Optimistischere Ernteschätzungen kühlen internationale Preise ab

Nachfrage nach Weizen als alternative Eiweißquelle stützt heimische Preise

Wien, 26. März 2021 (aiz.info). - Zunehmend optimistische Prognosen für die kommenden Ernten 2021/22 sowie Anzeichen einer sich abschwächenden kurzfristigen Exportnachfrage nach Weizen, aber auch Gerüchte, Russland könnte seine Exportbeschränkungen wieder fallen lassen, kühlten die hitzigen Notierungen an den internationalen Warenterminbörsen für Getreide, Mais und Ölsaaten in den letzten Tagen etwas ab. Bestimmend für die Märkte bleibt nach wie vor eine starke - global von China angeführte - Nachfrage aus der Verfütterung, wobei hier auch Weizen als alternative Proteinquelle gesucht wird. So belebt auch am österreichischen Kassamarkt die Nachfrage nach Weizen hoher Proteingehalte für die Mischfutterproduktion das ansonsten von den Corona-Lockdowns in Gastronomie und Tourismus gebremste sowie ohnehin saisontypisch ruhigere Brotweizen-Geschäft mit den Mühlen und stützt die Preise.

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London hob am Donnerstag in seinem Grain Market Report (GMR) vom März die Zahlen für die globale Produktion von Weizen, Mais, Getreide insgesamt sowie von Sojabohnen im laufenden Wirtschaftsjahr 2020/21 zwar gegenüber dem Vormonat an, senkte aber mit Ausnahme der Sojabohnen die Endlagerschätzungen. Denn gleichzeitig revidiert der Rat die Verbrauchszahlen noch stärker nach oben als die der Ernten, die ein Plus von 39 Mio. t für alles Getreide erreichten sowie bei Weizen, Mais und Gerste Rekordmarken. Damit fallen die Endlager von allem Getreide das vierte Jahr in Folge und stärker als bisher angenommen und fällt der Bestandsaufbau bei Weizen kleiner aus als vor Monatsfrist angenommen.

In der ersten vollen Prognose für die kommende Ernte und Saison 2021/22 kommt der IGC neuerlich auf Rekordmengen an Weizen und Mais bei einer weiter steigenden Produktion von Getreide und Mais insgesamt. Dabei wächst auch der Verbrauch für Ernährung, Fütterung und industrielle Verwertung neuerlich, sodass am Ende von 2021/22 die gesamten Endlager von Getreide und Mais auf gleicher Höhe erwartet werden nach 2020/21. Innerhalb der einzelnen Früchte sollen die Weizenendlager neuerlich anwachsen und die von Mais weiter abschmelzen.

Getreide- und Ölsaatenpreise im März leicht gesunken und dennoch deutlich über Vorjahr

Quer durch alle Märkte, insbesondere aber aufgrund jener von Weizen und Gerste, sank der Getreide- und Ölsaatenpreis-Index des IGC (GOI) gegenüber zum Vormonat um 3,2%, blieb aber immer noch um 38,8% höher als ein Jahr zuvor. Anzeichen einer sich beruhigenden kurzfristigen Exportnachfrage und gute Ernteaussichten für 2021/22 hätten den Subindex von Weizen im März um 6,1% (+15,8% zum Vorjahr) gedrückt. Teilweiser saisonaler Erntedruck aus Argentinien habe den Mais-Subindex um 1,6% (+50,2% zum Vorjahr) sinken lassen und schwächere Preise ebenfalls in Argentinien und in Brasilien schickten den von Sojabohnen um 2,8% (+55,0% zum Vorjahr) nach unten. Der Gersten-Subindex verlor gegenüber Februar um 5,5%, blieb aber auch noch 29,7% über der Vorjahresmarke.

Euronext: Weizennotierungen beruhigt - Nahezu Äquivalenz mit Mais - Raps über 500 Euro

Nach teils erratischen Sprüngen auf über 250 Euro/t des in der ersten Märzhälfte ausgelaufenen März-Mahlweizenfutures an der Euronext in Paris hat sich der nunmehrige meistgehandelte Frontmonat Mai bis am Freitagmittag dieser Woche auf 213,75 Euro/t abgekühlt. Die neue Ernte zur Lieferung im September hielt da bei 194 Euro/t und mit Liefertermin Dezember bei 195,25 Euro/t. Damit verringert sich auch der zuvor ungewöhnlich hohe Abstand zu den Wiener Brotweizennotierungen. Am Mittwoch dieser Woche setzte die Produktenbörse für Premiumweizen ein Preisband von 213 bis 215 Euro/t und für Qualitätsweizen von 210 bis 214 Euro/t fest. Auffallend auch, dass Weizen an der Euronext kaum mehr höher als Futtermais - dessen Juni-Kontrakt war am Freitagmittag bei 211,50 Euro/t - hält. Nach wie vor deutlich über der 500-Euro-Marke der Maikontrakt von Raps, wenngleich auch mit aktuell 517,75 Euro/t unter den Spitzenwerten. Auch hier kommt die starke Nachfrage aus dem Futtermittelsektor zum Ausdruck, wobei die vor allem in der EU extrem knappe Versorgung mit Öl- und Eiweißfrüchten zum Tragen kommt.

