Unklare Tendenzen an Getreide-Terminmärkten - Weiter sinkende Ernteprognosen

Kassamarkt in Österreich springt an - IGC schätzt weltweite Bilanzen leichter als zuletzt

Wien, 24. Juli 2020 (aiz.info). - Weizen und Mais konnten an den internationalen Terminbörsen zwischenzeitliche Gewinne aus der Vorwoche nicht halten. Rasche Fortschritte beim Weizendrusch in Frankreich und in den USA übten einen gewissen Erntedruck aus. Und obwohl die Exportpreise am Schwarzen Meer wegen der enttäuschenden Naturalerträge in den dortigen Frühdruschgebieten angezogen haben, bleiben Russland und die Ukraine Preisführer bei internationalen Weizenausschreibungen wie der von Ägypten. Allerdings sind die Ertragssorgen in Europa sowie in der Ukraine und in Russland noch nicht vom Tisch und können jederzeit wieder bestimmender Faktor für die Stimmung an den Börsen werden. In Summe überwiegt an den Terminmärkten noch ein Auf und Ab ohne klare Tendenzen.

Zudem befestigte sich in den letzten Tagen der Euro gegenüber dem US-Dollar und schwächelte der Rubel, wodurch europäischer Weizen am Weltmarkt an Konkurrenzfähigkeit einbüßte. Der Internationale Getreiderat IGC sowie zuvor schon die französische Analyse Strategie Grains senkten ihre Prognosen für die Weizenernte der EU neuerlich deutlich. Laut IGC hätten die Getreideexportpreise seit dem letzten Bericht im Juni angezogen. Strategie Grains spricht ebenfalls von einem Anstiegspotenzial für die Weizenpreise im weiteren Saisonverlauf. Auch zeigten sich institutionelle Anleger jüngst bei der Positionierung bei Agrarrohstoffen nicht mehr so skeptisch, womit die Wetten auf fallende Preise ab- und die aufsteigenden Preise zunahmen. Dazwischen kommt es aber auch immer wieder nach kurzen Aufwärtsphasen von Kursen zu Gewinnmitnahmen. Dazu spielen die Unsicherheit um die Folgen von Corona auf die Nachfrage sowie die auf- und abschwellenden Spannungen zwischen den USA und China hinein. So hilft die von der jüngsten Eskalation zwischen den beiden Supermächten ungebrochene Sojanachfrage Chinas in den USA seit Wochen den Sojabohnennotierungen an der CBoT in Chicago seit Wochen zu Zuwächsen.

An der Euronext in Paris trat in der zweiten Wochenhälfte eine leichte Erholung der Weizenkurse ein. Weizen zur Lieferung im September notierte am Freitagmittag mit einem Plus von 1 Euro/t bei 185 Euro/t. Dies entspricht einem Wochengewinn zum Schlusskurs von vorigem Freitag von 0,25 Euro. Der Dezember-Weizenkontrakt - dieser enthält schon Lagergeld und ist der am meisten gehandelte - war bei 186 Euro/t ebenfalls um 1 Euro zum Vortagesschlusskurs im Plus, verzeichnet aber einen Wochenverlust von 0,25 Euro. Raps zur Lieferung im August gab im Wochenabstand ebenfalls ab und stand am Freitagmittag bei 379 Euro/t.

Kassamarkt in Österreich springt an

Der Markt springt an, Verarbeiter im In- und Ausland würden Rohstoff neuer Ernte 2020 ordern, heißt es von österreichischen Getreidehändlern. Die Weizenernte werde zwar immer wieder durch Niederschläge unterbrochen, doch zeigen sich Handel und Produzenten mit den bisher eingebrachten Qualitäten sehr zufrieden. Erfreulich sei dabei auch, dass die Ernte 2020 beim Weizen vernünftige Mengenanteile aller Qualitätsstufen vom Mahl- bis zum Premiumweizen und nicht nur fast ausschließlich das Aufmischsegment hervorbringe. Dies erlaube eine unaufgeregte Versorgung auch der inländischen Mühlen mit den von ihnen gefragten Qualitäten und verringere die Abhängigkeit von Spezialitäten-Exportmärkten wie Italien.

Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche Premiumweizen neuer Ernte mit 183 bis 189 Euro/t um 3 Euro höher als in der Vorwoche, Qualitätsweizen blieb unverändert und Mahlweizen zog im Mittel des Preisbandes um 1,50 Euro/t an. Damit zeige sich laut Beobachtern eine recht normale Abstufung zwischen den Preisen der einzelnen Qualitätsstufen. Mit einiger Skepsis wurde lediglich die starke Spreizung des Preisbandes der Mahlweizennotierung beäugt. Jedenfalls aber können die Ab-Stations-Notierungen von Mahlweizen inländischer Herkunft gegenüber jenen CPT-notierten von Einfuhren aus dem EU-Raum nach Niederösterreich einen deutlichen "Österreich-Bonus" verbuchen, heißt es.

Als auffällig kommentieren Händler die Importnotierung von Durum nach Niederösterreich, denn am heimischen Kassamarkt würde der Handel Hartweizen inländischer Provenienz schon zu höheren Preisen kaufen, als hier einschließlich Transport aus dem EU-Ausland bezahlt worden sind. Insider vermuten dahinter "Druckpartien" aus der östlichen Nachbarschaft.

IGC nimmt weltweite Weizen- und Maisernten zurück - Bilanzen leichter geschätzt

Der IGC nimmt in seinem am Donnerstag dieser Woche veröffentlichten Grain Market Report (GMR) vom Juli 2020 die Schätzung der weltweiten Weizen- und Maisernten 2020/21 zum Vormonat um 6 beziehungsweise 5 Mio. t zurück, reduziert die Prognosen für den Verbrauch allerdings nur um jeweils 1 Mio. t. Daraus resultieren gegenüber dem Juni-Bericht auch leichtere Weizen- und Maisbilanzen. Die Revision der Erntezahlen geht auf das Konto geringerer Ertragserwartungen für Weizen in der EU, in den USA, in Russland und Argentinien und für Mais in den USA. Die weltweite gesamte Getreideernte übertrifft die des Vorjahres 2019/20 dennoch noch immer um 2,2% - angeführt von Mais mit einer Spitze von 1,164 Mrd. t (+4,2% zum Vorjahr) - mit dem neuen Rekord von 2,225 Mrd. t, wobei die Weizenproduktion mit 762 Mio. t auf Vorjahresniveau bleibt.

Ein neues Allzeit-Hoch soll auch der globale Getreideverbrauch mit einer Zunahme um 1,8% auf 2,218 Mio. t erklimmen, wobei insbesondere ein Plus von 4,2% in der industriellen Verwertung hervorsticht. Die weltweiten Getreideendlager wachsen zwar 2020/21 um 1,1% an, die Ratio von stock to use schmilzt aber leicht auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren ab. Dies geht vor allem auf den vierten Bestandsabbau von Mais in Folge zurück und erfolgt vor allem in China. Die Endlager aller anderen Getreidearten, einschließlich Weizen, dessen Reserven auf einen neuen Rekord anschwellen, nehmen hingegen zu. Mit starker Weltmarktnachfrage bauen sich aber die Weizenendbestände der großen Exporteure (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) um 3,9 Mio. t und einen Anteil von 21,6% der weltweiten Weizenlager ab, wohingegen etwa China seine Reserven um 8 Mio. t und 47,9% der Weltlager oder Indien um 4,4 Mio. t auf 10,0% aufstockt.

