Regen in Europa und Australien dämpft Weizenmärkte

Endauszahlungspreise für Ernte 2019 in Österreich

Wien, 10. Juni 2020 (aiz.info). - Zwar revidiert der EU-Getreidehandelsverband Coceral die Prognose für die Weizenernte 2020 in der EU und im Vereinigten Königreich auf zusammen weniger als 130 Mio. t nach unten und dämpfen Dürre und Hitze in Südrussland die Ertragserwartungen und lassen die Weizenexportpreise in den russischen Häfen anziehen, doch dämpften unter dem Strich die Regenfälle in Europa und Australien, langsamere Exporte aus Frankreich im Mai sowie verbesserte Ernteaussichten in den USA in den letzten Tagen die internationalen Weizennotierungen. In Österreich bleibt der Markt ruhig, die Landwirtschaftskammer veröffentlichte Endauszahlungspreise für die Ernte 2019.

Zu den dämpfenden Faktoren an den internationalen Weizenmärkten kam ein stärkerer, die Konkurrenzfähigkeit von EU-Weizen am Weltmarkt schwächender Euro. Allgemein erwarteten die Märkte zur Ableitung frischer Trends die Veröffentlichung des monatlichen WASDE-Berichts des US-Landwirtschaftsministeriums zu den globalen Versorgungsbilanzen am Donnerstagabend. Der Dezember-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris notierte am Mittwochmittag nach Tagen der Abschwächung wieder leicht im Plus bei knapp 187 Euro/t und damit etwas unter dem Schlusskurs des Mittwochs der Vorwoche von 187,25 Euro/t. Der Ex-Ernte-Preise widerspiegelnde September-Liefertermin hielt zu Wochenmitte bei 185 Euro/t. Raps, für den Coceral die Ernteprognose ebenfalls herabsetzte, gab jedoch für den August-Termin auf gut 376 Euro/t nach.

Drei Wochen vor Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 beliefen sich die Weichweizenausfuhren der EU einschließlich Großbritanniens auf 32,316 Mio. t - um 65% mehr als vor Jahresfrist. Russland und Ägypten sind dabei beziehungsweise nehmen sich für das kommende Wirtschaftsjahr vor, ihre staatlichen Weizenreserven aufzustocken.

Ungewöhnlich während der Erntezeit schrieb deshalb Ägypten diese Woche den zweiten Weizentender innerhalb von 14 Tagen zur Lieferung zwischen 12. und 22. Juli aus. Laut Agenturberichten hätte die staatliche Getreideagentur GASC lediglich vier, allesamt aus Russland stammende Angebote bekommen. Das billigste davon hätte 216,90 USD/t (192,05 Euro/t) fob ausgemacht, das teuerste 223 USD/t (197,45 Euro). Vor zwei Wochen sei das niedrigste Angebot aus der Ukraine noch bei 210 USD/t gelegen (185,94 Euro).

Den politischen Streitigkeiten zum Trotz kauft China weiterhin eifrig Sojabohnen in den USA ein und ließ an der CBoT in Chicago die Sojakurse weiter steigen. Für in US-Dollar verrechnete Sojaschroteinfuhren in die EU dämpft der stärker gewordene Euro die Verteuerung.

Endauszahlungspreise für Ernte 2019 in Österreich

Das Geschehen am österreichischen Kassamarkt bleibt ruhig, und gegenüber Abschlüssen für die neue Ernte herrscht wegen Unsicherheit, was Ertrag und Preise bringen werden, weiterhin bei Abgebern und Abnehmern starke Zurückhaltung.

Indes wird die alte Ernte 2019 abgerechnet. Die Landwirtschaftskammer erhob Endauszahlungspreise in dem von vielen Landwirten genutzten Pool-Abrechnungssystem. Dabei liefern die Produzenten ex Ernte ihre Ware an den Vermarktungspartner, erhalten eine Akontozahlung und nach der Saison eine Endabrechnung mit allenfalls erfolgsabhängigen Nachzahlungen.

Laut Kammer wären diese Preise - netto - mit den Endauszahlungen für die Ernte 2019 für Weichweizen (Erntemenge +20%), für Premiumweizen bei 150 bis 169 Euro/t (Ernte 2018: 159 bis 172 Euro/t), Qualitätsweizen 142 bis 161 Euro/t (Ernte 2018: 149 bis 163 Euro/t) und Mahlweizen 137 bis 146 Euro/t etwa auf Niveau des Jahres davor gelegen, ebenso wie die für Sommerbraugerste (165 bis 187 Euro/t, Erntemenge Sommergerste -7%) und Sojabohnen (315 Euro/t, Erntemenge +2%. Im Jahresvergleich höhere Preise seien für Durum (195 bis 215 Euro/t, Erntemenge -12%), Raps (337 bis 345 Euro/t, Erntemenge -11%)und Sonnenblume (310 Euro/t, Erntemenge -1%) bezahlt worden, niedrigere hingegen für Mais (Futtermais 120 bis 130 Euro/t, Körnermaisernte +8%), Mahlroggen (110 bis 128 Euro/t, Erntemenge +7%) und Futtergerste (115 bis 126 Euro/t, Wintergerstenernte +28%). Für Ethanolgetreide - Weizen oder Triticale - hätten Produzenten mit 142,50 Euro/t Preise wie im Durchschnitt für Mahlweizen bekommen. Generell sei Vertragsware besser bezahlt worden als freie. (Schluss) pos

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