Russland verwirrt die Märkte mit seinem Raus und Rein bei Getreidedeal

Wiener Premiumweizen-Notierung entfernt sich ungewöhnlich stark von Euronext

Wien, 4. November 2022 (aiz.info). - Russland verwirrte in der abgelaufenen Woche die Märkte mit seinem Ausstieg aus dem Getreidedeal für sichere Exportrouten über das Schwarze Meer, dann doch wieder mit dem Einstieg und zuletzt damit, die Verlängerung des Abkommens über den November hinaus neuerlich in Frage zu stellen. Dies sendete die Notierungen an den internationalen Terminmärkten hinauf und hinunter, fundamentale Marktdaten, wie die verdorrte Weizenernte in Argentinien oder Trockenheit beim Herbstanbau in den USA, traten in den Hintergrund. Von einem nach wie vor lustlosen Markt war nach den Herbstferien in Österreich rund um die dieswöchige Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse die Rede.
 
Die russische Führung scheint hin- und hergerissen zwischen der Absicht, den Wettbewerber Ukraine vom Weltmarkt abzudrängen, und dem Interesse, die Exportroute über das Schwarze Meer doch sinnvollerweise offen zu halten, um auf diesem Weg die eigene Rekordernte von Weizen auf den Markt bringen zu können. Denn dafür fehlt im Land der Lagerraum und deren Verkauf - ebenso wie der von Dünger – bringt dringend benötigtes Geld.
 
Wiener Premiumweizen-Notierung entfernt sich ungewöhnlich stark von Euronext
 
Ein bisschen Geschäft mit Brotweizen zur Deckung naher Liefertermine laufe zwar kontinuierlich, obwohl sich die Verarbeiter gut gedeckt zeigten. Längerfristigen oder größeren Geschäften gingen die Marktteilnehmer aber wegen der schwer kalkulierbaren künftigen Entwicklungen aus dem Weg. Dennoch legten am Mittwoch dieser Woche die Wiener Brotweizennotierungen zu, insbesondere Premiumweizen machte einen deutlichen Sprung und entfernte sich ungewöhnlich weit von den Mahlweizennotierungen an der Euronext in Paris. Mit 430 Euro/t an der Oberkante des Preisbandes rangierte der Premiumweizen um fast 90 Euro/t über den Weizenkursen an der Euronext zur Wochenmitte.
 
Ruhig seien zuletzt auch die Märkte von Futtergetreide und Mais geblieben. Mischfutterwerke hätten es nicht eilig. Die Verarbeiter von Mais hätten offensichtlich über den Winter hinweg Rohstoff. Die Defizite aus den Ernten in Ungarn und hierzulande würden entweder mit Lieferungen aus der Ukraine und aus Polen oder durch das Rückfahren der Produktionskapazitäten ausgeglichen.
 
Somit hätten sich in der EU bisher weder beim Weizen noch beim Mais eklatante Defizite aufgetan oder hätte das Tauziehen um den Getreidedeal für die Schwarzmeer-Exporte die Märkte hierzulande nervös werden lassen - man warte einfach ab. Zuwarten habe es jüngst auch an den Ölsaatenmärkten in und rund um Österreich geheißen.
(Schluss) pos
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