Trotz Prognose leichterer Bilanzen stoppt IGC-Report Erholung der Getreideterminmärkte

Österreich: Premium- und Qualitätsweizen steigen weiter - Donau-Niederwasser Hoffnung für Mais

Wien, 25. Oktober 2019 (aiz.info). - Wintereinbruch und Nässe, die die Ernte in den USA behindern, Trockenheit in Australien, Argentinien und Teilen Europas einschließlich Niederwasser auf den Wasserstraßen in unseren Breiten, eine Entspannung zwischen den USA und China und rege Nachfrage auf den Exportmärkten, allerdings mit hartem Preiswettbewerb, sind nach wie vor die Zutaten für die Preisbildung an den Getreidemärkten. Die Erholung der Terminbörsen in den vergangenen Wochen wurde jüngst von der Angst vor einer Blase und vor nachlassendem Exportgeschäft der EU sowie dann am Donnerstag vom monatlichen Grain Market Report (GMR) des Internationalen Getreiderates IGC zumindest einmal gestoppt. Laut dem IGC-Report stieg aber zuvor der Getreide- und Ölsaaten-Index (GOI) der weltweiten Exportpreise seit dem letzten Bericht im September um 4,1% (-3,7% zum Vorjahr) auf rund ein Dreimonats-Hoch.

Wie selektiv die Terminmärkte solche Reports aufnehmen und interpretieren, zeigt, dass der IGC die globalen Versorgungsbilanzen 2019/20 von Weizen, Mais, Getreide insgesamt und Sojabohnen zwar leichter als im Vormonat prognostiziert, der Blick der Märkte aber nur darauf fiel, dass neben den um 2 Mio. t oder 0,09% nach unten revidierten Schätzungen der Getreide- und Maisernten auch der Verbrauch um ebenso viel niedriger angesetzt wird. Die Börsen in Chicago (CBoT) und Paris (Euronext) reagierten darauf mit Kursverlusten. Der Dezember-Mahlweizenkontrakt an der Euronext fiel am späten Donnerstagnachmittag um 1 Euro/t auf einen Schlusskurs von 180 Euro/t, um am Freitagmittag einen weiteren Euro zu verlieren. Druck auf die Notierungen an der CBoT übten weiters enttäuschende Wochendaten vom US-Weizenexport, ein gestiegener US-Dollar und unter den Erwartungen gebliebene Sojabohnenverkäufe nach China aus.

Am heimischen Kassamarkt stiegen bei ruhigem Geschäftsverlauf die Wiener Premium- und Qualitätsweizennotierungen diese Woche neuerlich und taten sich angesichts des Ansteigens der Transportkosten für Maiseinfuhren auf dem Wasserweg leichte Hoffnungsschimmer für die bisher unter Druck gestandenen Maispreise auf.

Premium- und Qualitätsweizen weiter befestigt - Durum steil im Anstieg

Am Mittwoch dieser Woche zog an der Wiener Produktenbörse der Premiumweizen um durchschnittlich 3 Euro/t auf 185 bis 191 Euro/t an und der Qualitätsweizen um 3,50 Euro auf 177 bis 180 Euro/t. Ebenso wurden Einfuhren von Durum aus dem EU-Raum CPT Niederösterreich mit 239 Euro/t ebenfalls höher als die Woche zuvor bewertet. Heimische Anbieter hielten sich zuletzt in Erwartung weiterer Preisanstiege mit der Abgabebereitschaft von Durum zurück, und Verarbeiter griffen deshalb auf ausländische Ware zurück. Es heißt weiter, die notierten Importpreise seien angesichts des Preissprungs an den internationalen Kassamärkten noch recht niedrig angesetzt. Händler berichten, Durum-Mühlen in der Türkei hätten jüngst schon cif-Preise von deutlich über 300 Euro/t bezahlt. Dies lässt auch der aktuelle Getreidepreisbericht der EU-Kommission plausibel erscheinen: Demnach hat Hartweizen aus der EU fob dem französischen Port-la-Nouvelle am Mittwoch der vorigen Woche schon 278 Euro/t gekostet. Diese Woche zum Stichtag 23. Oktober blieb er unbewertet.

Mahlroggen notierte etwas niedriger als zuletzt Ende September, wobei dieser Markt von einer reichlichen Versorgung gekennzeichnet ist. Enttäuscht wurden Hoffnungen, dass sich gegenüber alternativen Rohstoffen die als unterbewertet empfundene Futtergerste in einer allgemeinen Befestigung der Futtergetreidemärkte über 140 Euro/t etablieren könnte. Die Notierung gab gegenüber zuletzt Anfang Oktober sogar etwas nach und liegt bei 137,50 Euro/t. Ebenso kam mit dem internationalen Einknicken auch die Rapsnotierung unter die Räder, obwohl Europa ein ausgeprägtes Defizit in der Versorgung aus Eigenproduktion aufweist.

