USDA irritiert mit Mais- und Weizenendlagerprognose für USA Märkte kurzfristig

Auf den Kassamärkten geht bei den Durum-Preisen die Post ab

Wien, 11. Oktober 2019 (aiz.info). - Eine für die Märkte überraschend hohe Prognose der Mais- und Weizenendlager in den USA in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht WASDE des US-Landwirtschaftsministeriums USDA unterbrach kurzfristig eine seit September eingesetzte Erholung der internationalen Terminmärkte für Weizen, Mais und den Sojakomplex, konnte aber nicht nachhaltig irritieren. Ende September hatte das USDA noch mit unerwartet niedrigen Lagerstandsmeldungen für Mais und Sojabohnen in den US-amerikanischen Silos für Überraschung und eine Preishausse gesorgt. Nun knickte beispielsweise an der Euronext in Paris der Weizenfuture zur Lieferung im Dezember am Donnerstag kurz vor Handelsschluss zwar um 1,75 Euro/t ein, legte aber am Freitagvormittag schon wieder um 0,75 Euro/t auf 177,75 Euro/t zu. Damit gewann der Pariser Weizenfuture gegenüber seinem am 3. September in der laufenden Saison 2019/20 erreichten Tiefstand bei 166 Euro/t wieder 7%. An den internationalen Kassamärkten - und so auch in Österreich - geht aktuell die Post bei den Durum-Preisen ab.

Über Kanada brach in den vergangenen Wochen der Winter mit bis zu 30 cm Schnee ein, das Gros der Ernte steht aber noch auf den Feldern. Die zu befürchtenden Ausfälle bei einem der weltweit wichtigsten Lieferanten lässt die Durum-Mühlen nervös werden und um Rohstoff wetteifern. Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche inländischen Durum ab Station mit durchschnittlich 223 Euro/t, wobei die Oberkante des Preisbandes schon bei 230 Euro/t liegt. Zuletzt notierte er Mitte September mit 213,50 Euro/t.

Händler berichten, das Ende der Fahnenstange sei aber noch nicht erreicht und die Preise stiegen laufend weiter - so auch beim größten europäischen Produzenten, Frankreich. Franko Mühlen in Deutschland oder der Schweiz werden schon Preise jenseits der 300 Euro kolportiert, aktuell ließen sich hierzulande ab Station 250 Euro mit weiter steigender Tendenz ableiten. Die Notierung für Durum österreichischen Anbaus zeige auch gegenüber der von Importware einen gewissen Bonus.

Stabil bleibe die zufriedenstellende Nachfrage nach Premiumweizen vor allem aus Italien, wobei sich die obere Wiener Notierung diese Woche um 1 Euro/t auf 189 Euro/t befestigte und die untere um ebenso viel nachgab. Marktbeteiligte sehen wegen des guten Absatzes aber eher die Oberkante als Maßstab. Am Futtergetreidemarkt hatte man Gerste eine Zeit lang im Vergleich zu Mais recht schwach bewertet gesehen, allerdings zog dann in der Vorwoche die Wiener Notierung prompt um 4 Euro auf 139 Euro/t an.

Die heimische Herbsternte bringe durchschnittliche Erträge, die nun auch in der Steiermark eingesetzte Maisernte stelle zufrieden. Die Verarbeiter hätten laut Landwirtschaftskammer die Erzeuger-Vertragspreise für Nassmais diese Woche unverändert zwischen netto 91,68 Euro/t und 94,60 Euro/t franko Fabrik und bei 30% Feuchtigkeit belassen. Für vertragsfreie Ware würde entsprechend weniger bezahlt. Insgesamt bleiben die Maispreise wegen jeder Menge aus dem Osten ins Land drängender Ware unter Druck.

Exportnachfrage stützt Preise auf dem Weltmarkt

Die Erholung der Weltmarktpreise ist zum einen bei Weizen und Mais einer regen Exportnachfrage geschuldet und zum anderen im Sojakomplex gestiegenen Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung im Handelskonflikt der USA mit China. Aus der EU laufen die Weizenexporte stetig, jüngst auch wieder einmal nach Ägypten und mit guten Aussichten nach Marokko. Dabei hilft der schwache Euro. Die EU-Kommission berichtete zum Stichtag 6. Oktober Weichweizenausfuhren im laufenden Wirtschaftsjahr von 6,646 Mio. t, was um 38% mehr ist als im Vorjahreszeitraum.

