Unspektakulärer WASDE lenkt Scheinwerfer auf US-China-Handelsdeal

Unsicherheit bleibt - China setzt E-10 aus - Rätsel "wundersame Maisvermehrung" Chinas

Wien, 13. Jänner 2020 (aiz.info). - Am Freitag (10. Jänner) veröffentlichte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) den Monatsbericht zu den weltweiten Versorgungsbilanzen WASDE (World Agricultural Supply and Demand Estimates). Sorgten die Jänner-Ausgaben des WASDE in vergangenen Jahren mit deutlichen Revisionen der Bilanzprognosen oft für Aufsehen an den Märkten und gaben diese eine neue Richtung, fiel der Report heuer unspektakulär aus. Er tat der bullishen Stimmung an den Börsen keinen Abbruch. Demnach würden die globalen Weizenendlager 2019/20 etwas schwächer wachsen als laut Dezember-Bericht und die von Mais und Getreide insgesamt stärker schmelzen. Damit lenkt das USDA das Scheinwerferlicht der Märkte nun auf die für Mittwoch angesagte und mittlerweile auch von Peking bestätigte Unterzeichnung des Phase-Eins-Handelsabkommens mit dem vor allem agrarischen Deal zur Beilegung des Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, den USA und China.

Kleinere Überraschungen brachte nur, dass der WASDE den Bestandsabbau beim Weizen kleiner schätzt als die Märkte und die Maisernte sowie die Winterweizenfläche in den USA etwas größer. Die Warenterminbörsen dies- und jenseits des Atlantiks reagierten auf den Bericht gelassen: In Chicago schloss der Soft Red Winter-Weizen am Freitag um umgerechnet 0,75 Euro höher (1 Euro = 1,1115 USD) bei 187,02 Euro/t und Mais um 0,88 Euro stärker bei 136,92 Euro/t. Der März-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris beendete die Vorwoche etwas unter seinem Siebenmonate-Hoch mit einem Minus von 0,25 Euro/t bei 191,50 Euro/t. Da der WASDE um 17 Uhr MEZ erscheint, hat die Euronext, deren Handel um 18.30 Uhr schließt, traditionell wenig Zeit, den Bericht am selben Handelstag noch eingehend zu analysieren und zu verdauen. Am Montagmittag handelten der Euronext-Weizen neutral und vorbörslich in Chicago online Weizen leicht im Minus sowie Sojabohnen und Mais im Plus.

NASS: Zweitkleinster Winterweizenanbau in den USA

Gleichzeitig mit dem WASDE teilte das NASS (National Agricultural Service) in den USA mit, zum Anbau für die Ernte 2020 hätten die US-Farmer die Winterweizenfläche gegenüber 2019/20 (12,6097 Mio. ha) um ein weiteres Prozent auf 12,4596 Mio. ha zurückgenommen. 2018/19 seien es noch 13,1694 Mio. ha gewesen. Dies sei die zweitkleinste Winterweizenfläche in der rund 110 Jahre geführten Statistik. Innerhalb des Winterweizenanbaus kam es zu Verschiebungen, indem Hard Red Winter (etwa entsprechend Qualitätsweizen) um 3% auf 8,8222 Mio. ha verlor, Soft Red Winter (schwacher Mahlweizen) um 8% auf 2,2824 ha gewann und White Winter (Keksweizen) um 4% weniger auf 1,3638 Mio. ha ausgesät wurde. Die erst in den zwei Staaten Arizona und Kalifornien ausgewertete Durum-Fläche legte um 9% zum Vorjahr zu, liegt aber immer noch um 41% unter dem vor zwei Jahren.

Die Canola-Rapsfläche in den ebenfalls erst verfügbaren zwei Staaten Kansas und Oklahoma schrumpfte um 58% auf neue Rekord-Tiefs.

Vertrauen in Agrardeal zwischen USA und China noch wackelig - China setzt E-10 aus

Die Märkte trauen den von US-Präsident Donald Trump angepriesenen Inhalten zum Agrarteil des Phase-Eins-Handelsdeals mit den Chinesen noch nicht so recht. Sie bezweifeln, dass China - auch trotz seiner weiterhin bestehenden Einfuhrkontingente - tatsächlich binnen zwei Jahren seine Käufe von Agrargütern aus den USA von zurzeit einem Wert bei etwa 10 Mrd. USD (9 Mrd. Euro) auf jährlich 40 bis 50 Mrd. USD (36 bis 45 Mrd. Euro) hochfahren werde oder auch nur könne. Denn, so Skeptiker, zu Spitzenzeiten vor dem Handelskrieg in den Jahren 2013 und 2014 hätten die Chinesen um 25 Mrd. USD (23 Mrd. Euro) bei amerikanischen Agrarexporteuren eingekauft, aber es hätten damals etwa Sojabohnen um ein Drittel mehr und Weizen sogar das Doppelte von zurzeit gekostet.

