Nachfrage nach physischer Ware befestigt Weizenpreise auch in Österreich

Nach weiterem Einbruch am Montag erholen sich vor allemWeizenterminmärkte

Wien, 19. März 2020 (aiz.info). - Die Weltwirtschaft fürchtet im Bann der Corona-Pandemie eine Rezession. Die Finanz- und Rohstoffmärkte - beim Erdöl verstärkt durch den Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland - brechen weiterhin ungebremst ein. Quarantänemaßnahmen und damit verbundene Produktionsstopps sowie insbesondere Unterbrechungen von Lieferketten und Güterverkehr treffen die Realwirtschaft. Nach einem neuerlichen "Schwarzen Montag" für die Agrar-Terminbörsen, der vor allem im Sog des Absturzes der Rohölpreise die Rapsnotierungen an der Euronext traf, setzte bis Wochenmitte insbesondere bei den Pariser Weizenfutures eine Erholung ein. Dahinter stehen Fundamentaldaten und vor allem die Tatsache: Die Menschheit muss essen. Die Kassamärkte zeigen sich überhaupt stärker, denn: Die Nachfrage sowohl am Binnenmarkt - die Menschen kaufen mehr als üblich ein - als auch der von gesunkenen Terminmarktnotierungen angezogenen Importeure am Weltmarkt ist stark. Getrieben von Nachfrage im Inland wie auch aus Italien zogen am Mittwoch dieser Woche auch die Brotgetreidenotierungen an der Wiener Produktenbörse an, und dies deutlich über Euronext-Niveau. Die Versorgung sowohl der inländischen als auch der italienischen Mühlen aus Österreich funktioniere, so Marktteilnehmer. Schwierig sei sie aus Ländern wie Ungarn, Kroatien, Serbien oder Slowenien.

Die Brotgetreidepreise am österreichischen Kassamarkt stiegen ungeachtet der Terminmärkte infolge von Nachfragen aus dem Inland und aus Italien mit frischen Abschlüssen. Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche - anstatt in der üblichen Notierungssitzung auf Basis schriftlicher Anträge - Premiumweizen mit 185 bis 197 Euro/t und Qualitätsweizen (176 bis 185 Euro/t) sowie Mahlroggen (150 bis 159 Euro/t) höher als in der Vorwoche. Dabei zeigt sich auch ein deutlicher "Inlandsbonus" gegenüber Einfuhren aus dem EU-Raum und gegenüber der Euronext. Knackpunkte allgemein sind die Verfügbarkeit von Ware und vor allem deren Logistik.

Lieferungen aus Österreich nach Italien seien laut Marktteilnehmern weiterhin am Laufen. Auch die Versorgung der inländischen Mühlen sei kein Problem. Schwierigkeiten gebe es aber, mit Ware aus Ungarn, Kroatien, Serbien und Slowenien nach Italien und auch nach Österreich zu kommen. So ließen etwa die Restriktionen Ungarns viele Frächter Italien nicht mehr anfahren, obwohl im Güterverkehr innerhalb der EU keine Höhere Gewalt geltend gemacht werden könne. Zum Warenverkehr aus Tschechien und der Slowakei sind widersprüchliche Aussagen zu hören, er solle jedoch schwieriger geworden sein.

Auch Futtergerstenpreise und deren Notierung (136 bis 146 Euro/t) zogen an, Schweinehalter würden sich Vorräte anlegen, wohingegen sich Mais (140 bis 145 Euro/t) kaum befestigt. Hotspot seien Ölsaaten und Sojaschrot. Einerseits wegen der unsicheren Zufuhr von Rohstoffen aus Ungarn zu heimischen Ölmühlen und andererseits, weil auch die Belieferung mit Sojaschrotimporten - neben deren internationalen Verteuerung nach Verzögerungen in argentinischen Häfen zusätzlich verschärft durch Schleusenwartungsarbeiten am Rhein-Main-Donau-Wasserweg - stehe. Es heißt, die inländischen Mischfutterwerke seien aber noch für rund einen Monat bevorratet, es kamen keine Abschlüsse und Notierungen an der Wiener Börse zustande.

