MARS-Report senkt wegen Trockenheit im Osten und Südosten EU-Maiserträge

Österreichs Ernte kleiner - Weniger Mais bei nahe gelegenen Lieferanten - Teurer Transport

Wien, 21. September 2021 (aiz.info). - Der Wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission (JRC Joint Research Center) reduziert in seinem am Montag veröffentlichten monatlichen MARS (Monitoring Agricultural Ressources)-Bulletin die Erwartung für die Erträge aus der bevorstehenden Körnermaisernte in der EU. Demnach nimmt der Report gegenüber August die Prognose für den durchschnittlichen Hektarertrag in der Union um 1,5% von 7,90 auf 7,78 t zurück. Dies übertrifft den Fünfjahres-Schnitt um 0,3% und die 7,30 t/ha von 2020 um 6,5%. Die Abwärtsrevision betrifft vor allem Mittel-Osteuropa und den Südosten, das sind jene Regionen, aus denen Österreich große Mengen Mais zur industriellen Verarbeitung bezieht. Dementgegen fallen die Aussichten in Frankreich, Deutschland und Polen rosiger aus, können schlechtere Erträge im Osten und auch hierzulande aber nicht kompensieren. Österreichs Körnermaisertrag wird auf 10,6 t/ha geschätzt, bleibt damit um 6,5% unter dem Vorjahresergebnis und mit 0,1% noch knapp über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Dies wird aber im Ernteergebnis die Ausdehnung der Körnermaisfläche - laut AMA-Angaben um 3% auf 194.926 ha - auch nicht aufwiegen können.

Südliche und südöstliche Regionen der EU litten unter anhaltend trockenen Verhältnissen, oftmals begleitet von hohen Temperaturen, die das Ertragspotenzial von Sommerungen negativ beeinflussten, so der Wissenschaftliche Dienst. Diese verstärkten die seit August herrschende Dürre. Konkret ist das in Teilen Italiens, Ungarns, Rumäniens, Bulgariens und Griechenlands sowie der südlichen Türkei der Fall. Niederschlagsüberschüsse begünstigten Sommerungen in Ostdeutschland und Polen, verzögerten dort aber die frühe Herbstaussaat. Regen verbesserte zwar die Aussichten für die im Frühjahr bestellten Kulturen im südlichen Russland, jedoch blieben große Teile Zentralrusslands und des Ostens zu trocken und heiß und erwarten unterdurchschnittliche Erträge. In der Ukraine hingegen waren die Sommerungen Hitzestress nicht ausgesetzt und profitierten von ausreichend Bodenfeuchtigkeit, sodass das Land auf überdurchschnittliche Erträge hoffen darf.

Weniger Körnermais bei österreichnahen wichtigen Lieferanten - Höhere Transportkosten

Konkret setzt der MARS-Report bei Österreichs wichtigsten Lieferanten die Körnermaiserträge in Ungarn mit 6,63 t/ha um 23% niedriger als im Vorjahr und um 18% unter dem Fünfjahres-Schnitt an. Kroatien kommt auf ein Minus von 16% zu 2020 sowie von 11% zu den letzten fünf Jahren, die Slowakei auf minus 10%, aber 1,5% über dem fünfjährigen Schnitt und Tschechien auf minus 6,9% respektive 8,8% mehr als die letzten fünf Jahre. Von den weiter entfernten Destinationen soll Rumänien um 41% mehr Körnermais als 2020 und um 2,4% über dem Fünfjahres-Schnitt einfahren, Bulgarien um 21% mehr als vor einem Jahr, aber um 3,1% weniger als im vergangenen halben Jahrzehnt und Polen um 0,6% mehr als 2020 und 8,8% mehr als den Fünfjahres-Durchschnitt.

Wie jüngst vor dem Start der Nassmaiskampagne in Österreich von Verarbeitern verlautete, werde man diesmal wegen der knappen Rohstoffversorgung im näheren Umfeld auf weiter entfernte Herkünfte wie eben Polen zurückgreifen müssen. Aktuell hohe Transportkosten verteuerten den Rohstoff zusätzlich, sodass auch für Mais inländischer Produktion entsprechende Preise erwartet werden könnten. Österreich muss bei einem sich aus diesen Zahlen errechnenden Rückgang der Eigenproduktion auf heuer 2,07 Mio. t gut 1 Mio. t (2020/21: knapp 900.000 t) Körnermais importieren, um seinen Bedarf decken zu können. In den vergangenen Jahren wurde die industrielle Verwertung von Mais - etwa zu Stärke, Ethanol oder Zitronensäure - stark ausgeweitet.

Niedrigere heimische Hektarerträge bei Soja und Rüben - jedoch größere Fläche

Zuwächse der Hektarerträge zum Vorjahr in der gesamten EU und gleichzeitig Rückgänge in Österreich weist der MARS-Report auch für Sojabohnen (EU: +5,8%, Österreich: -3,5%), jedoch laut AMA bei einem Flächenzuwachs von 11% auf 75.786 ha, bei Zuckerrüben (EU: +11%, Österreich: -7,8%), wobei die heimische Rübenfläche im Jahresabstand um 44% auf 37.852 ha zulegen konnte, und bei Erdäpfeln (EU: +2,8%, Österreich: -9,1%) aus. Lediglich die Aussichten für die Hektarerträge von Sonnenblumen verbesserten sich sowohl in der Union um 18% als auch hierzulande um 13%, wobei in Österreich mit auf 24.827 ha auch um 6% mehr Ackerland mit Ölsonnenblumen bestellt wurde. (Schluss) pos

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