US-Exporteure warten auf Bestellungen aus China - Weizen international fest

Heftige Exporte der EU - Heimischer Markt unspektakulär - IGC: Weltbilanz ohne China eng

Wien, 24. Jänner 2020 (aiz.info). - Die Exporteure in den USA warten auf Bestellungen aus China - aber sie kommen nicht. Das US-Landwirtschaftsministerium konnte laut Agenturberichten seit der Unterzeichnung des Phase 1-Handelsdeals mit China Mitte voriger Woche noch keinen einzigen Kauf von Sojabohnen oder Mais aus dem Reich der Mitte bestätigen. Die Sojabohnennotierungen an der CBoT steuern damit auf Verluste die zweite Woche in Folge zu. Mais kann sich in Chicago aufgrund reger Exportnachfrage besser halten und Weizen erklomm zwischenzeitlich ein Eineinhalbjahres-Hoch, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten. Lebhafte Exportnachfrage greift auch den Weizenkursen an der Euronext in Paris weiterhin unter die Arme, wenngleich auch hier Gewinnmitnahmen die Rallye zeitweise unterbrechen.

Mit 196 Euro/t steuerte der März-Weizenkontrakt in Paris am Freitagmittag auf einen neuerlichen Wochengewinn zu, nachdem er am Mittwoch ein Eineinhalbjahres-Hoch markiert und mit 198,25 Euro/t geschlossen hat. Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London spricht in seiner am Donnerstag veröffentlichten Jännerausgabe des Grain Market Reports trotz einer etwas höheren Endlagerprognose von einem weltweiten Bestandsabbau bei Getreide (Weizen, Futtergetreide und Mais) auf ein Vierjahres-Tief, wobei die Versorgung der Welt, wenn man China herausrechnet, noch viel enger ausfällt. Laut IGC haben die Preise seit dem letzten Report im November mit einem Plus von 4% eine Rallye hingelegt. Der heimische Kassamarkt läuft bei stabilen Brotweizen- und leicht verbesserten Futtergetreidepreisen unspektakulär. Käufer haben es nicht eilig und wollen von der Nachhaltigkeit der internationalen Befestigung der Preise erst einmal überzeugt werden.

Heftige Exporttätigkeit stützt Weizenpreise in der EU

Weiterhin stützt heftige Exportnachfrage die Weizenpreise in der EU - sowohl an der Terminbörse Euronext in Paris als auch auf den Kassamärkten. Nach technischen Problemen veröffentlichte die EU-Kommission am Montag den ersten Exportbericht seit der Woche vor Weihnachten. Demnach kamen zum Stichtag 19. Jänner in 29 Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 ganze 17,719 Mio. t Weichweizenausfuhren zustande. Das sind um 71% mehr als im Jahresabstand. Unsicherheiten bestehen nach wie vor in Frankreich durch die Streiks von Eisenbahnern und Hafenarbeitern in Frankreich, die den Warenstrom versiegen lassen zu drohen, zumindest aber verteuern. Dafür soll Deutschland neben der Ausfuhr von höherwertigem Weizen für seinen Nachbarn zunehmend auch mit dem Export des schwächeren Backweizens mit 10,5 bis 11% Protein einspringen. Für Weizen mit 12,5% werden an den deutschen Exporthäfen Preise von 3,50 bis 4,50 Euro/t über Euronext geboten beziehungsweise verlangt.

Algerien schloss diese Woche einen Tender über dem Vernehmen nach 400.000 bis 450.000 t Weichweizen optionaler Herkunft zur Lieferung im März. Der Großteil soll aus Frankreich, traditionell dank des kurzen Weges über das Mittelmeer das Lieferland Nummer eins, bedient werden. Als Preise wurden zugestellt (c&f) rund 245 USD/t (220,42 Euro) kolportiert. Die Preise seien im Vergleich zur letzten Ausschreibung vom 5. Dezember, als 227 bis 228 USD/t c&f (204,23 bis 205,13 Euro) bezahlt worden seien, scharf angestiegen.

Dem europäischen Export halfen zuletzt auch ein starker Rubelkurs und hohe Preise beim Konkurrenten Russland. Die EU-Kommission weist im wöchentlichen Vergleich von Exportpreisen auf fob-Basis zum Stichtag 22. Jänner bei einem Kurs des Euro von 1,1301 USD Weizen aus der EU mit umgerechnet 224 USD/t (-1 USD zum 15. Jänner) am billigsten aus vor Schwarzmeerweizen mit 230 USD/t (+5 USD zum 15. Jänner) und ganz deutlich vor Soft Red Winter aus den USA (264 USD/t, +6 USD zum 15. Jänner).

Unspektakulärer Kassamarkt in Österreich

Händler sprachen im Umfeld der Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch dieser Woche von einem "unspektakulären Markt". Geschäfte liefen stetig, die Verarbeiter hätten es aber mit Neuabschlüssen für Brotgetreide nicht eilig – auch, weil sie offensichtlich den Preissprüngen an der Euronext noch nicht recht trauten. Damit blieben die Notierungen für Premium- und Qualitätsweizen diese Woche im Schnitt des Preisbandes auch unverändert und schlossen sich der Rallye in Paris nicht an. Beim Qualitätsweizen tat sich lediglich das Preisband etwas weiter auf. Nach zuletzt Mitte Dezember wurde auch wieder ein Mahlweizengeschäft notiert, und zwar um 2 Euro/t niedriger als zuletzt. Allerdings heißt es auch, dass Mahlweizen aus inländischer Ernte 2019 de facto nicht vorhanden sei.