EU-Weizenprognose zum Vormonat um 2,8 Mio. t verringert - Bilanz sehr eng

Die Londoner Experten verringern ihre Schätzung der Weizenernte in der EU-27 zum Vormonat um 2,8 Mio. t auf 125,6 Mio. t. Die damals noch 28 Mitglieder zählende Union erntete 2019 noch 155 Mio. t Weich- und Hartweizen. Damit sinkt auch die Exportprognose um 1 Mio. t auf 26,5 Mio. t, nachdem die damals noch um das Vereinigte Königreich größere Union 2019/20 37,4 Mio. t Weizen ausgeführt hat. Letztlich revidiert der GMR auch die Endbestandsprognose zum Juni um 1,2 Mio. t auf 11 Mio. t nach unten, woraus im Gegensatz zur globalen Lage (38,40% Ratio stock to use) eine sehr enge Bilanz mit 11,4% Endlageranteil am Verbrauch resultiert.

1 Mio. t weniger als vor Monatsfrist, nämlich nunmehr 78 Mio. t, steht auch in der Prognose für die Weizenernte Russlands. Das Minus der USA zum vorigen Report beträgt 0,5 Mio. t (49,6 Mio. t) und das Argentiniens 0,6 Mio. t (20,4 Mio. t). Russland werde 2020/21 mit Ausfuhren von 37,1 Mio. t wieder den weltweiten Spitzenplatz unter den Exporteuren erobern.

Sojahandel wächst weiter - Produktion erholt sich 2020/21 um 7,9%

Der IGC hob den Welthandel mit Sojabohnen im Wirtschaftsjahr 2019/20 vor allem wegen erhöhter Exportzahlen Südamerikas gegenüber dem Juni-GMR um 3 Mio. t auf 158 Mio. t (Produktion weltweit: 339 Mio. t) an, was einem Zuwachs von 4% zur Vorsaison entspricht. 2020/21 soll sich dank verbesserter Aussichten für Brasilien und die USA die globale Sojabohnenproduktion um 7,9% auf 365 Mio. t erholen und sich bei einem 3,4%igem Verbrauchszuwachs auf den neuen Rekord von 364 Mio. t der Endlagerstand um 1 Mio. t oder 1,7% lediglich eine Spur vergrößern, nachdem er 2019/20 um 22,8% geschmolzen ist.

Dabei wächst trotz Corona-Krise insbesondere der Soja-Appetit Chinas kontinuierlich von Jahr zu Jahr auf nunmehr 96,5 Mio. t Bohneneinfuhren im Jahr 2020/21 - das sind 59,8% aller weltweit getätigten Sojabohnenimporte. Zum Vergleich: 2020/21 soll die EU 14,4 Mio. t Sojaeinfuhren benötigen. Auf der Gegenseite stehen „die großen Drei“, Brasilien (83,1 Mio. t Sojabohnenexport), USA (55,8 Mio. t) und Argentinien (8,5 Mio. t), zusammen für 91,3% Marktanteil an allen weltweiten Sojabohnenexporten.

Starke Getreide- und Ölsaatenpreise treiben Preisindex GOI im Juli um 2,9% in die Höhe

Der globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) stieg dank starker Exportpreise von Getreide und Ölsaaten seit Juni um 2,9% (+3,7% zum Vorjahr) nahe an ein Sechsmonate-Hoch. Den Anstieg der Subindices seit dem Vorbericht führt der von Gerste mit +4,9% (-2,7% zum Vorjahr) vor dem von Sojabohnen mit +4,5% (+6,1% zum Vorjahr) an. Dabei wurden die Sojabohnenpreise in den USA von der Nachfrage aus China beflügelt sowie die in Brasilien vom schwindenden Angebot. Der Subindex von Mais legte im Monatsabstand, angezogen von vor allem in Argentinien steigenden Exportprämien, um 3,8% (-8,4% zum Vorjahr) zu und der von Weizen um 3,2% (+3,9% zum Vorjahr), unterstützt von enttäuschenden Ernteresultaten in Teilen Europas sowie der Schwarzmeerregion. Lediglich der Reisindex gab aufgrund schwächerer Preise von Exporten aus Thailand und saisonal schwacher Nachfrage zum Juni 3,5% ab, bleibt aber noch immer 12,1% über Vorjahresniveau. (Schluss) pos

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