Vor allem Euronext-Weizen nach zweitem "Schwarzen Montag" erholt - Starker Export aus EU

Sowohl die Kurse an der CBoT als auch an der Euronext in Paris fielen am zweiten "Schwarzen Montag" im Sog des allgemeinen Börsenabsturzes und eines neuerlichen Ölpreisverfalls auf neue mehrmonatige Tiefstwerte. Der Mai-Weizenkontrakt schloss bei 175,25 Euro/t, Raps zur Lieferung im Mai sackte gar um 17 Euro auf 335 Euro/t ab und der Juni-Mais auf 161 Euro/t. Eine deutliche Erholung erfuhr seitdem der Weizenkontrakt. Am Montag legte er um 4 Euro, am Dienstag um weitere 4,75 Euro auf 184 Euro/t und am Mittwoch bis zum späten Mittag um nochmals 3,25 Euro auf 187,25 Euro/t zu. Dahinter stecken vor allem Fundamentaldaten wie auch anhaltend brüske Exportnachfrage: Die Weichweizenexporte der EU auf den Weltmarkt erreichten laut EU-Kommission in den 37 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres (2019/20) 22,202 Mio. t. Sie liegen damit um 72% über der Vorjahreslinie, wobei die Ausfuhren ihren Vorsprung zum Jahr davor in den vergangenen zwei Wochen um weitere 12% ausbauen konnten. Die Weizen- und Maisausfuhren der USA blieben hingegen in der jüngsten Berichtswoche schwach. Deutlich zulegen konnten nur Sojabohnen.

Die intensiven Aufkäufe für die Verschiffung von Weizen in Drittländer stärken auch die Kassamarktpreise in der EU. Verladungen für die Türkei, den Iran oder afrikanische Staaten in deutschen Häfen steigerten die Aufpreise für Weizen mit 12,5% zur Euronext-Notierung aktuell auf 6 bis 7 Euro/t.Niedrigere Weizennotierungen beleben zudem die Nachfrage von Importeuren, ihre Lager mit Einkäufen am Weltmarkt aufzustocken.

Den Weizenausfuhren der Union kommt zugute, dass der Euro in den letzten Tagen auf unter 1,10 US-Dollar gefallen ist. Noch mehr gegenüber dem US-Dollar wertete aber zuletzt der russische Rubel im Zuge des Ölpreisverfalls auf unter 30 USD/t seit Jahresende 2019 um mehr als 17% ab. Damit verliert er auch gegenüber dem Euro und stärkte ebenfalls die Wettbewerbsfähigkeit russischer Weizenexporte auf dem Weltmarkt.

Mais und Raps konnten sich weniger erholen. Raps machte am Dienstag an der Euronext mit einem Kursgewinn von 8,75 Euro zwar etwas mehr als die Hälfte des Vortagesverlusts wieder wett, kam aber danach kaum mehr über gut 344 Euro/t hinaus.

Weizenlager der Exporteure leeren sich - 2020 kleinere Ernten in Europa

Fundamental stützt die Weizenmärkte weiters, dass im Gegensatz zu den weltweit komfortablen Versorgungsbilanzen, sich 2019/20 die Lager der wichtigen Exporteure stark leeren. Die Weizenreserven der EU sollen demnach auf deutlich unter 10% ihres Jahresverbrauchs fallen - ein eindeutig bullishes Signal für Terminmärkte. Zudem sprechen alle Marktberichte davon, dass wegen der extremen Nässe in Frankreich und auch Großbritannien die Weizenernte der EU-28 2020 kleiner ausfallen wird als 2019. Der EU-Getreidehandelsverband Coceral spricht von einem Minus von 7%, die französische Analyse Strategie Grains nannte kürzlich 6,6%. Auch wichtige Exporteure vor der Haustür wie die Ukraine blicken kleineren Ernten entgegen: Laut den nationalen Experten von IAE um 12% weniger Weizen und 10,3% weniger Mais.

Ölpreisverfall trifft Mais und mit den Pflanzenölen vor allem Raps

Die Rohölsorte Brent wurde von der Corona-Krise und dem Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland binnen eines Monats um 52% auf zuletzt 27,59 USD/Barrel nach unten gerissen. Dieser Einbruch drückt vor allem auf die eng mit dem Öl zusammenhängenden Agrarmärkte von Ausgangsstoffen für die Energiegewinnung: Das sind die Mais- und Pflanzenölmärkte. Etwa 40% der US-amerikanischen Maisernte - mit 348 Mio. t und 31% Anteil an der gesamten globalen Produktion die weitaus größte - werden zu Ethanol verarbeitet. Und in den USA stellt ein Werk nach dem anderen den Betrieb wegen der unwirtschaftlich gewordenen Spannen ein. Somit stehen die Notierungen von Mais am wichtigsten Handelsplatz, der CBoT in Chicago, unter Druck. Im Sog der Pflanzenöle erwischte es trotz der extremen Unterversorgung in der EU insbesondere die Pariser Notierungen von Raps als Ausgangsstoff von Biodiesel. (Schluss) pos

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