Vor allem aber sorge China vorige Woche für neue Verunsicherung der US-Maisfarmer: Es gab bekannt, aufgrund eines drastischen Rückgangs seiner Maisvorräte und begrenzter Verarbeitungskapazitäten die für 2020 angesagte Beimischung von 10% Bioethanol zu Kraftstoffen vorerst - und auf unbestimmte Zeit - auszusetzen. Das E-10-Programm war 2017 verkündet worden.

2017 verhängte aber China mit dem Ausbruch des Handelskrieges laut Agenturberichten gleichzeitig Strafzölle von 30% auf Ethanol-Lieferungen aus den USA, die es mit der weiteren Eskalation 2018 auf zusätzliche 40% hinaufgeschraubt habe. Zuvor habe es 2016 vor Ausbruch des Konflikts aus den USA 20% der Produktion des aus Mais hergestellten Benzinzusatzes im Wert von jährlich 300 Mio. USD (270,49 Mio. Euro) gekauft. 2018 seien es dann gut 200 Mio. l Ethanol sowie 290.173 t Mais aus den USA gewesen. Um das Ziel seines E-10-Vorhabens 2020 zu erreichen, würde China den Berichten zufolge 15 Mio. t Bioethanol mit einem Rohstoffbedarf von 45 Mio. t Mais - oder 16% seines Jahresverbrauchs von 279 Mio. t - jährlich benötigen. Das ist das Vierfache der derzeit beigemischten Menge.

Chinas undurchsichtige "wundersame Maisvermehrung"

Etwas undurchsichtig bleibt auch die ins Treffen geführte Verknappung der Maisreserven Chinas. Laut aktuellem WASDE wird China am Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 gut 199 Mio. t Mais in seinen Silos horten. Das entspricht 71,35% seines Inlandsverbrauchs. Die Reserven nähmen demnach gegenüber 2018/19 um 11,25 Mio. t zu und 2017/18 um 23,46 Mio. t ab.

Im November 2018 überraschte China die Weltmärkte just nach Ausbruch des Handelskrieges mit den USA mit einer "wundersamen Maisvermehrung". Das China National Grains and Oils Information Center (CNGOIC) revidierte diese Woche auf Basis des jüngsten, alle zehn Jahre vorgenommenen chinesischen Agrarzensus die Maisernten des Reichs der Mitte für den Zeitraum 2015 bis 2018 gegenüber den bisherigen offiziellen Statistiken um 170 Mio. t nach oben, die weltweiten Maisendlager schnellten damit praktisch um das Doppelte in die Höhe. Die "Maisvermehrung" in China entspricht rund 81-mal der aktuellen österreichischen Körnermaisernte von gut 2 Mio. t.

Marktteilnehmer rätseln seither, ob diese Offenbarung der staatlichen chinesischen Statistiker nicht ein Potjemkinsches Dorf gewesen sei, die Amerikaner im Handelskonflikt mit ihrer vermeintlichen Maisautarkie einzuschüchtern, oder, wenn nicht, und diese Maismengen tatsächlich vorrätig wären: Ob diese nach der jahrelangen Lagerung überhaupt noch zur Verarbeitung, selbst zu Bioethanol und dem damit gekoppelten Eiweißfutter, taugten.

Jänner-WASDE: Kleinere Endlager von Weizen und Mais - EU exportiert mehr Weizen

Das US-Landwirtschaftsministerium bringt im Jänner-WASDE-Bericht keine dramatischen Neuigkeiten. Die Weizenendlager wachsen 2019/20 etwas schwächer als laut Dezember-Report, die von Mais und Getreide insgesamt schmelzen stärker. Dabei revidiert das USDA die Weizenproduktion um 1,02 Mio. t nach unten, wobei die Prognosen für Russland um 1 Mio. t und die für Australien um 0,5 Mio. t gesenkt werden. Die Ernteschätzung für Australien liegt mit 15,6 Mio. t aber noch höher als jüngst im Land geäußerte Befürchtungen, die Hitze- und Dürrewelle sowie Buschbrände ließen den Weizenertrag der laufenden Ernte gar unter 15 Mio. t schrumpfen. Die Weizenernte der EU setzt der Report zum Vormonat um 0,5 Mio. t höher an. Den Verbrauch sowohl in den USA als auch weltweit schätzt man um 0,61 Mio. t höher als im Dezember. Daraus resultiert eine Rücknahme der Endlagerprognose um 1,42 Mio. t, marginal um 0,25 Mio. t auch in den USA, vor allem aber in der EU um 1,7 Mio. t.

