Spekulation um Schwarzmeer-Export überlagert schlechtere globale Ernteprognosen

Die Spekulation, dass unter Vermittlung von UNO und Türkei noch am Freitag ein Abkommen zur Öffnung von Exportkorridoren über das Schwarze Meer sowohl für die Ukraine als auch für Russland unterzeichnet werden könnte, überlagerte zum Wochenausklang sämtliche Nachrichten über eine sich verknappende Versorgungslage durch Ernteausfälle auf der ganzen Welt (siehe Bericht zu IGC). Nachdem zumindest an der Euronext in Paris am Donnerstag eine spürbare Erholung der Weizen- und Maisnotierungen eingetreten war, wendeten sich die Kurse an der Euronext und der CBoT in Chicago in den tiefroten Bereich.

Verunsicherung lähmt heimischen Kassamarkt - Abgeber halten sich zurück

Wien, 22. Juli 2022 (aiz.info). - Die Spekulation, dass unter Vermittlung von UNO und Türkei noch am Freitag ein Abkommen zur Öffnung von Exportkorridoren über das Schwarze Meer sowohl für die Ukraine als auch für Russland unterzeichnet werden könnte, überlagerte zum Wochenausklang sämtliche Nachrichten über eine sich verknappende Versorgungslage durch Ernteausfälle auf der ganzen Welt (siehe Bericht zu IGC). Nachdem zumindest an der Euronext in Paris am Donnerstag eine spürbare Erholung der Weizen- und Maisnotierungen eingetreten war, wendeten sich die Kurse an der Euronext und der CBoT in Chicago in den tiefroten Bereich - am Freitagmittag etwa der September-Weizenkontrakt in Paris mit 15,75 Euro/t Verlust auf 335,00 Euro nach der Erholung am Donnerstag auf 350,75 Euro/t. Auf der Verliererseite stehen auch die Rapsnotierungen. Die internationale Verunsicherung und Logistikengpässe in ganz Europa sowie Verkaufszurückhaltung lähmten zuletzt auch wieder den österreichischen Kassamarkt.

Im Verlauf der Woche machte der russische Präsident Wladimir Putin einen Deal zur Öffnung der ukrainischen Getreideexporte von einer Paketlösung mit der Linderung von Sanktionen gegen russische Agrarausfuhren abhängig. "Wir werden den Export von ukrainischem Getreide unterstützen, gehen aber davon aus, dass alle Beschränkungen für den Export von russischem Getreide aufgehoben werden", so Putin. Ein derartiger Deal zeichnete sich schon vergangenen Freitag ab (siehe Bericht von aiz.info "Feilschen um Öffnung von Ukraine-Exporten hält Getreidemärkte in Atem"), als das US-Finanzressort die Aufhebung von Sanktionen gegen russische Agrar- und Düngemittelausfuhren zugesagt hatte und in weiterer Folge auch die EU ähnliche Lockerungen beschlossen hat. Dennoch war noch von einem dornigen Weg bis zu einem unterschriftsreifen Abkommen und gar erst dessen Realisierung die Rede. Jedenfalls reiste UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Freitag für eine mögliche Unterzeichnung in die Türkei. Letztlich geht es dabei um die Aufhebung der Blockade Russlands der ukrainischen Schwarzmeer-Häfen, die Garantierung und Überwachung sicherer Seewege sowie um die russische Forderung von Kontrollen ukrainischer Schiffe, damit diese als Rückfracht nicht Waffen ins Land brächten. Für die Sicherung der Seewege und die Kontrolle von Schiffen brachte sich die Türkei ins Spiel. Russland geht es des Weiteren darum, Banken, Reedereien und Versicherungsunternehmen zu versichern, dass die Abwicklung seiner Agrar- und Düngerexporte nicht gegen die über das Land verhängten Sanktionen verstießen.

Da, so der Wissenschaftliche Dienst der EU-Kommission, halb Europa von Dürre und einer Hitzewelle betroffen ist, nimmt das Bangen um die Erträge des im Herbst zu erntenden Maises immer stärker zu. Aber auch die schon weit fortgeschrittene Ernte der von Getreide wie Weizen ist betroffen. So spricht Frankreich von nicht berauschenden Weizenmengen bei allerdings für das Land guten Proteinwerten von 11,0%. Schwächere Mengenerträge werden in vielen anderen europäischen Ländern von Deutschland bis Osteuropa und im Süden befürchtet. Stetig nach oben revidiert hingegen Russland seine Weizenprognosen auf zuletzt schon deutlich mehr als 90 Mio.t, jedoch werden dementsprechend schwache Proteinwerte kolportiert. Die Weltmarktnachfrage ist stark - diese Woche kaufte Ägypten zum Teil ohne Ausschreibungen an die 800.000 t Weizen, wovon große Mengen aus der EU stammen sollen.

Verunsicherung lähmt heimischen Kassamarkt - Abgeber halten sich zurück

Bestehende Nachfrage, aber Logistikengpässe und eine unsichere Versorgungslage ließen während der auf vollen Touren laufenden Ernte in und rund um Österreich die Produzenten und Lagerhalter "sich auf ihre Ware setzen", heißt es. So sei aktuell Futtergetreide aus der Ukraine nachgefragt, es stocke aber die Lieferung über den Landweg ebenso wie von den Häfen im Donaudelta über das Schwarze Meer oder flussaufwärts, wo zusätzlich Niederwasser den Schiffsverkehr behindert. Die EU selber könne auch nicht wie üblich den internationalen Gerstenbedarf - etwa aus Saudi Arabien - bedienen.

Vor diesem Hintergrund kamen am Mittwoch an der Wiener Produktenbörse zwar einige Notierungen für Brotgetreide aus der Ernte 2022 mit sinkender Tendenz und für alterntigen Futtermais zu festeren Preisen zustande, es lägen ihnen aber keine großen Mengen zugrunde. Abgeber seien nicht bereit, die zurzeit - vor allem beim Weizen wegen der internationalen Signale - niedrigeren Gebote zu akzeptieren.

Aus Ungarn etwa werde von schlechten Weizenerträgen berichtet. Erste Befürchtungen machen die Runde, die Regierung Orban könne deshalb sowie wegen der zurückhaltenden Abgabebereitschaft ungarischer Produzenten und inflationärer Lebensmittelpreise im Land die Grenzen für Agrarausfuhren dicht machen. In Österreich werden sehr unterschiedliche, teils unterdurchschnittliche Weizenerträge mit weniger Protein als im Vorjahr kolportiert. Die Proteinwerte könnten dem teuren und knappen Düngerangebot geschuldet sein. Auch die Rapserträge werden als eher unterdurchschnittlich gehandelt. (Schluss) pos

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