Niederwasser auf der Donau als Hoffnungsschimmer für Maispreise

Die beiden heimischen Verarbeiter hielten die Nassmais-Erzeugerpreise diese Woche weiter stabil und zeigen sich gut versorgt. Laut Landwirtschaftskammer dürfte eine Bodenbildung bei den Preisen eingetreten sein. Spätlieferprämien dürften erst im November ein Thema werden. Futtermais inländischer Ernte 2019 notierte am Mittwoch in Wien unverändert mit 141,50 Euro/t und Industriemaiseinfuhren CPT Oberösterreich mit 155 Euro/t. Marktteilnehmer halten diesen Preis aber für nicht mehr aktuell, da sich Maiseinfuhren wegen steigender Transportkosten als Folge der Behinderung des Schiffsverkehrs auf der Donau durch Niederwasser in den letzten Tagen um 3 bis 5 Euro/t erhöht hätten. Setzten sich die Logistikengpässe fort, lasse sich daraus ein Hoffnungsschimmer für die bisher unter Druck gestandenen Preise inländischen Maises ableiten, so Marktteilnehmer. Die heimische Maisernte soll in Niederösterreich zu 50 bis 70% abgeschlossen sein. In der Steiermark setze die Haupternte ein und in Oberösterreich soll der Höhepunkt nächste Woche überschritten sein und die Anlieferung wieder abflachen.

Weizen aus der EU weiterhin Preisführer am Weltmarkt

Laut dem wöchentlichen Preisbericht der Kommission bleibt der Weizen aus der EU Preisführer am Weltmarkt. Demnach kostete EU-Weizen fob Rouen am Mittwoch dieser Woche umgerechnet in US-Dollar (23. Oktober 2019: 1 Euro=1,1301 USD, mittlerweile am Freitagmittag 1.1116 USD) 201 USD/t, Soft Red Winter aus den USA fob Golf 228 USD/t und Schwarzmeer-Weizen fob eines Hafens dieser Herkunft 209 USD/t. Dies zeige, so heimische Händler, dass die russischen Produzenten und Exporteure auch nicht mehr Willens oder in der Lage seien, Weizen zu jedem Preis am Weltmarkt zu verschleudern.

Jedenfalls hinkten die Weizenausfuhren Russlands laut Moskauer Agrarressort mit 14,9 Mio. t um 10% hinter denen des Vorjahres nach und exportiert die EU fleißiger als in der Vorsaison. Die Weichweizenausfuhren aus der Union summierten sich in den ersten 16 Wochen des Wirtschaftsjahres bis 20. Oktober auf 8,06 Mio. t - ein Plus von 51% zur Vorjahreslinie, so die Kommission. Stark im Plus beim Weizenexport ist nach ihrer Rekordernte die Ukraine. Sie führte laut ihrem Agrarressort im bisherigen Wirtschaftsjahr 2019/20 schon 10,67 Mio. t Weizen aus - um 49% mehr als vor einem Jahr.

Weizen aus der EU, konkret 60.000 t aus Frankreich, partizipierte jüngst wieder an einer Ägypten-Ausschreibung. Und auch ein Einkauf von 600.000 t Algeriens soll zum Großteil aus Frankreich bedeckt werden. Zwischen Juli und September lagen die Weizenausfuhren Frankreichs mit 3,44 Mio. t allerdings noch um 12,3% hinter denen im Vorjahr zurück. Der Algerientender galt laut Händlern an der Euronext bereits als eingepreist und es solle der letzte sein, bevor Argentinien mit seinem neuerntigen Weizen auf den Markt kommt. Indes macht sich Deutschland Hoffnungen, an den vom Iran geplanten 3 Mio. t Weizenimporten mitnaschen zu können, nachdem Russland zu teuer scheint. Allerdings hängt das auch davon ab, ob der unter US-Sanktionen stehende Iran akkurat bezahlen kann. Auch ein kommender Montag schließender Tender Saudi-Arabiens über 605.000 t Weizen ist im Visier deutscher Exporteure.

IGC schätzt Bilanzen von Weizen, Mais, Getreide und Soja leichter als im September