Die Landwirtschaftskammer weist darauf hin, die derzeitigen - allerdings stark schwankenden - Notierungen an den Terminmärkten könnten aktuell zur Absicherung der Preise für einen Teil der Ernte 2021 bei Raps in einer Höhe der Erzeugererlöse jeweils netto zwischen 400 und 410 Euro/t sowie bei Qualitätsweizen bei 170 bis 175 Euro/t genutzt werden.

Nachfrage nach Weizen als alternative Eiweißquelle stützt heimische Preise

So heißt es auch am österreichischen Markt, die Knappheit beziehungsweise hohen Preise von Extraktionsschroten ließen die Suche nach alternativen Eiweißquellen auf Premiumweizen erstrecken. Marktteilnehmer meinen, dies habe die wegen Corona und der Lockdowns in Gastronomie und Tourismus schwerer befürchtete Versorgungsbilanz von Premiumweizen deutlich leichter und nunmehr ausgeglichen werden lassen.

Dies stütze die Preise nicht nur von Futtergetreide und Mais, sondern eben auch der höheren Brotweizenqualitäten. Weiters heißt es, dass die Preise am österreichischen Kassamarkt internationalen Trends nach oben nicht nur langsamer und vorsichtiger folgten, sondern auch bei Trends nach unten eine gewisse Stabilität zeigten. Inländischer Futterweizen in Brotweizenqualität schloss sogar nahezu an die Notierungen der Aufmischweizen an, und auch Einfuhren aus dem EU-Ausland liegen auf diesem Niveau. Dem Vernehmen nach sei aus dem benachbarten Ausland Futtergetreide zuletzt wieder etwas lebhafter angeboten worden und notieren nach einer Beruhigung der Preishausse auch Ölkuchen und Extraktionsschrote wieder.

EU-Weizenmarkt ausverkauft - 2021 Erholung der Ernte und nach wie vor wenig Lager

Der Weizenmarkt der EU insgesamt gilt nach der schwachen Ernte 2020 und dennoch heftiger Exporte als stark ausverkauft. So weist der IGC für 2020 eine Weizenernte der EU-27 von 124,4 Mio. t aus, wovon bei einem Verbrauch von 102,8 Mio. t und Ausfuhren von 28,9 Mio. t Endlager von 10,4 Mio. t gerade einmal gut 10% - weltweit sind es über 38% - übrig bleiben sollen. 2021 soll sich die Ernte laut den Londoner Experten zwar auf 136,8 Mio. t Weizen (Weichweizen und Durum) erholen, aber mit einem deutlichen Anstieg des Verbrauchs auf 110,6 Mio. t und des Exports auf 30,1 Mio. t die Reserve am Jahresende nur auf 11,9 Mio. t oder knapp 11% anwachsen.

Die EU-Kommission geht 2021 auch von einer Zunahme der Weizenernte in der Union aus, nämlich um 8% zum Vorjahr auf 127,7 Mio. t Weichweizen. Das läge um 4% über dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Rapsernte bleibe demnach sehr klein und unterdurchschnittlich bei knapp 16,7 Mio. t.

Sojabohnen: Global 2020/21 Lagerabbau und 2021/22 moderater Aufbau

Für die globalen Sojabohnenbilanzen fällt die Schätzung des IGC für das laufende Jahr 2020/21 negativ aus, nachdem die Ernte den Rekord von 2018/19 leicht verfehlte, der Produktionszuwachs zum Vorjahr von 7% den wachsenden Sojahunger der Welt aber nicht stillen kann. Vor allem die US-Sojavorräte sollen als Folge heftiger Exporttätigkeit signifikant schrumpfen. Die hohen Preise sollen den Anbau 2021/22 mit einem Flächenzuwachs von 4% stimulieren und einen neuen Produktionsrekord von 383 Mio. t erlauben. Nahezu ebenso stark wachsender Verbrauch soll aber nur einen moderaten Bestandsaufbau erlauben. (Schluss) pos

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