Trotz weltweit großzügiger Versorgung enge Weizenbilanz in der EU

Lageraufbau bei Importeuren und Lagerabbau bei Exporteuren könnte Preise treiben

Wien, 19. Juni 2020 (aiz.info). - Eine reichliche Versorgung der Welt mit Weizen mit einem Anschwellen der Endlager 2020/21 auf eine Rekordhöhe von fast 42% des Jahresverbrauchs laut dem jüngsten WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums sowie zügige Erntefortschritte in den USA übten zuletzt Druck auf die Weizenterminmärkte aus - auch in der EU, obwohl hier die Prognosen für die bevorstehende Ernte 2020 laufend gesenkt werden und die Lager, so etwa die jüngste Analyse von Strategie Grains, auf eine enge Ratio von Endbestand zu Verbrauch von knapp 10% abschmelzen. Dazu kommt: Von den globalen Endlagern, die kommende Saison 316,09 Mio. t erreichen sollen, liegen 51,2% in China und nur 11,22% bei den großen Exporteuren (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Russland und Ukraine), die nach 2020/21 18,51% ihres Eigenverbrauchs auf Lager haben werden. Und China, Indien oder der weltgrößte Weizenimporteur Ägypten stocken zurzeit ihre strategischen Weizenreserven noch weiter auf, weil die Preise niedriger sind. Damit bleiben die französischen Experten von Strategie Grains bei ihrer Marktprognose, nach dem auch durch Erntedruck verursachten Durchhänger der Preise über den Sommer werde sich die weltweit sehr fragile und in der EU sowie im Schwarzmeerraum angespannte Weizenbilanz "als preistreibend erweisen". Noch aber verharrten die Weizennotierungen an der CBoT in Chicago auf einem Achtmonats-Tief und die an der Euronext in Paris knapp über einem dreimonatigen.

Dabei kämpfte der Ex-Erntepreise darstellende Pariser September-Weizenkontrakt diese Woche damit, die Latte von 180 Euro/t nicht zu unterlaufen. Der Liefertermin mit dem stärksten Handelsvolumen, der Dezember, schloss am Donnerstag bei 182 Euro /t. Der September-Future startete mit einem hauchdünnen Plus bei 180,25 Euro/t in den Freitaghandel und der Dezember mit einem ebensolchen bei 182,50 Euro/t. Ägypten kaufte dieser Tage aus der dritten Ausschreibung binnen der letzten drei Wochen 120.000 t Weizen aus Russland und je 60.000 t aus Rumänien und der Ukraine. Die Zuschlagspreise seien bei umgerechnet etwa zwischen gut 184 bis 186 Euro/t fob gelegen und niedriger als für die letzten Zuschläge bei noch gut 202 Euro/t. Die Weichweizenausfuhren der EU summierten sich nach 50 Wochen des Wirtschaftsjahres zum 14. Juni auf 33,063 Mio. t und übertreffen die Vorjahreslinie um 65%.

Starke Exportzahlen der USA ließen diese Woche - und insgesamt die vierte in Folge - die Sojabohnennotierungen an der CBoT weiter steigen. Das Washingtoner Agrarressort USDA meldete für die Woche bis 11. Juni Sojabohnenexporte von 1,92 Mio. t, wovon alleine China 1,35 Mio. t kaufte. Es scheint, als würden allen politischen Querelen der beiden Supermächte zum Trotz die Chinesen ihre Verpflichtungen aus dem Phase-Eins-Deal zum Kauf von Agrargütern der USA erfüllen. Die US-Exporteure strahlen weiterhin Optimismus aus, dass dies so weiter anhalten werde. Hoffnungen macht sich dabei auch die US-Maisbranche. Laut USDA werden Chinas Maisbestände von einer Kommandowurm-Plage heimgesucht. Die Gefräßigkeit des Falters Spodoptera exempta soll dem Ministerium zufolge dem Reich der Mitte dieses Jahr ein Maisdefizit und steigende Preise bescheren. Zum Aufbau seiner Weizenreserven - die es übrigens sogar aus Frankreich kauft - stützt Peking seine Landwirte seit 2006 mit staatlich garantierten Mindestpreisen. 2020 sind diese mit umgerechnet gut 281 Euro/t festgesetzt und damit deutlich höher als aktuell von Agenturen genannte Exportpreise von rund 178 Euro/t oder gar den Chicagoer Weizennotierungen bei gut 158 Euro/t.

