Ukraine-Krieg und schlechte Ernteaussichten befeuern Agrar-Terminmärkte

Normales Bedarfsgeschäft mit Brotweizen in Österreich - Mais und Ölsaaten aus Ukraine

Wien, 29. April 2022 (aiz.info). - Der Ukraine-Krieg und schlechte Aussichten für die Erträge der kommenden Ernten in Nord- und Südamerika, Hitze und Dürre in Indien sowie Markteingriffe wie ein Exportstopp Indonesiens für Palmöl trieben diese Woche die internationalen Terminmärkte von Weizen, Mais und Ölsaaten sowie Pflanzenölen zu neuen Höhen. Der Internationale Getreiderat (IGC) geht in seiner ersten - wegen des Konflikts in der Schwarzmeer-Region noch hochspekulativen - Prognose für 2022/23 von einer im Vergleich zur laufenden Saison vor allem beim Mais kleineren Ernte und einem scharfen Abbau der gesamten Getreideendlager auf der Welt um 26 Mio. t aus.

Für die laufende Saison hob der IGC die Endlagerprognose an, weil unter anderem die Ukraine von ihren maritimen Exportrouten abgeschnitten sei. Insgesamt soll das Welthandelsvolumen mit Getreide und Mais 2021/22 um 12 Mio. t hinter dem Vorjahr bleiben, weil vor allem weniger Mais verschifft werde. Der für die kommende Saison 2022/23 erwartete deutliche Lagerabbau bei Mais um 21 Mio. t und Weizen um 5 Mio. t ist das Ergebnis kleinerer Ernten und eines zwar gebremsten, aber dennoch ein Allzeit-Hoch erreichenden Verbrauchs. Die Verlangsamung des Verbrauchszuwachses führt der IGC auf die hohen Preise und damit einhergehend auf eine Rationierung der Nachfrage zurück. Ebenso erwarte der Rat einen neuerlichen Rückgang des Welthandels mit Getreide.

Indes versucht die Ukraine, neue Transportwege über Land und Wasser für ihre Agrarexporte zu erschließen. So würden auch die heimischen Bundesbahnen die Transportkapazitäten von der Ukraine nach Mitteleuropa verstärken. Erste Exporte auf dem Seeweg liefen über den rumänischen Schwarzmeerhafen Constanza, und mit Bulgarien habe Kiew Abkommen getroffen, auch über den Hafen Varna Ausfuhren abzuwickeln. Wie es heißt könne die Ukraine monatlich bis zu 1,5 Mio. t Agrarexporte bewerkstelligen. Zurzeit würden laut Marktteilnehmern aber nur Lizenzen für die Ausfuhr von Mais und Ölsaaten erteilt, nicht aber für Weizen.

Russland intensiviert seine Weizenausfuhren über das Schwarze Meer. Wegen der galoppierenden Weizenpreise besteuert die Moskauer Regierung den Weizenexport mittlerweile schon mit 119,1 USD/t (111,58 Euro). Zur kommenden Ernte rechnet man mit hohen Erträgen. Im Gegensatz dazu fällt die Bonitierung der Weizenbestände in den USA äußert schlecht aus und stockt der Frühjahrsanbau, wobei sich die Farmer von Mais abwenden und verstärkt der Aussaat von Sojabohnen zuwenden dürften. Die Farmer im wichtigen Exportland Kanada wiederum bestellen unerwartet kleine Flächen mit Canola-Raps, dafür aber mehr Ackerland mit Weizen.

Während der Anteil von Rapsöl, von dem Kanada ein wichtiger Exporteur ist, und von Sonnenblumenöl, für das die Ukraine wichtige Herkunft ist, jeweils rund 15% des weltweiten Handelsvolumens mit Pflanzenölen ausmacht, betrifft der Stopp der indonesischen Palmölausfuhren rund 35% des weltweiten grenzüberschreitenden Handels mit Pflanzenölen.

Normales Bedarfsgeschäft mit Brotweizen in Österreich - Mais und Ölsaaten aus Ukraine

Vom heimischen Brotweizenmarkt heißt es, dass ganz normales Bedarfsgeschäft laufe und auch aus dem EU-Raum zugekauft werde. Der Handel laufe ungeachtet der internationalen Entwicklungen an den Terminmärkten auf stabilem Preisniveau. Dies schlug sich auch in kaum veränderten Brotweizennotierungen der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche nieder. Aus dem EU-Raum werden auch Weizenpartien aus der neuen Ernte 2022 gehandelt, wobei sich ein an die alte Ernte heranreichendes Preisniveau zeigt.

Ein Ende dürfte nunmehr die Hausse bei den Durumpreisen gefunden haben. Der Bedarf heimischer Verarbeiter soll mittlerweile auch durch Einkäufe im Ausland gedeckt sein. Ebenso sei der Nachfragesog aus Italien abgeebbt, nachdem dort Lieferungen von Hartweizen aus Australien eingetroffen seien.

Aus der Ukraine haben sich jüngst neue Lieferrouten für Mais und Ölsaaten über den Landweg nach Mitteleuropa - und so auch nach Österreich - aufgetan. Damit sei eine Beruhigung des Inlandsgeschäfts einhergegangen und hätten sich die Maispreise spürbar abgekühlt. Die Verarbeiter von Ölsaaten hätten sich nunmehr von Rohstoffdeckungen aus alter Ernte im Inland zurückgezogen. Beim Einkauf von Ware der neuen Ernte 2022 bestehe zurzeit keine Bereitschaft, das gestiegene Preisniveau an den Terminmärkten bei den Geldkursen nachzuvollziehen. (Schluss) pos
Bereitgestellt vom AIZ