Gros der Weizenlager in China - Rest der Welt enger versorgt

Die weltweite Produktion übertrifft jedoch immer noch den Verbrauch und somit sollen die Weizenendlager 2019/20 um 10,02 Mio. t anschwellen und 38,19% des Bedarfs erreichen. China, wo 51,18% der globalen Weizenreserven liegen, herausgerechnet, kommt diese Ratio von stock to use allerdings nur bei 22,45%, in den wichtigsten Exportnationen (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Russland und Ukraine) bei 12,82% und in der EU sogar nur bei 8,47% zu liegen.

EU-Weizenexport um 2 Mio. t angehoben

Im Update der Exportprognosen kommt die EU im Monatsabstand auf ein Plus von 2 Mio. t Weizen (31 Mio. t) und die Ukraine von 0,5 Mio. t, wohingegen die Ausfuhren Russlands um 1 Mio. t (34 Mio. t) zurückgenommen werden. Die Verschiebung begründet das USDA mit zugenommener Preis-Wettbewerbsfähigkeit des EU-Weizens und relativ gestiegenen Preisen von russischem.

Maislager schmelzen stärker als bisher geglaubt - Chinas Lageranteil noch extremer

Den Problemen bei der Herbsternte zum Trotz, setzt das USDA etwas überraschend die US-Maisernte um 0,77 Mio. t größer als vor Monatsfrist an. Die Anhebung der Verbrauchsprognose für die USA um 5,84 Mio. t - vor allem für die Verfütterung - gleicht die Ernterevision sowie um 1,9 Mio. t geringer angenommene Ausfuhren aber mehr als aus und die US-Endbestände werden um 0,46 Mio. t gesenkt. Die weltweite Maisernte 2019/20 revidiert das Ressort um 2,2 Mio. t hinauf, den Verbrauch allerdings gleichzeitig um 6,18 Mio. t. Daraus resultiert mit einem Bestandsabbau um 22,58 Mio. t (+3,97 Mio. t zur Dezember-Schätzung) ein Endlagerstand von 26,28% des Verbrauchs. Noch extremer als beim Weizen hortet China mit 199,07 Mio. t 66,23% der globalen Maisreserven, obwohl diese im Jahresabstand um 11,25 Mio. t abgebaut werden sollen. Ohne China reduziert sich die Ratio von stock to use im Rest der Welt auf knappe 11,56%. Noch knapper endet die EU-Maisbilanz mit 10,58% Endlageranteil an ihrem Verbrauch, zu dessen Deckung sie im laufenden Wirtschaftsjahr 21 Mio. t oder gut ein Viertel einführen muss.

Bestandsabbau bei Ölsaaten - Chinas Sojahunger wieder stärker

Einen Bestandsabbau prognostizieren die Washingtoner Experten auch dem globalen Ölsaatenmarkt, wobei einer im Jahresvergleich um 3,69% kleineren Ernte ein Verbrauchszuwachs von 1,55% gegenübersteht. Während das USDA die Rapsernten zunehmend kleiner einstuft, setzt es die weltweite Sojabohnenernte eine Spur auf 337,70 Mio. t hinauf, aber um 5,81% schwächer als 2018/19 an. Der Konsum hingegen soll zum Vorjahr um 1,76% zulegen. Daraus resultiert ein Abbau der Sojabohnenbestände in der laufenden Saison um 13,61 Mio. t. Von den 149,15 Mio. t über Grenzen hinweg gehandelten Sojabohnen - dies entspricht 44,17% der Gesamterzeugung - entfallen auf die Einfuhren Chinas 85 Mio. t oder 47,45% aller weltweit getätigten Importe. Der Sojahunger Chinas am Weltmarkt soll 2019/20 gegenüber den im vorigen Wirtschaftsjahr zugekauften 82,54 Mio. t zwar wachsen, erreicht aber noch immer nicht die 94,10 Mio. t aus der Zeit vor dem Handelskonflikt mit den USA in der Saison 2017/18. (Schluss) pos

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