Uneinheitliche Getreidemärkte - Gedämpfte Ernteprognose für Österreich

Weiterhin wenig Geschäft und Zurückhaltung am heimischen Kassamarkt

Wien, 20. Mai 2020 (aiz.info). - Mit Meldungen beziehungsweise Prognosen über sich jeweils verschlechternde oder verbessernde Vegetationsbedingungen operieren die Weizen-Terminbörsen in den USA und in Paris im Wettermarkt-Modus, wenn sie nicht gerade unter anderen Einflussfaktoren wie Corona, Handelskonflikten und Wirtschaftsängsten stehen. Die Notierungen bewegen sich in relativ engen Bandbreiten auf und ab. Der Monatsbericht MARS des Wissenschaftlichen Dienstes der EU-Kommission sah diese Woche die Trockenheit in weiten Teilen Europas im April und Anfang Mai schlimmer als 2019 (aiz.info berichtete, siehe Link unten). Auch in Österreich sprechen erste Schätzungen von Experten davon, dass die Hektarerträge und die Produktion insgesamt von Kulturen wie Weichweizen, Roggen und anderen Getreidearten, vor allem aber von Sommergerste heuer unter den Vorjahreswerten bleiben würden.

Da die Landwirte für die Ernte 2020 den Anbau von Sommergerste neuerlich deutlich eingeschränkt hätten, zeichne sich bei Braugerste das stärkste Produktionsminus ab. Dementgegen solle eine sprunghafte Ausweitung der Durumflächen die Erntemenge trotz niedrigerer Naturalerträge signifikant steigen lassen. Da der Anbau von Weichweizen, Gerste insgesamt, Roggen und Hafer ziemlich stabil geblieben sein soll, bahnten sich bei diesen Kulturen entsprechende trockenheitsbedingte Produktionsrückgänge an. Jedenfalls würden die kommenden Wochen noch zeigen, ob sich die Prognosen bestätigten, die Ernte noch etwas aufholen könne, oder ob sich das Bild noch weiter verdüstere.

Österreich: Wenig Geschäft - Klagen über Lieferverschiebungen und Versicherungen

Im Vorfeld der erstmalig nach dem Corona-Shutdwon wieder in Form einer Präsenzsitzung stattfindenden Notierung an der Wiener Produktenbörse hieß es am Mittwochmittag aus Branchenkreisen, am heimischen Kassamarkt laufe weiterhin wenig Geschäft in der auslaufenden Vermarktung der Ernte 2019, und im Handel mit der neuen Ernte 2020 herrsche nach wie vor Zurückhaltung von Abgeber- und Abnehmerseite. Es wurden daher nur wenige Notierungen und keine großen Preissprünge nach oben oder nach unten hin erwartet.

Dabei verweisen Marktteilnehmer zum einen auf die Folgen der Corona-Krise mit ausbleibenden Touristenströmen im Inland wie in Italien und zum anderen auf die in Österreich sehr gedämpften Ertragsaussichten für die neue Ernte.

Aktuell, so klagen Marktteilnehmer, sei das Geschäft von der Verschiebung von Lieferterminen italienischer Abnehmer und von Beschneidungen der Risikorahmen durch Versicherer von Geschäften geprägt, obwohl diese dafür ansehnliche staatliche Hilfen und Garantien erhielten. Im Inland sei der Markt für Paketmehl gesättigt. Gastronomie und Tourismus ließen nach wie vor aus, eine Belebung nach deren Öffnung würde dauern und auch nicht in großen Schritten zu Vorkrisenverhältnissen führen. Sorge bereite in diesem Umfeld, wie aus der neuen Ernte Premiumweizen nach Italien vermarktet werden könne oder ob dieser anstatt als Aufmischware quasi zu Qualitätsweizenkonditionen Abnehmer im Inland suchen müsse.

