Trump schickt schwache Getreidemärkte noch tiefer in den Keller

Schwache Exportnachfrage nach EU- und US-Weizen - Österreich stärker am Weltmarkt orientiert

Wien, 2. August 2019 (aiz.info). - An den internationalen Terminbörsen herrschten diese Woche praktisch nur negative Vorzeichen. Nach oben revidierte Weizenernte-Prognosen für Frankreich und die Ukraine sowie Argentinien überwogen Revisionen nach unten für Deutschland und Russland. Hinzu kommt eine schwache Exportnachfrage nach Weizen aus den USA und der EU, obwohl die Europäer schon billiger anbieten als Russland und ein schwacher Euro eigentlich helfen sollte. In den USA dürfte sich der Hitze- und Trockenstress für den Mais etwas entspannen. Und nicht zuletzt schickte US-Präsident Donald Trump mit der Ankündigung neuer Strafzölle für Lieferungen aus China die Rohstoffmärkte noch tiefer in den Keller. In Österreich schreitet die Ernte voran und der Handel ist damit beschäftigt, die Qualitäten zu sichten und Probelieferungen von Aufmischweizen nach Italien abzuwickeln. Weiterhin bestätigt sich der Eindruck, dass an den späteren Standorten höhere Proteingehalte eingefahren werden. Weiters heißt es, dass mit der stärkeren Streuung zwischen den Qualitätsstufen beim Brotweizen der heimische Markt heuer mehr aus dem Nischensegment der Aufmischweizen herauskommen werde und sich stärker an den internationalen Mahlweizen-Märkten werde orientieren müssen. Noch verzeichnete die Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche keine signifikanten Notierungsverluste für Brotweizen.

Eine gewisse Gegentendenz zum Absacken der Terminnotierungen für Weizen, Mais und Soja dies- und jenseits des Atlantiks auf mehrmonatige Tiefs könnten einsetzende Schnäppchenkäufe und Short-Abdeckungen einleiten. Der Weizenfuture an der Euronext in Paris startete den Freitaghandel mit Zugewinnen von 0,75 Euro für den September-Liefertermin bei 173,50 Euro/t und den Dezember bei 178,75 Euro/t. Auch der Soft Red Winter in Chicago wies im vorbörslichen Handel positive Vorzeichen auf.

Die französischen Analysen Strategie Grains und Agritel setzten ihre Prognosen für die Weizenernte Frankreichs dieser Tage auf rund 39 Mio. t (2018: 34 Mio. t) hinauf. Die Qualitäten sollen sehr gut sein. Hingegen bonitiert die Marktordnungsstelle AgriMer die französischen Maisbestände von Woche zu Woche schlechter. Der Deutsche Bauernverband korrigierte die Weizenerträge beim zweitgrößten EU-Produzenten um 2 Mio. t auf 22 Mio. t nach unten. Die Ukraine fuhr bis Ende Juni von 83% der bestellten Fläche 22,8 Mio. t Weizen ein. Analysten schätzen insgesamt bis zu 30 Mio. t Weizen, das ist ein Plus von 22% zu 2018. 70% davon sollen Brotweizenqualität aufweisen, nachdem dies im Vorjahr nur 55% waren.

Trotz niedriger Preise schwache Exportnachfrage nach EU-Weizen - auch USA schwächeln

Im Export ist die EU mittlerweile der billigste Anbieter. Die Europäische Kommission ermittelte zum Stichtag 31. Juli einen Preis von 192 USD/t (+1 USD zur Vorwoche) für Weizen aus der Union fob Rouen bei einem Kurs des Euros von 1,1301 USD. Russischer Weizen kostete unverändert zur Woche davor 195 USD/t und Soft Red Winter fob golf 212 USD/t (-4 USD zur Vorwoche). Das Exportgeschäft dominieren zurzeit die Ukraine und in der EU Rumänien sowie die baltischen Staaten. Neben Frankreich sollen die Balten auch einen am Dienstag zugeschlagenen Weizentender Algeriens beliefern. Die Nordafrikaner kauften zur Lieferung im September 570.000 t optionaler Herkunft zu einem Durchschnittspreis von 215,50 USD/t (rund 195 Euro) inklusive Fracht.