Eine Fortsetzung finde die Befestigung der Futtergetreidepreise - auch die von Mais. Futtergerste legte gegenüber der Letztnotierung vor Weihnachten um 3 Euro/t zu und inländischer Futtermais um 4 Euro/t. Insgesamt richtet sich der Fokus des Marktes zunehmend auf die Planungen zum bevorstehenden Frühjahrsanbau.

Sorgen bereitet Niederwasser auf der Donau in Bayern. Schiffe könnten nur mit halber Fracht beladen werden. Kleinwasserzuschläge verteuerten dabei insbesondere die Zufuhr von Eiweißschroten aus Westeuropa. Eine Entspannung der Situation sei in der kommenden Woche nicht in Sicht, es drohe eher eine Verschärfung. Unterhalb Wiens seien noch keine Beeinträchtigungen der Schifffahrt gemeldet worden.

IGC: Trotz etwas höherer Endlagerprognose Bestandsabbau auf Vierjahres-Tief

Der Internationale Getreiderat IGC schätzt in seinem Grain Market Report (GMR) vom Jänner 2020 die weltweiten Getreideernten (Weizen und Futtergetreide inklusive Mais) 2019/20 gegenüber dem November-Report um 8 Mio. t größer. Dies vor allem, weil er die Maisproduktion der USA um 3 Mio. t und die Chinas um 5 Mio. t nach oben revidiert. Mit 2,170 Mrd. t ist dies die zweitgrößte Getreideproduktion der Geschichte und ein Plus von 1,3% zum Vorjahr. Größere Produktionsmengen von Weizen und Gerste wiegen kleinere vom Mais mehr als auf. Ebenso stark - um 1,3% - wächst der Verbrauch auf den Allzeitrekord von 2,194 Mrd. t. Unter dem Strich resultiert in einer Höhe von 25 Mio. t oder -4,0% der dritte Bestandsabbau in Folge auf das Vierjahres-Tief von 599 Mio. t (+5 Mio. t zur November-Schätzung). Der Rückgang der Endlager geht aus das Konto von Mais (-39 Mio. t), wohingegen die von Weizen (+7 Mio. t) und Gerste anwachsen.

Welt ohne China viel enger versorgt, als es globale Statistiken glauben lassen

Ohne China schätzt das Grains Council die weltweiten Getreidereserven nach 2019/20 etwas geringer als im November bei 281,6 Mio. t. Das heißt: 53% der Endlager liegen in China und mit einer Ratio von stock to use von 27,30% ist die Welt-Getreidebilanz einschließlich Chinas viel großzügiger als ohne das Reich der Mitte, denn da bleiben nur 15,94% des Verbrauchs als Reserve über.

Ähnlich stellen sich die Weizenbilanzen dar: Während sich weltweit ein Bestandsaufbau um 7 Mio. t auf 272,1 Mio. t oder 36,07 % des Verbrauchs abzeichnet, wachsen - China herausgerechnet - die weltweiten Weizenendlager 2019/20 nur um 0,4 Mio. t oder die deutlich engere Ratio stock to use von 23,07% an. Der Anteil Chinas an allen globalen Weizenreserven macht 47,04% aus. Die größten Weizenexporteure (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA) verzeichnen demnach gar einen Endlagerabbau um 4 Mio. t auf 27,26% ihres Konsums, und der EU bleiben nur sehr knappe 11,94% ihres Weizenverbrauchs über. Übrigens setzt auch der IGC seine Weizenexportprognose für die Union gegenüber dem November deutlich - nämlich um 1,4 Mio. t - auf 29,1 Mio. t (+23,31% zum Vorjahr) hinauf.

Globale Sojalager schrumpfen um ein Drittel - in den USA sogar Halbierung

Trotz Rekordernten in einer Reihe von Ländern, angeführt von Brasilien, fällt wegen der kleinsten Ernte in den USA seit sechs Jahren die weltweite Sojabohnenerzeugung 2019/20 um 5,2% kleiner als im Vorjahr aus. Gleichzeitig klettert der Verbrauch um 2,1% auf ein neues Allzeit-Hoch, sodass die globalen Sojabestände um ein Drittel abschmelzen und sich in den USA sogar halbieren.

IGC-Getreide- und Ölsaaten-Preisindex legt seit November Rallye mit +3,8% hin

Angezogen von starken Zuwächsen der Exportpreise von Weizen (+8,8% zum November, -1,0% zum Vorjahr), Mais (+7,8% zum November, +3,7% zum Vorjahr), Gerste (+3,8% zum November, -16,0% zum Vorjahr) und auch Reis (+6,0% zum November, +5,9% zum Vorjahr) legte der globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) seit dem November eine Rallye mit einem Plus von 3,8% und 1,8% gegenüber dem Vorjahr hin. Er erreichte den höchsten Stand seit Oktober 2018. Das Elfmonate-Hoch des Subindex für Weizen begründen die Londoner Experten mit solider Exportnachfrage, der Bestätigung von Ernteverlusten in Australien (15,9 Mio. t, -1,1 Mio. t gegenüber November, -1,4 Mio. t zum Vorjahr und -5 Mio. t zu 2017/18) und mit der Besorgnis um alles andere als ideale Bedingungen für die Bestände in Teilen der EU und der Schwarzmeer-Region. Die Preisgewinne von Mais beruhten auf dem saisonalen Rückgang der Verfügbarkeit aus Südamerika bei allgemein starkem Bedarf.

Lediglich der Subindex von Sojabohnen habe wegen der Aussicht auf große Ernten im kommenden Wirtschaftsjahr ausgehend von Brasilien eine Abschwächung um 0,6% im Vergleich zum November, jedoch immer noch eine Befestigung um 3,7% zum Vorjahr erlebt. (Schluss) pos

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