Mais- und Ölsaatenmärkte leiden unter Wirtschaftsflaute und externen Märkten

Weizen trotz Ukraine-Deal fester - Sinkende internationale Preise beleben heimischen Markt

Wien, 18. November 2022 (aiz.info). - Die Verlängerung des Abkommens über sichere Exportkorridore am Schwarzen Meer am Donnerstag - kaum zwei Tage vor seinem Auslaufen - zog zwar weltweit Erleichterung nach sich, wurde an den internationalen Weizen-Terminmärkten aber trotz zuletzt gesunkener Tendenz nicht einheitlich mit weiteren Kursverlusten beantwortet. Die Euronext in Paris legte am Donnerstag und Freitag zu und am Freitag ebenso die CBoT in Chicago, nachdem dort der Weizen am Donnerstag noch verloren hatte. Die Mais- und Ölsaatenmärkte, von Sojabohnen bis hin zu Raps, hingegen korrigieren weiter nach unten. Sie leiden unter Wirtschaftsflaute und Konsumenthaltung mit sinkender Nachfrage nach industriell verarbeiteten Produkten, wie Stärke oder Pflanzenölen, und Futtermitteln als Folge gedrosselter Fleischproduktion sowie unter schwächeren Rohölpreisen. Am heimischen Kassamarkt hätte das sinkende internationale Preisniveau Bewegung ins Geschehen gebracht.
 
Während an den Maismärkten fundamental auch der Eindruck einbrechenden Verbrauchs stärker wiegt als der Rückgang der Produktion und der Endlager, drückt auf die Ölsaatenmärkte neben dem sinkenden Rohölpreis der Bestandaufbau bei Sojabohnen. Noch stützend auf die US-Notierungen wirkten dagegen die Sojanachfrage vom Weltmarkt und jüngst auch angesprungene Maisausfuhren.
 
Weizen findet Unterstützung von Fundamentaldaten
 
Dem Weizen halfen fundamental sich weiter verschlechternde Ernteprognosen in Argentinien und Qualitätssorgen Australiens sowie eine gesenkte Endbestandsprognose des Internationalen Getreiderates IGC. Die Märkte in der EU stehen unter dem Eindruck, dass die Belieferung aus der Ukraine mit Mais, Ölsaaten und Sonnenblumenöl doch besser funktioniert als bisher befürchtet und für ausreichend Angebot - vor allem auf dem aus Eigenproduktion heuer schier unterversorgten EU-Maismarkt - sorgt. Laut den Wochendaten der EU-Kommission zum Außenhandel über die ersten 20 Wochen des Wirtschaftsjahres 2022/23 hat die Union zum Stichtag 13. November 10,85 Mio. t Mais importiert, das ist ein Zuwachs zum Vorjahreszeitraum um 127,3%. Ein Plus von 9,5% in diesem Vergleichszeitraum verzeichneten dementgegen die Weichweizenexporte der Union mit einem Stand von 13,35 Mio. t, obwohl die EU 2022 um rund 2,5% weniger Weizen eingefahren hat als im Vorjahr.
 
Strategie Grains sieht EU-Bilanzen komfortabel
 
Die französische Analyse Strategie Grains sieht in ihrer jüngsten Ausgabe vom November als Folge von sinkender Nachfrage, von Importen aus der Ukraine und einem reichlichen und billigen Angebot aus Russland die Versorgungsbilanzen der EU für Weizen, Gerste und Mais 2022/23 komfortabel und die Bestände beachtlich. Für 2023 seien die Aussaat und Aufgangsbedingungen im Norden der Union bisher gut, in Südosteuropa und Spanien hingegen schwieriger.
 
Weizen hält sich an Euronext am festesten - Raps kurzfristig unter 600-Euro-Marke
 
An der Euronext in Paris gab der Schlusskurs für Mahlweizen zur Lieferung im Dezember zwischen vorigem Freitag und Donnerstag dieser Woche in Summe mäßig von 327,25 auf 324,50 Euro/t nach, um am Freitagmittag noch 5,00 Euro/t zuzulegen. Mais zur Lieferung im Jänner 2023 verlor im Wochenabstand von 320,00 auf 305,50 Euro/t und war Freitagmittag um 4,75 Euro/t im Plus. Schließlich rutschte Raps mit Fälligkeit Februar 2023 im Wochenverlauf unter die 600-Euro-Marke und brach von 636,25 auf 599,50 Euro/t ein, erholte sich aber bis Freitagmittag wieder um 9,25 Euro/t über die 600-Euro-Benchmark.
 
Sinkende internationale Preis beleben Marktgeschehen in Österreich
 
Die sinkenden internationalen Preise hätten die Geld- und Briefkurse am österreichischen Kassamarkt - nunmehr auch für spätere Liefertermine - näher zueinander und somit Bewegung ins Geschehen gebracht, lautete der Tenor der Marktbeteiligten rund um die Notierungssitzung der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche.
 
Wegen der Erholung des Wasserstandes auf der Donau und zahlreicher verfügbarer Eisenbahnwaggons hätten sich außerdem Importe von Mais und Ölsaaten sowie Sonnenblumenöl aus entfernteren Herkünften wie der Ukraine belebt. Dies schließe zunehmend die Lücke in der Versorgung aus den schwachen Maisernten in der Region und stimuliere in der Folge die Abgabebereitschaft lokaler Lagerhalter. Letztlich würden sowohl Mischfuttererzeuger als auch andere industrielle Maisverarbeiter mit Absatzrückgängen rechnen, weil die hohe Inflationsrate und schlechte allgemeinwirtschaftliche Stimmung die Konsumlust bremsten und die tierische Veredelung ihre Produktion zurückfahre.
 
Vor diesem Hintergrund gaben die Wiener Notierungen von Premiumweizen etwas und die von Ölkuchen und Eiweißschroten recht deutlich nach.
 
Etliche Marktbeteiligte begrüßten, dass nun auch der Ackerbau mit flächenbezogenen Beiträgen in die Finanzierungbasis der AMA-Gütesiegel einbezogen werde und nun Marketing für österreichisches Getreide und seine Verarbeitungsprodukte möglich werde.
(Schluss) pos
Bereitgestellt vom AIZ