Nachfrage sorgt für vorweihnachtliche Bullenstimmung am Getreideweltmarkt

Lockdown lässt heimischen Kassamarkt hinter internationalem Trend nachhinken

Wien, 18. Dezember 2020 (aiz.info). - Reduzierte Prognosen für die weltweiten Endlager von Weizen, Mais und Ölsaaten aufgrund sehr reger Weltmarktnachfrage, insbesondere in der EU sehr enge Versorgungsbilanzen, Trockenheit in Südamerika, den USA und Osteuropa - Russland etwa spricht von den schlechtesten Aufwuchsbedingungen für Wintersaaten seit mehr als einem Jahrzehnt - sowie nicht zuletzt die Restriktionen der Ausfuhren des weltgrößten Weizenexporteurs Russland durch Kontingentierung und Exportabgaben sowie Streiks in Argentinien sorgten vor Weihnachten für ein Kursfeuerwerk an den internationalen Getreide-Terminbörsen. Trotz leichter Befestigungen blieben die heimischen Kassamarktnotierungen an der Wiener Produktenbörse mit einigem Abstand hinter dieser Entwicklung.

Notierte Mahlweizen an der Euronext in Paris am Freitagmittag der letzten Woche vor Weihnachten für den März-Liefertermin mit einem Plus von 1,50 Euro bei 208,75 Euro/t, schaffte es Mahlweizen an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche bei einem Plus von 2 Euro gerade einmal auf 193 bis 195 Euro/t und Qualitätsweizen auf 185 bis 191 Euro/t. Ähnlich sieht es auch mit den Wiener Mais- und Rapsnotierungen im internationalen Vergleich aus. Scheint der Weltmarkt von einem starken Nachfragesog der sich erholenden Wirtschaft Chinas stimuliert zu werden, dürften hierzulande und auch am wichtigen Exportmarkt Italien der Corona-Lockdown mit Gastronomieschließungen und darniederliegendem Tourismus Nachfrage und Preisen einen Deckel aufsetzen.

USDA senkt Prognosen für weltweite Weizen-, Mais- und Ölsaatenendlager

Jüngst hob das US-Landwirtschaftsministerium USDA in seinem Dezember-WASDE die Schätzung der weltweiten Weizenernte 2020/21 zum Vormonat um knapp 1,3 Mio. t auf den Rekordwert von fast 774 Mio. t an, setzte aber gleichzeitig auch den Verbrauch um 5,1 Mio. t hinauf. Damit verringern sich die Bestandszunahme und die Endbestandsprognose um jeweils fast 4 Mio. t. Die Erntezahlen fallen vor allem für Australien höher aus, weiters auch für Russland und Kanada. Die angehobenen Konsumprognosen gehen auf das Konto von mehr Verfütterung und Inlandsverbrauch in China, Australien und der EU. Nach wie vor liegt rund die Hälfte der globalen Weizenreserven von fast 42% eines Jahresverbrauchs in China, auf das auch mehr als 10 Mio. t der weltweit insgesamt knapp 16 Mio. t Zuwachs der Weizenendlager entfallen. Einen Bestandsabbau erwarten im laufenden Wirtschaftsjahr die USA und auch die EU, wobei die Weizenreserven der Union auf knapp unter 10% des Verbrauchs abschmelzen. Größter Weizenexporteur diese Saison soll Russland mit 40 Mio. t sein, gefolgt von den USA mit fast 27 Mio. t und der EU, die diesmal nur 26 Mio. t ausführen können soll.

EU exportiert trotz kleinerer Weizenernte - Weltmarktnachfrage stützt Preise

Die zur Dämpfung des Inlandspreisniveaus verhängten Exportrestriktionen Russlands könnten die Weizenausfuhren nach Expertenmeinungen gegenüber der USDA-Prognose um rund 2 Mio. t verringern. Die Märkte reagierten auf die ab Mitte Februar in Kraft tretenden Exportbeschränkungen vorerst geteilt: Die einen meinten, russische Exporteure würden das Zeitfenster der kommenden Wochen noch für verstärkte Verkaufsbemühungen nutzen. Andererseits stiegen aber die Exportpreise von russischem Weizen unmittelbar nach Ankündigung der Beschränkungen, sodass Russland etwa beim jüngsten Weizentender Ägyptens nicht mehr zum Zug kam. Händler berichten nämlich, dass die russischen Zollbehörden mit verschärften bürokratischen Hürden schon jetzt die Ausfuhren zu bremsen versuchten.