Der Internationale Getreiderat IGC schätzt in seinem Grain Market Report (GMR) vom Oktober die weltweiten Getreide-, Mais- und Sojabohnenernten 2019/20 kleiner als im Vormonatsreport. Die um 1% größere als im Vorjahr angesetzte Getreideernte von 2.157 Mio. t ist die drittgrößte der Geschichte, Rekordernten an Weizen (+29 Mio. t zum Vorjahr) und Gerste (+14 Mio. t zum Vorjahr) werden dabei von einer Minderproduktion von Mais (-32 Mio. t) teilweise ausgeglichen. Das Gesamtangebot fällt dementgegen aber um 0,5% kleiner als 2018/19 aus, da die Anfangsbestände auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren nach unten revidiert werden. Gleichzeitig wächst der Getreide- und Maisverbrauch um 0,6% auf den neuen Höchstwert von 2.184 Mio. t, wobei vor allem Weizen und Gerste zulegen, während der Maiskonsum zurückgeht. Daraus ergibt sich der dritte globale Bestandsabbau (-27 Mio. t) in Folge beim Getreide insgesamt auf ein Fünfjahres-Tief von 592 Mio. t, wobei der IGC die Lagerstandsprognose gegenüber dem September um 9 Mio. t zurücknimmt. Dazu bei trägt vor allem das Abschmelzen der Maisreserven (-40 Mio. t) - dies insbesondere in den USA und in China - auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Die Weizenlager dagegen wachsen auf einen Rekordwert (+6 Mio. t auf 35,93% des Verbrauchs). Dies wird allerdings dadurch relativiert, dass sich das Gros dieser Weizenmenge in den für den Weltmarkt nicht relevanten Regionen China und Indien abspielt, währenddessen sich die Weizenlagerstände bei den großen Exporteuren 2019/20 nur geringfügig ändern sollen.

Die Revision der Weizenernten um 2 Mio. t beruht auf gekürzten Ertragsaussichten für Australien (17 Mio. t nach 19,1 Mio. t im September-Report und 17,3 Mio. t im Vorjahr) und Argentinien (19,5 Mio. t nach 20,4 Mio. t im September), jedoch setzt der Rat die Ernten der EU und Russlands größer als im September an. Bei den Maisernten gibt es Änderungen nach unten für die EU und Argentinien. Der zum Vormonat um ebenfalls 2 Mio. t kleiner geschätzte gesamte Getreideverbrauch der Welt geht vorrangig auf das Konto einer verringerten Weizenverfütterung und industriellen Verwertung von Mais.

IGC: 2020/21 stabile globale Weizenfläche - Rapsanbau der EU zunehmend und unter Durchschnitt

Basierend auf ersten Daten des Herbstanbaus auf der Nordhalbkugel sagt der Rat für die kommende Saison 2020/21 global eine halbwegs stabil bleibende Weizenanbaufläche voraus. Die Aussaat habe in Teilen der EU, Russlands und der Ukraine unter Trockenheit gelitten und die Bestände benötigten trotz einiger zwischenzeitlich gefallener Herbstregen noch immer mehr Wasser. In anderen Regionen der EU, wie Großbritannien, seien die Feldarbeiten wiederum von zu viel Nässe behindert worden. Als „herausfordernd“ formuliert der IGC die Bedingungen für die Rapssaat in der EU. Obwohl die Fläche 2020/21 wieder etwas zunehmen sollte, bleibe sie dennoch noch unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Sojabestände schrumpfen um 40% auf Sechsjahres-Tief

Schließlich revidiert der IGC auch die Sojabohnenproduktion der Welt 2019/20 wegen der Ernteausfälle in den USA um 1 Mio. t auf 341 Mio. t oder nahezu 5% weniger als im Vorjahr hinunter. Dagegen fällt die Verbrauchsprognose eine Spur höher als vor einem Monat aus. Dazu kürzt der GMR noch die Anfangsbestände im Monatsabstand um 4 Mio. t, sodass die Sojaendlager nunmehr um 6 Mio. t stärker als bisher prognostiziert und um 18 Mio. t oder 40% zum Vorjahr auf 32 Mio. t auf den tiefsten Stand in sechs Jahren schrumpfen würden. Vor allem die Sojabohnenendlager der USA würden dabei abschmelzen. Die Ernteschätzungen für Südamerika nennt der Rat noch spekulativ, da die Aussaatarbeiten dort erst seit Kurzem angelaufen seien und sich etwa in Brasilien verzögerten.

Exporte, Wetter und Deeskalation USA - China: IGC-Preisindex auf Dreimonats-Hoch

Rege Exportnachfrage, unsichere Ertragsaussichten sowie einkehrender Optimismus bezüglich einer Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China haben den globalen Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) seit dem letzten GMR um 4,1% (-3,7% zum Vorjahr) auf rund ein Dreimonats-Hoch steigen lassen. Dieser Anstieg wird angeführt vom Subindex von Sojabohnen (+5,6%, -2,4% zum Vorjahr), gefolgt von dem von Mais (+4,3%, +1,0% zum Vorjahr), dem von Gerste (+4,2%, -23,0% zum Vorjahr) und dem von Weizen (+3,5%, -7,3% zum Vorjahr). Dem Weizen-Subindex haben dabei insbesondere die Exportnachfrage und sich verschlechternde Bestandsentwicklungen bei wichtigen Produzenten geholfen, dem von Mais wiederum die viel kleineren als bisher angenommenen Lagerstände in den USA und Unsicherheit über die Ertragsverhältnisse im Mittelwesten, und dem von Sojabohnen ebenfalls die Ertragsausfälle in den USA und die Aussicht auf eine positive Entwicklung der Handelsgespräche mit China. (Schluss) pos

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