EU-Weizenexport überspringt 30 Mio. t-Hürde - Euronext-Weizen fester

Die Weichweizenausfuhren der EU auf den Weltmarkt übersprangen die 30 Mio. t-Hürde und vergrößerten ihren Vorsprung auf das Vorjahr wieder auf nunmehr 64%. In den 46 Berichtswochen des laufenden Wirtschaftsjahres bis zum 17. Mai wurden aus der Union 30,256 Mio. t nativer Weichweizen in Drittländer exportiert. Dazu kommen 503.712 t Weichweizenäquivalent, die als Mehl ausgeführt wurden sowie 940.944 t Hartweizen und 207.828 t Durumäquivalent in Mehlform. Die Weltmarktnachfrage habe sich zuletzt aber doch abgeschwächt. Dafür wendete sich der Pariser Terminhandel am Dienstag den pessimistischen Ernteprognosen zu und befestigte sich Weizen etwas. Nach anfänglich roten Vorzeichen, drehte der Weizen an der Euronext am späten Mittag neuerlich in den grünen Bereich und bewegte sich für den Dezember-Liefertermin für die neue Ernte mit +2 Euro/t bei 189 Euro/t. Der quasi Ex-Ernte September-Kontrakt notierte mit ebenfalls +2 Euro/t bei 187 Euro/t. Auch Raps verzeichnete einen Zuwachs auf 374,50 Euro für Lieferung im August.

Weiterhin uneinheitliches Bild auf den internationalen Märkten

Das Bild an den internationalen Märkten und Terminbörsen bleibt uneinheitlich. Es wechseln einander Wettermärkte mit Corona-Ängsten, Spannungsauf- und -abbau zwischen Handelsmächten, externe Einflüsse wie Ölpreis- und Währungsschwankungen sowie börsentechnische Faktoren wie Shortcovering und Schnäppchenjagden nach billigen Kontrakten ab und bestimmen den Ton. Insgesamt blieben die Bewegungen in Grenzen und zeigt sich die Stimmung wenig euphorisch.

Die Regierung in Peking fordert als Vorsorge für allfällige Lieferunterbrechungen wegen einer zweiten Corona-Welle Agrarhandel und Verarbeiter auf, die Lagerstände an Agrarrohstoffen noch weiter aufzustocken - zumal Sojabohnen und Mais aus US-Herkunft zurzeit auch billig sind. Dazu weitet sie unter anderem zollbegünstigte Importkontingente aus beziehungsweise eröffnet solche. Dementgegen belegte Peking Gerste aus Australien mit Strafzöllen, weil man Down Under unerlaubte Subventionierungen dieses Produkts vorwirft.

Aus den USA kamen nach einer zwischenzeitlichen neuerlichen Periode von Drohungen Signale, am Handelsdeal der Phase 1 mit China festhalten zu wollen. Rege Nachfrage aus China, aber auch eine Befestigung der Preise von Erd- und Palmöl halfen zuletzt den Chicagoer Notierungen von Soja und Mais. Allerdings lägen Chinas Sojakäufe in den USA aber noch immer unter Plan. Den Sojabohnen hilft auch, dass die US-Farmer für die Ernte 2020 eine überraschend kleine Fläche mit Sojabohnen bestellt hätten. Dafür wiegt eine ebenso überraschend große Maisfläche in den USA schwer auf die weltweite Versorgungsbilanz. Investmentfonds begannen dennoch mit dem Aufbau von Long-Positionen - also Wetten auf steigende Preise - für Mais und Sojabohnen, wohingegen sie beim Weizen weiter short gingen. Die Weizennotierungen an der CBoT in Chicago waren zu Wochenbeginn auf ein Zweimonats-Tief gefallen. Die Exporte blieben lahm und in den Plains fiel dringend benötigter Regen, während andere Anbaugebiete weiterhin nach Niederschlägen lechzen. Dabei setzte das Landwirtschaftsministerium USDA die Bonitierung der Winterweizenbestände in den Vereinigten Staaten entgegen der Markterwartung gegenüber der Vorwoche von 53 auf 52% exzellent und gut hinab. Zuletzt verhalfen frisch aufkeimende Exporthoffnungen den US-Weizennotierungen wieder zu einer Erholung. (Schluss) pos

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