In den Startlöchern, sich dadurch größere Marktanteile zu sichern, stehen vor allem die Exporteure in den USA. Aber auch aus der 2020 mit 135,8 Mio. t um 12% kleiner als im Jahr davor ausgefallenen Weizenernte der EU-28 laufen die Drittlandexporte überproportional gut. Denn bei einem im Jahresabstand um fast ein Drittel geschrumpften Weizenausfuhr-Potenzial lagen die Weichweizenexporte nach 24 Wochen des Wirtschaftsjahres 2020/21 laut EU-Kommission nur um 17% hinter der Vorjahreslinie. Dem tut auch ein gegenüber dem US-Dollar erstarkter Eurokurs keinen Abbruch. Verantwortlich für die Bullenstimmung ist eine starke Nachfrage nach Weizen aus der Union aus Nordafrika, aber auch ungewöhnlicherweise aus China.

Die französische Analyse Strategie Grains sagt der EU-27 (erstmalig ohne Vereinigtes Königreich) 2021 eine Erholung der Weichweizenproduktion von 119 auf 130 Mio. t voraus. Während eine enge Versorgungslage 2020/21 noch stimulierend auf die Weizenpreise der EU wirke, könne eine schwerere Bilanz 2021/22 die Preise wieder drücken. Aktuell notiert etwa Weizen der Ernte 2021 an der Euronext in Paris zur Lieferung im Dezember 2021 mit 190,50 Euro/t um 18,25 Euro niedriger als der vorderste Liefertermin März aus der Ernte 2020.

Importeure stocken strategische Weizenreserven auf und befeuern Bullenstimmung

Laut Marktinsidern relativiere zurzeit die Kauflust wichtiger Importländer die Faustregel, dass weltweite Weizenlagerbestände über 20% des Verbrauchs als preisdämpfend gelten würden. Der rege Welthandel und das Streben der Käufer, ihre strategischen Weizenreserven in unsicheren Zeiten der Pandemie aufzustocken, dürfte diese Marke nach oben verschieben. Ähnlich preistreibend wirkt dies auch auf die internationalen Mais- und Sojabohnenmärkte.

Neuerlicher Abbau der Maisbestände

Neuerlich auf einen Bestandsabbau auf unter 25% des Verbrauchs steuert der globale Maismarkt zu, wobei das USDA gegenüber dem Vormonat die Produktionserwartung leicht senkt und den Verbrauch etwas anhebt, sodass sich der Endlagerabbau gegenüber dem November-Bericht um fast 2,5 Mio. t verstärkt. Die EU wird demnach bei einer Maisernte von 63,7 Mio. t wiederum 19 Mio. t Mais importieren müssen, um ihren Bedarf decken zu können. Größter Lagerhalter mit sogar fast zwei Dritteln der weltweiten Maisreserven ist wiederum China.

Bei etwas höheren Produktionserwartungen und noch stärker angehobenen Verbrauchsprognosen würden laut USDA die Vorräte der Welt an allen Getreidearten 2020/21 abnehmen - und das stärker als noch vor einem Monat angenommen.

Ölsaatenlager schrumpfen - Weniger Soja in USA und weniger Raps in EU

Den Ölsaaten sagt der WASDE-Report 2020/21 ebenso einen Bestandsabbau voraus, wobei die Sojaendlager der USA auf den niedrigsten Stand seit 2013/14 - aber immer noch weniger als von den Märkten erhofft - absinken sollen. Beim Raps kompensiert eine nach oben revidierte Ernte Australiens nach unten korrigierte Zahlen für die EU und Kanada nur zum Teil. (Schluss) pos

Bereitgestellt vom AIZ