Der Internationale Getreiderat IGC berichtete in seinem Grain Market Report (GMR) vom September, der Globale Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) konsolidierte sich nach den heftigen Verlusten in den beiden Monaten zuvor und legte wieder um 1,1% (-6,5% zum Vorjahr) zu. Den Gesamtindex zogen vor allem die Subindices von Weizen mit einem Plus von 6,1% (-8,8% zum Vorjahr) und von Mais (+1,8%, -4,7% zum Vorjahr) in die Höhe. Die zuvorgegangenen Einbrüche des Weizenindex aufgrund der überreichlichen Versorgung wichen schließlich einem Aufwärtstrend, ausgelöst von reger Exportnachfrage und sich verstärkender Sorge um die Ernte in Nordamerika. Hier beeinträchtigt zu nasse und kalte Witterung die Qualität und den Ertrag der Sommerweizen. Nach einem 10%igen Absturz Anfang September wendete sich auch die Stimmung auf den Maismärkten schließlich ins Positive. Ausschlaggebend auch hier die Sorge um die Ernte in den USA und die Stärke anderer Märkte.

USDA schätzt über Erwarten hohe Mais- und Weizenendlager 2019/20 für die USA

Das US-Landwirtschaftsministerium nimmt im Oktober-WASDE-Bericht beim Getreide (Weizen, Futtergetreide und Mais) an den globalen Versorgungsbilanzen zwar nur relativ kleine Änderungen vor, überrascht aber insbesondere durch höhere Endlagerprognosen für die USA bei Weizen und Mais als zuvor von den Märkten angenommen worden war.

Demnach senkt der Report die weltweite Weizenernte gegenüber der September-Prognose um eine Spur, setzt aber gleichzeitig höhere Anfangsbestände und einen nach unten revidierten Verbrauch an. Damit kommt das USDA unter dem Strich gegenüber dem Vormonat auf 1,29 Mio. t größere Weizenendlager nach 2019/20 in der Rekordhöhe von 287,80 Mio. t. Dies sind 38,11% des Verbrauchs. Bei den Ernteschätzungen revidiert der WASDE-Bericht die Weizenmenge der USA um 0,5 Mio. t nach unten und die Australiens als Folge der Dürre um 1 Mio. t auf 198 Mio. t. Er belässt aber die Weizenernte Argentiniens, das ebenfalls von Dürre geplagt wird, unverändert bei 20,50 Mio. t. Die Getreidebörse in Buenos Aires kürzte etwa am Donnerstag ihre Schätzung der argentinischen Weizenernte von zuletzt 21 Mio. t auf 19,8 Mio. t.

USDA erhöht Weizenexportprognose für die EU und senkt die für USA

Die Weizenernte der EU setzt das USDA um 1 Mio. t auf 152 Mio. t hinauf und ebenso die Exporte um 0,5 Mio. t. Die Endlager der Union sollen damit im Jahresabstand um 2 Mio. t auf 12 Mio. t anwachsen, machen aber dennoch nur 9,41% ihres Eigenverbrauchs aus. Mangels Wettbewerbsfähigkeit reduziert der Report die Weizenausfuhren der USA zum September um 0,68 Mio. t auf 25,86 Mio. t und erhöht die Endlagerschätzung um 0,8 Mio. t auf 28,40 Mio. t - das sind 89,34% des Eigenverbrauchs der USA.

2019/20 erneut globaler Lagerabbau bei Mais und Ölsaaten

Die weltweite Maisbilanz schätzt das USDA vor allem aufgrund verringerter Anfangsbestände und einer geringfügig kleiner angesetzten Produktion mit einem Lagerabbau von 21,48 Mio. t um 3,72 Mio. t leichter als im Vormonat. Vor allem die Revision der US-Anfangsbestände um 8,95 Mio. t nach unten trägt dazu bei. Trotz schwächerer Exportprognosen sollen die Maislager der USA 2019/20 um 6,63 Mio. t abschmelzen. Die Märkte hatten mit einem noch stärkeren Abbau gerechnet, da ihre Ernteerwartungen deutlich unter denen des Washingtoner Ministeriums gelegen sind. Zu einem Bestandsaufbau soll es unter anderem in der EU kommen, wobei die Union zur Deckung ihrer 82,50 Mio. t Maisverbrauch bei einer Eigenproduktion von 64,80 Mio. t 21 Mio. t Mais importiert.

Die weltweite Ölsaatenernte setzt das USDA sowohl im Jahresabstand als auch gegenüber der September-Prognose kleiner an. Dazu tragen eine Revision der Schätzung für die US-Sojabohnenernte und Reduktionen der Rapsernten in Kanada, Australien und der EU bei. Die globalen Ölsaatenendlager sollen demnach 2019/20 um 18,43 Mio. t und davon die von Sojabohnen um 14,66 Mio. t abschmelzen. (Schluss) pos

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