US-Handelspolitik und Ernteprognosen schicken Getreidenotierungen in den Keller

Kritik: Trump nimmt unbeteiligte Märkte in "Geiselhaft" - Restvermarktung in Österreich

Wien, 13. Mai 2019 (aiz.info). - Die Eskalation des Handelskrieges der USA mit China und eine von den Märkten als stark bearish interpretierte erste Prognose der weltweiten Versorgungsbilanzen 2019/20 des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) in seinem WASDE-Bericht schickten die zuvor schon depressiven Notierungen von Weizen, Mais und Sojabohnen zu Ende der Vorwoche noch tiefer in den Keller. Marktteilnehmer kritisieren, dass US-Präsident Donald Trump mit der neuerlichen Erhöhung von Strafzöllen auf Waren aus China und die angedrohten Vergeltungsmaßnahmen Pekings unbeteiligte Märkte und deren Teilnehmer - wie unter anderem die Landwirte - weltweit in "Geiselhaft" nähme und diese Milliardenbeträge kosteten. Das USDA hob seine Prognose für die weltweiten Mais- und Ölsaatenendlager in der auslaufenden Saison 2018/19 deutlich an und sagt für 2019/20 einen Bestandsaufbau bei Weizen und Getreide insgesamt voraus, wobei vor allem die ohnehin komfortable Weizenbilanz noch schwerer werde. Die Kurse von Sojabohnen an der CBoT in Chicago fielen auf den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Weizen an der Euronext stürzt von einem Kontrakttief zum anderen. Der neue Fronttermin zur Lieferung im September hielt am Montagnachmittag bei nur mehr 167,50 Euro/t und der für die neue Ernte repräsentativere Dezember-Weizenfuture bei 171,50 Euro/t. Drückend wirkt auch die - zumindest vorübergehende - Entspannung der Dürresituation in Europa.

Die Vermarktung der Ernte 2018 befindet sich in Österreich in der Endphase und bringt einige Kuriositäten mit sich. Die Preisvorstellungen der Abnehmer hätten sich vorige Woche vor dem WASDE-Bericht und den Ausritten Trumps wieder relativiert und der Markt sich zur Restdeckung wieder etwas belebt. Am Brotweizenmarkt, der sich von Angebot und Nachfrage her bis zum Anschluss an die neue Ernte ausgeglichen zeigen sollte, ließ Interesse an Restmengen am vorigen Mittwoch an der Wiener Produktenbörse entgegen den internationalen Trends die Notierungen von Premium- und Qualitätsweizen ansteigen. Es wurde sogar der äußerst ungewöhnliche Fall von Premiumweizen-Einfuhren aus dem EU-Ausland nach Oberösterreich notiert. Durumweizen konnte sich gegenüber der Letztnotierung Mitte April ebenfalls befestigen.

Die Maispreise - sowohl für Futter- wie auch für Industrieware - gaben dementgegen neuerlich nach. Dies sei Ausdruck früher in der Saison getätigter umfangreicher Einfuhren aus dem östlichen EU-Raum und aus der Ukraine sowie des gleichzeitigen Zuwartens inländischer Lagerhalter, heißt es. Nunmehr scheint bis zur neuen Ernte ausreichend Ware vorhanden zu sein.

Futtergersteneinfuhren aus der EU zu Preisen knapp am Premiumweizenniveau und deutlich über jenen von Futterweizeneinfuhren werden als "Notkäufe" von Mischfutterherstellern kommentiert, die auf Ware angewiesen seien, die nicht gegen Mais substituierbar sei.

WASDE-Bericht von Märkten als stark bearish aufgenommen

Der Mai-WASDE-Bericht hebt gegenüber dem Vormonat die globalen Endlagerprognosen für Mais und Ölsaaten im auslaufenden Wirtschaftsjahr 2018/19 an. In der ersten Prognose 2019/20 sagt der Report eine deutliche Erholung der globalen Weizenproduktion voraus. Zwar soll auch der Verbrauch wachsen, doch steht unter dem Strich ein Bestandsaufbau um 18 Mio. t. Die Ratio von stock to use wird noch schwerer und wächst auf 38,58% an. Erstmalig rechnet das USDA auch Bilanzen ohne China. Dabei fällt der Zuwachs der Weizenendlager 2019/20 nur mit 11,8 Mio. t aus.

Den größten Sprung in der Weizenerzeugung soll die EU machen und Russland führend im Export bleiben. Die Ausfuhren der USA werden im Minus geschätzt und die Lager dürften weiter anschwellen.

Starke Zunahmen setzt das USDA bei der Maisproduktion 2019/20 an. Mit den höher geschätzten Anfangsbeständen und einem Konsumzuwachs errechnet der WASDE-Report einen weltweiten Bestandsabbau um 11,2 Mio. t. Dieser gehe allerdings vorrangig auf das Konto Chinas, sodass im Rest der Welt die Maislager um 6,8 Mio. t zunehmen und den höchsten Wert seit 2006/07 erreichen sollen.

An Ölsaaten dürfte die Welt 2019/20 etwas weniger als in der aktuellen Saison hervorbringen, das Angebot vergrößern aber die nach oben revidierten Überlager aus 2018/19. Schlussendlich resultiert mit weiter wachsender Nachfrage ein minimaler Bestandsabbau. (Schluss) pos

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