Ruhe und Abwarten vor Ernte am österreichischen Kassamarkt

Nach wie vor ist es ganz ruhig am österreichischen Kassamarkt, und alle Beteiligten warten ab, was die neue Ernte 2020 bringen wird. Die Abnahme von Ware aus Italien habe sich zwar etwas gebessert, man geht aber davon aus, dass dennoch bereits kontrahierter Aufmischweizen nicht abgerufen werde. Die Notierungen von Brotweizen an der Wiener Produktenbörse oszillieren auf und ab, ohne dass sich irgendwelche Trends ableiten ließen. Mit dem Premiumweizen ging es diese Woche einen Tick hinauf, Qualitätsweizen gab etwas deutlicher nach. Auch von der Euronext kämen derzeit keine Impulse, beklagen Händler.

Unverändert blieben diese Woche die Futtergetreidenotierungen, während Futtermais ein weiteres Mal zulegte. Die notierten Maispreise hätten Marktbeteiligten zufolge aber eher nur theoretischen Charakter. Man vermutet hinter der Befestigung die Sorge in den USA um Trockenheit im Sommer, die die Ertragserwartungen dämpfen könnte. Dementgegen dürften aber die Regen der letzten Wochen den Maisbeständen in Österreich gerade gelegen gekommen sein und besserten sich zuletzt auch die Ernteerwartungen in ganz Europa.

Bei den Eiweißfuttermitteln gewann diese Woche die Notierung inländischen Sojaschrots etwas, währenddessen Einfuhren von GVO-Schroten billiger wurden. Man führt dies auf Wechselkursschwankungen zurück.

USDA-WASDE-Report: Weizen- und Maisernte global angehoben - EU und Ukraine ernten weniger

Das USDA hebt in der zweiten Schätzung für das Wirtschaftsjahr 2020/21 im WASDE-Bericht vom Juni die weltweiten Ernteprognosen insbesondere für Weizen und Futtergetreide an, ebenso wie die Verbrauchserwartung für Mais und Futtergetreide. Mit der Annahme kleinerer Anfangsbestände an Mais, jedoch größerer von Weizen, resultieren daraus gegenüber dem Vorbericht im Mai höhere Endlagerprognosen für Weizen und Getreide insgesamt, aber kleinere von Mais. Vor allem mit einer nach oben revidierten Verbrauchsschätzung sieht der Report auch eine leichtere globale Ölsaatenbilanz als vor einem Monat.

Weizenernten Indiens und Australiens angehoben - die der EU und Ukraine nach unten korrigiert

In die optimistischere Weizenernteprognose fließen insbesondere nach oben gesetzte Zahlen für Indien und Australien ein, während Dürre die Schätzungen für die EU um 2 Mio. t und für die Ukraine um 1,5 Mio. t nach unten korrigiert. Mit einer um 13,78 Mio. t oder 8,9% kleineren Weizenernte von 141 Mio. t (Weich- und Hartweizen) wird die EU naturgemäß auch weniger exportieren können als 2019/20. Die Weizenendbestände sollen dennoch um 0,8 Mio. t auf 11,55 Mio. t abschmelzen, obwohl auch der Verbrauch zur laufenden Saison um 3,2 Mio. t zurückgehen soll. Unter dem Strich bleibt der EU eine sehr enge Versorgungsbilanz mit 9,68% Endlageranteil am Eigenverbrauch in krassem Gegensatz zur weltweit großzügigen Versorgung mit einer Ratio von stock to use bei 41,97%.

