um ebenso viel fallen (Limit-down), ehe der Handel kurzfristig ausgesetzt wird. Das neue Limit für Mais wird 40 Ct/bu (15,75 USD/t bzw. 13,05 Euro/t) statt der bisher 25 Ct/bu (9,84 USD/t bzw. 8,15 Euro/t) und das von Sojabohnen 100 Ct/bu (36,74 USD/t bzw. 30,44 Euro/t) nach 70 Ct/bu (25,72 USD/t bzw. 21,31 Euro/t) betragen. Auch weitere Futures wie auf Sojamehl und -öl oder Hafer könne ab da in einem breiteren Preisband gehandelt werden. Die CME beziehungsweise CBoT prüft die Limits zweimal pro Jahr im Mai und November. Die aktuelle Erhöhung der Limits folgt mehreren Limit-ups und auch Limit-downs in einem extrem volatilen Agrarfuturehandel während der letzten Tage. Sowohl die Möglichkeit stärkerer spekulativer Engagements als auch noch stärkerer Kurssprünge tragen zu noch volatileren Märkten bei. (Schluss) pos

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