Sorge um Erträge lässt Terminmärkte für neue Ernten 2022 heiß laufen

Moderate Brotgetreideumsätze in Österreich - Erster Getreidezug aus Ukraine in Österreich

Wien, 6. Mai 2022 (aiz.info). - Eine Hitzewelle in Indien, das um die kommende Weizenernte fürchtet und Gerüchte um einen Exportstopp aufkommen lässt, weiterhin schlechte Bonitierungen der Winterungen in den USA sowie eine verzögerte Frühjahrsaussaat, Trockenheit in Südamerika und zuletzt auch in Frankreich aufkeimende Furcht vor Trockenschäden ließen diese Woche nach einer Abkühlung die Terminmärkte für die neue Ernte 2022 wieder heiß laufen. Die EU-Kommission schätzt die Weizenexporte der Union 2022/23 zwar weiterhin auf hohem Niveau, reduzierte aber gleichzeitig die Ernteerwartung wegen Trockenheit in einigen Regionen um 1,2 Mio. t. Ebenso nahm sie die Prognose für die Maisernte um 0,6 Mio. t zurück. 

Zudem zeichnet sich als Ziel der russischen Aggression gegen die Ukraine immer deutlicher ab, dass auch die Ausschaltung des Mitbewerbers Russlands auf den internationalen Agrarmärkten ein Ziel des Krieges ist. Es mehren sich Berichte von der Zerstörung der ukrainischen Schieneninfrastruktur - auf der nicht nur Waffen ins Land gelangen, sondern auch nach Schließung der Schwarzmeerhäfen zunehmend die Ausfuhren von Getreide, Mais und Ölsaaten erfolgen, sowie über Diebstähle von Getreidelagern in besetzten Gebieten. Als Ergebnis des dieswöchigen Gipfels zur Sicherheit der Lebensmittelversorgung berichtete Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, im Zuge der Verstärkung von Rohstofflieferungen aus der Ukraine sei ein erster Zug der ÖBB Rail Cargo mit Futtermais in Aschach eingetroffen.

Von moderaten Umsätzen mit Brotgetreide in der abgelaufenen Handelswoche ist am österreichischen Kassamarkt die Rede. Der noch nicht gedeckte Restbedarf der Mühlen bis zum Anschluss an die neue Ernte sei saisonüblich aber nur mehr überschaubar. Die Notierungen an der Wiener Produktenbörse blieben am Mittwoch dieser Woche ziemlich stabil. Interesse herrsche allerdings an Weizen der kommenden Ernte, und es seien trotz zurückhaltenden Angebots auch Abschlüsse getätigt worden. Allerdings wurde neuerntiger Brotweizen weder aus inländischem Anbau noch aus Einfuhren aus dem EU-Raum notiert. Preisnotierungen von Futterweizen-Käufen aus der Ernte 2002 im EU-Umfeld lassen aber auf anhaltend hohe Preise schließen. 

Die wieder aufgenommenen Importe aus der Ukraine von Futtergetreide, Mais und Ölsaaten hätten jedoch bei diesen Produkten einen gewissen Preisdruck ausgeübt. Da aber gleichzeitig am Markt Verwirrung herrsche, ob Serbien jetzt Exporte auch nach der Wahl blockiert oder nicht, hätten Verarbeiter hierzulande zumindest weitere Maiseinkäufe getätigt.

Die jüngsten Lieferungen von Sonnenblumen und Sojabohnen aus der Ukraine hätten dementgegen den Kaufwillen von Ölmühlen für Rohstoff alter Ernte aus regionaler Herkunft völlig zum Erliegen gebracht. So seien sogar bestehende Kontrakte deswegen storniert, die Verarbeitung stillgelegt, allenfalls vorhandener Rohstoff weiterverkauft sowie die im Juni üblichen Zeitfenster für Wartungsarbeiten großzügig ausgedehnt worden. (Schluss) pos
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