Bestandsaufbau bei Mais geht auf Konto der USA - Abbau im Rest der Welt

Ähnlich wie beim Weizen verhält es sich mit der Verteilung der Maisreserven auf der Welt, hier hortet China 58,62%. In den Maisschätzungen des USDA sticht der steile Zuwachs der Produktion in den USA um 17,46% im Vergleich zur Ernte 2019 heraus. Damit geht der seit Jahren erste globale Bestandsaufbau von 24,96 Mio. t in 2020/21 auf das Konto der Anhäufung von 30,99 Mio. t mehr Mais in den USA, während sich die Lager auf der restlichen Welt um 6,03 Mio. t leeren. Allerdings sind die USA weltmarktbestimmend mit 34,19% Anteil (406,29 Mio. t) an der globalen Maisproduktion (1.188,48 Mio. t) und 29,92% (54,61 Mio. t) aller Exporte (182,50 Mio. t). Insgesamt fällt die weltweite Maisbilanz in der Ratio von stock to use aber 2020/21 etwas leichter aus als in der Annahme vor einem Monat, weil die Anfangsbestände niedriger und der Verbrauch höher als im Mai-Report angesetzt werden. Die EU soll dem Bericht zufolge im Herbst 2020 auch mehr Mais ernten - nämlich 68,30 Mio. t (+2,51%) - als im Vorjahr, aber mit 23 Mio. t (+6,98%) gleichzeitig auch mehr importieren müssen, um den um 4,32% wachsenden Bedarf decken zu können.

Leichter Lagerabbau bei Ölsaaten

Den Ölsaaten sagt der WASDE-Report 2020/21 einen etwas größeren Lagerabbau als vor Monatsfrist voraus. Auch hier stechen die USA mit einem starken Produktionszuwachs bei den Sojabohnen hervor. Da aber auch ihre Exporte stark zulegen sollen, sagt das USDA den Vereinigten Staaten im Gegensatz zur Maisbilanz bei den Bohnen einen Lagerabbau voraus.

Strategie Grains kürzt EU-Weizenprognose um 2 Mio. t

Die Juni-Ausgabe von Strategie Grains kürzt die Ernteprognose 2020 für die EU-27 und das Vereinigte Königreich zum Mai um 2 Mio. t auf 130,9 Mio. t nach 147,1 Mio. t der Ernte 2019. Allein um 1 Mio. t nimmt die Analyse die Weizenernte des größten Exporteurs Frankreich zurück. Sie falle wegen eines drastischen Rückgangs der Anbauflächen und wegen einer Abfolge unheilvoller klimatischer Verhältnisse auf den tiefsten Stand seit 2016.

Der Weizenverbrauch der EU soll nach dem Corona-bedingten Einbruch auf 114,6 Mio. t 2020/21 bei 112 Mio. t zu liegen kommen. Zwar sollen Nahrungsmittel- und Industrienachfrage wieder moderat zulegen, der tierische Verbrauch aber niedrig bleiben. Aus der kleineren Ernte steht in der Union 2020/21 mit 26,1 Mio. t auch deutlich weniger Weizen zur Verfügung als in der auslaufenden Saison 2019/20 mit 35,3 Mio. t. In der Bilanz steht 2020/21 ein Bestandsabbau von 13,2 Mio. t Weizen auf 10,7 Mio. t und ein Defizit von 0,4 Mio. t nach einem Überschuss von 1,6 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr.

Zwar um 1,7 Mio. t weniger als im Vormonat, aber immer noch mit 3,2 Mio. t Überschuss beziffert Strategie Grains die Gerstenbilanz der Union und des Königreichs als gesättigt. Die Ernteprognose steigt zum Mai vor allem dank günstiger Bedingungen in Spanien um 1,1 Mio. t auf 63,6 Mio. t. Die jüngsten Regen lassen auch die Maisernteprognose um 1,8 Mio. t auf 65,9 Mio. t (Ernte 2019: 64,1 Mio. t) steigen. Um den auf 800,2 Mio. t (2019/20: 79,5 Mio. t) steigenden Binnenverbrauch zu decken, werde die EU 18,7 Mio. t Mais importieren und mit diesen Mengen einen Überschuss von 1,6 Mio. t Mais auslösen.

COPA/COGECA: Kleinere EU-Weizen- und Ölsaatenernte sowie höhere Kosten belasten Einkommen

Die EU-Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA gehen zwar von einer Gesamtgetreideernte der EU-28 (Weizen, Futtergetreide und Mais) von rund 305 Mio. t am Fünfjahres-Durchschnitt aus, streichen aber eine zum Vorjahr um 11,5% kleinere Weizenernte und um 3% abnehmende Rapsproduktion sowie gleichzeitig steigende Produktionskosten insbesondere für Pflanzenschutz hervor. Dies belaste die Einkommen der Getreidebauern. Den Rückfall in der Weizenproduktion erklären die Verbände mit einer um 3,5% reduzierten Anbaufläche und um 8,3% geringeren Hektarerträgen - beide als Folge widriger Wetterbedingungen. (Schluss) pos

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