Der Weichweizenexport der EU lag mit 761.586 t für die ersten vier Wochen des Wirtschaftsjahres zum 28. Juli um 22% unter dem Vorjahreswert. Die Ausfuhren der USA gingen in der Woche bis 25. Juli gegenüber der davor um 42% auf 383.100 t zurück. Auch die Maisexporte enttäuschten. Dafür drückt aktuell jede Menge Mais aus Brasilien auf den Weltmarkt, während sich aufgrund abgeschwächter Nachfrage aus China in Folge der Afrikanischen Schweinepest die Sojabohnenausfuhren verlangsamten. Die Ukraine habe im angelaufenen Wirtschaftsjahr (Juli bis Juni) 650.000 t Weizen ausgeführt, wobei die starke Nachfrage bis Ende Juni einen Preisanstieg von 3 bis 4 USD/t auf 188 USD/t (rund 170 Euro) fob Schwarzmeerhäfen bewirkt habe.

Lockere US-Geldpolitik und Trumps Tweets bringen Märkte durcheinander

Die offensichtlich auf Druck von Präsident Trump zustande gekommene Entscheidung der Federal Reserve, mit einer Zinssenkung die Geldpolitik in den USA zu lockern, drückte auf den Euro-Kurs, der am Donnerstag bei 1,1078 USD notierte. Schlimm erwischte es die Rohstoffmärkte mit dem Tweet Trumps mitten in die laufenden Handelsgespräche mit China hinein, die USA würden ab 1. September weitere Importe aus China im Wert von 300 Mrd. USD mit Strafzöllen von 10% belegen. Sollte keine Einigung im Handelsstreit erzielt werden, droht Trump mit einer Erhöhung auf 25%. Dabei warf der US-Präsident den Chinesen unter anderem vor, zu wenig Agrarprodukte aus den USA zu kaufen und die Verhandlungen nicht weiterzubringen. Während Trump seine Farmer mit einem 16 Mrd. USD schweren Hilfspaket über die Preisverluste hinwegzutrösten trachtet, gehen die Landwirte im Rest der Welt für die erlittenen Erlöseinbußen leer aus.

Noch keine signifikante Auswirkung auf Weizenpreis in Österreich - Futtergetreidemarkt ruhiger

Noch nicht auffällig, aber dennoch einen Tick gaben am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse die Notierungen von Premium- und Qualitätsweizen am unteren Rand des Preisbandes auf 188 bis 192 Euro/t beziehungsweise 175 bis 181 Euro/t nach, wohingegen sich die untere Mahlweizennotierung etwas befestigte und dieser nun 164 bis 168 Euro/t aufweist. Leicht im Minus war ebenso Mahlroggen mit 163 Euro/t. Jedenfalls verteidigen Qualitäts- und Premiumweizen positive Preisabstände zur Euronext.

Am zuletzt wegen der hohen DON-Werte in Mittel-Osteuropa und wegen des kleinen inländischen Futterweizenangebots verunsicherten Futtergetreidemarkt soll wieder etwas Ruhe eingekehrt sein. Die Gebiete mit Fusarienbefall ließen sich nun immer besser eingrenzen, heißt es. Einfuhren von Gerste (150 Euro/t) und Weizen (CPT NÖ: 170 Euro/t, CPT Stmk.: 165,50 Euro/t) zur Verfütterung aus dem östlichen EU-Raum verbilligten sich gegenüber der Vorwoche ebenso wie inländische Weizenkleie. Futtermais aus österreichischem Anbau hielt sich hingegen, wie auch Sojaschrot, unverändert. (Schluss) pos

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